WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Energie Erdgas im Mittelmeer produziert Konflikte

Seite 2/3

Gas auf dem Weltmarkt anbieten

Die größten börsennotierten Ölkonzerne der Welt

Noble Energy und der israelische Tankstellen- und Raffineriekonzern Delek sind die größten Anteilseigner des Konsortiums zur Ausbeutung der beiden Felder. Von der israelischen Regierung fordern sie die Genehmigung, ihr Gas auf dem Weltmarkt anzubieten: Das ist in Jerusalem derzeit zwar noch umstritten, sollte aber für die grundsätzlich wirtschaftsliberale Regierungskoalition von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kein großes Problem sein. Die inländische Erdgasnachfrage der acht Millionen Israelis allein würde die hohen Erschließungskosten für Leviathan nicht rechtfertigen, argumentiert das Noble-Delek-Konsortium.

Und hier kommt die Türkei ins Spiel. Schon dank des Energiehafens Ceyhan im Südosten des Landes, wo die große Pipeline aus Aserbaidschan endet, sind die Türken wichtige Spieler auf dem weltweiten Öl- und Gasmarkt. Hinzu kommt nicht nur das immer noch höchst fragliche Projekt der Nabucco-Pipeline vom Kaspischen Meer nach Westeuropa, sondern auch der anhaltende und weitgehend heimliche Handel mit dem politisch verfeindeten Iran und vor allem seit Anfang des Jahres auch das Abkommen mit der kurdischen Regionalregierung im Norden des Irak, die jetzt ohne Rücksicht auf die Zentralregierung in Bagdad Öl und Gas über die türkische Grenze auf den Weltmarkt exportiert.

Schiff gestürmt

Damit das reibungslos klappt, war die türkische Regierung zu bislang fast undenkbaren Konzessionen an die kurdische Minderheit im eigenen Land bereit. Darüber hinaus stellten Erdogan und seine Minister ihre bisher gängigen Dauerbeschimpfungen Israels ein. Und Premier Netanjahu sprang im März über seinen Schatten und entschuldigte sich bei Erdogan persönlich für einen Zwischenfall, bei dem israelische Soldaten vor drei Jahren ein Schiff vor der Küste des Gazastreifens gestürmt und neun türkische Zivilisten getötet hatten.

Israel sieht in der Türkei den idealen Abnehmer für das in Luftlinie keine 500 Kilometer von Ceyhan entfernt geförderte Gas. Und natürlich bietet der riesige Energiehafen im Südosten der Türkei ganz andere Möglichkeiten als der aus allen Nähten platzende Hafen Aschdod an der israelischen Mittelmeerküste.

Israelisch-türkische Pipeline

Die logische Folge solcher Überlegungen ist das Projekt einer israelisch-türkischen Pipeline am Meeresgrund, und nach Informationen türkischer Medien bemüht sich Zorlu, der drittgrößte türkische Industriekonzern, in Ankara und Jerusalem intensiv um einen entsprechenden Auftrag.

All das war vor wenigen Monaten kaum vorstellbar, als sich die politischen Beziehungen zwischen der Türkei und Israel auf dem Gefrierpunkt befanden. Aber nicht nur die Hoffnung auf die neuen Schätze unter dem Meer hat die beiden Länder zusammengebracht, sondern auch die Enttäuschung über andere potenzielle Partner: Ägypten und Griechenland.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%