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Erfolgsfaktor Geduld Die Hoffnungen des indonesischen Mittelstands

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Der Präsident denkt wie ein Unternehmer

Weil es nicht so rundläuft, hat er im August Wirtschaftsminister Sofjan Djalil entlassen und durch den früheren Zentralbank-Chef ersetzt. Mittelständler Yaputra ist dennoch optimistisch, dass Widodo langfristig erfolgreich sein wird: „Er denkt wie ein Unternehmer.“

Der Aufstieg des Präsidenten erinnert den Mittelständler an seine eigene Erfolgsgeschichte – auch wenn er es etwas leichter hatte. Yaputras Vater handelte mit Elektrowaren. Bereits in den Sechzigerjahren hatte die Familie einen Fernseher und ein Auto.

Doch Yaputra wollte das Geschäft nicht weiterführen. Schon als Kind hatte er eine Leidenschaft für Bleiglasfenster – aus bunten Glasstücken zusammengesetzte Bilder, die Heilige zeigen oder Geschichten erzählen. Stundenlang guckte der kleine Brian auf die Werke in Moscheen und Kirchen.

Als Erwachsener sah er darin eine Geschäftsmöglichkeit: Mit dem Abzug der Niederländer 1949, die als Kolonialherren viele Kirchen mit Bleiglasfenstern errichtet hatten, gab es im Land kaum noch Wissen über die Glaskunst, alle Fenster mussten importiert werden.

In dürftig bestückten Bibliotheken suchte Yaputra Anfang der Achtzigerjahre nach Informationen über Produktionsverfahren. Ein Jahr tüftelte er in seiner Garage. Narben an seinen Händen zeugen davon, wie oft das Glas zu Bruch ging. Erst als ein Mitarbeiter von einem Praktikum in den USA zurückkam und wertvolle Tipps mitbrachte, lief es besser.

Wettbewerbsfähigkeit ist die Ausnahme

Heute beschäftigt Yaputra 400 Mitarbeiter. „Ich habe die Bleiglasfenster-Kunst zurück nach Indonesien geholt“, sagt er stolz. „Im Herzen bin ich Künstler und im Kopf Unternehmer.“

50 Prozent seiner Fenster gehen ins Ausland. Sie finden sich im Disneyland von Hongkong und in europäischen und amerikanischen Kirchen. Sein Unternehmen Eztu Glass gilt bereits als ein Aushängeschild der indonesischen Wirtschaft – und als Ausnahme von der Regel, dass die kleine verarbeitende Industrie des rund 250 Millionen Einwohner zählenden Landes international kaum wettbewerbsfähig ist. In den Export gehen hauptsächlich unverarbeitete Rohstoffe der großen Konglomerate und Staatsunternehmen. Die meisten mittelständischen Unternehmen tummelten sich im Geschäft mit dem Endverbraucher, sagt AHK-Chef Rönnfeld: „Wegen der schnell wachsenden Mittelschicht sehe ich bei diesen Betrieben auch die größten Chancen für die deutsche Industrie.“

Tiegelchen und Töpfchen: Martha Tilaar, Gründerin des nach ihr benannten Kosmetiklabels Quelle: Rodrigo Ordonez für WirtschaftsWoche

Beispielsweise in der Lebensmittelverarbeitung, der Verpackungs- und Medizintechnik. Die Unternehmensberatung Boston Consulting rechnet damit, dass sich Indonesiens Mittelschicht bis 2020 auf mehr als 140 Millionen Konsumenten fast verdoppeln wird. Dem Marktforschungsunternehmen Nielsen zufolge blicken außerdem weltweit nur die Inder noch optimistischer in die Zukunft als die Indonesier.

Die 76-jährige Unternehmerin Martha Tilaar verdient bereits prächtig an dieser aufstrebenden Mittelschicht. Sie hat mit der nach ihr benannten Marke eines der bekanntesten Kosmetiklabels des Landes aufgebaut. Die Martha Tilaar Group setzt rund 100 Millionen US-Dollar um und wächst jährlich um 20 Prozent.

Auch im hohen Alter kommt Tilaar noch jeden Tag in ihr Büro, das aussieht wie ein kleiner Orientshop. Überall stehen bunt verzierte Fläschchen und tropische Holzschnitzereien. Nur wenige Türen weiter mischt eine Maschine des deutsch-schweizerischen Mittelständlers FrymaKoruma Produkte zusammen.

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