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Engelmanns Eigenhandel

Yes, you can, Mr. President!

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Geldpolitischer Instrumentenkasten noch offen

Oliver Engelmann, Rentenmarktexperte

Zwar hat Fed-Vorsteher Ben Bernanke auf dem Notenbanktreffen im idyllischen Jackson Hole noch keine konkreten Pläne zu einer dritten Runde des "quantative easing" verkündet, sich jedoch alle Optionen mit Verweis auf den geldpolitischen Instrumentenkasten der Zentralbank offen gehalten. Von der neuen Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, wurde Bernanke sogar explizit dazu aufgefordert, auch über "unkonventionelle" Schritte zur Ankurbelung des Wachstums nachzudenken. Insofern dürfte es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sich der amerikanische Notenbankchef dazu entschließt. Last, but not least: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind keine Bananenrepublik in der Karibik, sondern immer noch die einzig verbliebene Weltmacht auf dem Globus. Zwar schickt sich China vor allem wirtschaftlich, aber auch militärisch an, den USA diesen Posten streitig zu machen, doch ist es für die Chinesen noch ein weiter Weg. Zumal deren Ideale und Vorstellungen nur wenig kompatibel erscheinen mit jenem Gedanken der individuellen Freiheit, den weltweit zu verteidigen sich die Amerikaner auf die Fahnen geschrieben haben. Das Vertrauen in die Anleihen der Vereinigten Staaten dürfte zu einem gewissen Teil auch auf der Macht des Landes gegründet sein. 

Markige Versprechungen zur Budget-Sanierung

"Aber so groß wie unsere Steuerlast auch ist, sie hat nicht Schritt gehalten mit den Staatsausgaben. Jahrzehntelang haben wir Defizit auf Defizit getürmt, unsere Zukunft beleihend und die unserer Kinder für die Annehmlichkeiten der Gegenwart. Diesen langen Trend fortzusetzen hieße unter Garantie, enorme soziale, kulturelle politische und wirtschaftliche Umwälzungen heraufzubeschwören. Sie und ich, als Individuen, können, indem wir leihen, jenseits unserer finanziellen Mittel leben, aber nur für eine begrenzte Zeit. Warum sollten wir dann glauben, dass wir als Nation nicht an dieselbe Beschränkung gebunden sind?", so fragt der amerikanische Präsident und man beginnt - der Weisheit gedenkend, wonach Einsicht der erste Weg zur Besserung sein soll - zu hoffen, Amerika könne doch die Kraft aufbringen, seine arg gebeutelten Staatsfinanzen zu sanieren. Doch leider stammt oben zitierte Einsicht in die Notwendigkeit, nicht weiter über die eigenen Verhältnisse zu leben, nicht aus dem Munde des amtierenden Präsident, sondern aus dem einer seiner Vorgänger: Ronald Reagan. In seiner ersten Ansprache im Amt, seiner "inaugural speech" am 20. Januar 1981, beschwor der vormalige Laiendarsteller aus Hollywood theatralisch die Erneuerung seines Landes. Dass dieser Wunsch nach Veränderung wohl nur reine Rhetorik war, zeigt ein Blick in die Statistik.

Munter weiter verschuldet

Zu Beginn seiner Amtszeit belief sich der Schuldenstand der USA auf 908.936.500.000 US-Dollar (Stand: 31.12.1980). Als Ronald Reagan das Weiße Haus verließ, zeigte die Schuldenuhr 2.857.430.960.187 US-Dollar (Stand: 29.09.1989) an. Ein astronomischer Zuwachs. Auch Reagans Nachfolger verkündeten in ihren Antrittsansprachen stets die Erneuerung von Geist und Land, um sich anschließend munter weiter zu verschulden. Das Ergebnis: ein Schuldenstand von 13.561.623.030.892 US-Dollar per 30.09.2010. Bei allem Vertrauen, dass ich gegenüber den Vereinigten Staaten empfinde: Die Rhetorik amerikanischer Präsidenten, die in Sachen Haushaltssanierung vieles verspricht und wenig hält, stimmt mich sorgenvoll. Die Herabstufung des Ratings durch S&P sollte von der Regierung (und der Opposition) als Warnschuss verstanden werden. Schöne Worte sind das eine, Taten das andere! Und Taten braucht Amerika, um nicht im Strudel der Staatsschulden unterzugehen. Denn wenn eines Tages die Anleger dem Markt für U.S.-Staatsanleihen den Rücken kehren sollten, werden auch keine noch so blumigen Bekenntnisse des Willens zur Erneuerung mehr helfen, jene schwerwiegenden sozialen, kulturellen, politischen und ökonomischen Konsequenzen abzuwenden, vor denen schon Ronald Reagan 1981 warnte. Ab jetzt muss gelten: Yes, you can, Mr. President! And you should!  

Hinweis: Herr Engelmann ist Mitarbeiter der Citigroup in Deutschland. Der von ihm verfasste Text gibt allein seine persönliche Meinung wieder und ist keine Analyse, Beratung oder Empfehlung der Citigroup.

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