Erfolgsfaktor Geduld Die Hoffnungen des indonesischen Mittelstands

Die Unternehmer in Indonesien setzen große Hoffnungen auf ihren neuen Präsidenten Joko Widodo. Auch deutsche Firmen könnten von ihm profitieren.

Wie der Mittelstand in Indonesien aussieht und wo deutsche Firmen profitieren könnten. Quelle: Rodrigo Ordonez für WirtschaftsWoche

Auf dem Weg in seine Fabrik hat Brian Yaputra viel Zeit, sich über sein Land zu beklagen. Fast zwei Stunden dauert die Schleichfahrt durch Jakartas verstopfte Straßen hinaus zur Fertigung, wo seine Arbeiter bunte Bleiglasfenster für Kirchen, Moscheen und Hotels produzieren. Zwei Stunden Zeit zum Schimpfen – dabei sind es eigentlich nur 15 Kilometer vom Stadtzentrum bis zu Yaputras Fabrik. Der Unternehmer zeigt auf Händler, die ihre Produkte, von der Waschmaschine bis zu Blumentöpfen bis weit auf die Straße stellen und alles blockieren.

Er beklagt, dass Pläne für neue Autobahnen seit Jahrzehnten existieren, aber niemals umgesetzt werden; dass angeliefertes Glas wochenlang im Hafen liegt, bevor er es durch den Zoll bekommt. „Indonesiens System ist, dass es kein System hat“, sagt er. Und dennoch glaubt der Unternehmer: „Indonesien wird dieses Jahrhundert gehören.“

Die wichtigsten Wirtschaftsdaten zu Indonesien

Der 67-Jährige hat Hoffnung – für sein prosperierendes Unternehmen Eztu Glass sowieso, aber auch für sein Heimatland. Denn seit einem Jahr regiert ein neuer Präsident: Joko Widodo, genannt Jokowi. „Er wurde dafür geboren, Präsident zu sein”, sagt Yaputra. „Er ist schlau, und er ist nicht korrupt.“

Viele Mittelständler hoffen darauf, dass der Staatschef ihnen endlich die Geschäfte erleichtert. „Die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen ist eines der Hauptziele von Jokowi“, sagt Edimon Ginting, Chefökonom für Indonesien bei der Asiatischen Entwicklungsbank. „Er arbeitet daran, das Geschäftsklima zu verbessern, und erleichtert es Unternehmern beispielsweise, Genehmigungen zu erhalten.“

Indonesien wird von großen Staatsbetrieben dominiert

Bisher spielen mittelständische Betriebe in Indonesien kaum eine Rolle. „Ein Mittelstand, wie wir ihn in Deutschland kennen, entwickelt sich in Indonesien erst noch“, sagt Jan Rönnfeld, Geschäftsführer der Deutschen Außenhandelskammer (AHK) in Indonesien. Noch dominieren große Staatsbetriebe und Konglomerate die Wirtschaft, etwa der staatliche Öl- und Gasproduzent Pertamina oder der private Multi Astra, der unter anderem bei Infrastrukturprojekten und in der Automobilbranche mitmischt.

Der Asiatischen Entwicklungsbank (Asian Development Bank, ADB) zufolge arbeiten zwar mehr als 95 Prozent der Beschäftigten Indonesiens in kleinen und mittelgroßen Unternehmen. Sie tragen jedoch weniger als 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung Indonesiens bei. Die meisten Firmen sind vergleichsweise unproduktiv: Es sind viele Minibetriebe, deren Inhaber allein an der Straße handeln oder in der Garage werkeln, die aber kaum innovativ oder wettbewerbsfähig sind.

Wachstum und Lohnkosten in ausgewählten Asean-Staaten

Die Hoffnung der Mittelständler, künftig in der Politik mehr Beachtung zu bekommen, beruht auf der Herkunft des Präsidenten: Widodo war früher selbst Unternehmer. Seine Eltern lebten in einem Slum, er arbeitete sich da heraus. Erst nachdem Widodo ein Möbelunternehmen aufgebaut hatte, startete er eine politische Karriere als Gouverneur der Städte Surakarta und Jakarta.

Die Wirtschaft schwächelt

Er verbesserte das Gesundheitssystem, startete Wohnprogramme und bekämpfte die Korruption. Im Rennen um das Präsidentenamt schlug er schließlich Prabowo Subianto, einen ehemaligen General und Sprössling eines der reichsten Familienclans Indonesiens. Seine Amtszeit als Präsident begann Widodo mit einem Paukenschlag: Er strich die üppigen Treibstoffsubventionen für Diesel und Benzin zusammen, um mehr Geld für den Ausbau von Straßen und des Stromnetzes zu haben.

Doch noch ist fraglich, ob es Widodo gelingt, die ineffiziente Verwaltung dazu zu bringen, die frischen Mittel auch zügig und effektiv einzusetzen.

Zudem im Parlament die Opposition die Mehrheit hat und Widodo nicht einmal Chef seiner eigenen Demokratischen Partei des Kampfes ist. Und noch ist es ihm nicht gelungen, die schwächelnde Wirtschaft wieder anzukurbeln. Für dieses Jahr rechnet die Entwicklungsbank ADB mit einem Wachstum von 5,5 Prozent, 2016 mit sechs Prozent. Widodos eigentliches Ziel sind sieben Prozent.

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