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Erfolgsfaktor Geduld Die Hoffnungen des indonesischen Mittelstands

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Katholische Unternehmerinnen haben es in Indonesien nicht leicht

Mit 30 Jahren eröffnete Tilaar einen Schönheitssalon in der Garage ihrer Eltern. Das Haus befand sich ganz in der Nähe des Botschaftsviertels. Sie warb mit ihrer Kosmetikausbildung in Amerika. Das lockte die Kundschaft an: Nach drei Monaten reichte der Platz nicht mehr. Die Familie verlegte den Schönheitssalon ins Haus und zog in die Garage um.

Mit dem Geld ihrer Eltern und Geschwister baute Tilaar das Geschäft aus. Gemeinsam mit ihrer Großmutter entwickelte sie Kosmetikprodukte, für die sie das Wissen indonesischer Medizinmänner anzapfte. „Lange Zeit galt in unserem Land das Motto: ,The West is the best‘“, sagt Tilaar. „Ich hatte die Idee, das zu ändern.“

Die Mission ist noch lange nicht beendet: In den teuren Shoppingmalls Jakartas seien die Premiumlagen noch immer oft den westlichen Marken vorbehalten, erzählt die Unternehmerin.

Doch Tilaar hat zu kämpfen gelernt. Eine Frau und katholisch zu sein ist in einem muslimisch geprägten Land nicht immer einfach. Noch in den Achtzigerjahren weigerten sich indonesische Banken, ihr einen Kredit zu geben. Sie musste ausweichen und hatte erst bei einer Bank in Singapur Erfolg.

Die Zulassung neuer Produkte dauert Jahre

Für ihre Familie sei es auch schwieriger, in Kontakt mit muslimisch dominierten Organisationen wie dem Verband der Beamtengattinnen zu kommen, um über diese Schiene ihre Produkte zu vertreiben.

Hinzu kämen die zähen Auseinandersetzungen mit Behörden: Die Zulassung neuer Kosmetikprodukte dauere oft Monate, etwa wenn den Beamten auch nur eine Kleinigkeit nicht in den Kram passt. Zudem hätten ihr Staatsdiener oft Angebote gemacht, man könne den Prozess gegen eine Zahlung beschleunigen.

Tilaar hofft, dass Widodo solche Schwierigkeiten so weit wie möglich beseitigen wird: „Aber es ist klar, dass dieser Prozess Jahre dauern wird.“

Viele Unternehmer hoffen zudem, dass der Muslim Widodo weiter für einen offenen Islam wirbt. Widodos Religionsminister Lukman Hakim forderte bereits während des Ramadan, Muslime sollten keine Restaurants anfeinden, die auch während der Fastenzeit geöffnet haben.

Ein weiterer dringender Wunsch aus der Wirtschaft: Entscheidungsprozesse über neue Steuern oder Gesetze müssen transparenter werden. So werden mittelständische Unternehmen vor neuen Gesetzen kaum in Beratungen eingebunden. „Widodo geht das an“, hofft Tilaars Tochter Wulan, die inzwischen mit drei weiteren Geschwistern das Management des Kosmetikherstellers übernommen hat. AHK-Chef Rönnfeld rechnet allerdings nicht mit raschen Veränderungen. Trotz der Reformbemühungen bleibe Indonesien vorerst ein schwieriger Markt. Insbesondere Ausländern mache die Regierung das Geschäft weiterhin schwer – gerade um den eigenen jungen Mittelstand zu schützen.

"Mit schnellen Gewinnen kann man in Indonesien nicht rechnen"

Doch es ist zu schaffen, wie der Nürnberger Industriedienstleister Wohlrab zeigt. Die Franken wagten 2012 den Schritt in das südostasiatische Land und veredeln dort seitdem für einen Auftraggeber in Singapur Hörgeräte-Gehäuse. „Der Anfang war schwierig, und zuletzt sind die Löhne stark gestiegen“, sagt Asien-Chef Harri Leppänen. „Aber es war die richtige Entscheidung hierherzukommen.“

Ausland



Für den Mainzer Spezialglashersteller Schott macht sich die Ausdauer bereits bezahlt. Seit 1995 stellt Schott nahe Jakarta Glasbehälter für Pharmaprodukte her. Zuletzt wurde die Produktion ein weiteres Mal massiv ausgeweitet, der Markt wachse im zweistelligen Bereich. „Wir sind gerne da“, heißt es aus dem Unternehmen.

Handelskammer-Chef Rönnfeld sieht den Schlüssel zum Erfolg in der Geduld. „Mit schnellen Gewinnen kann man in Indonesien nicht rechnen“, sagt er. „Man sollte das Land deswegen als strategischen Markt betrachten.“ Wer dann aber Erfolg habe, streiche üppige Gewinne ein – weil der Wettbewerb in Indonesien eben so schwach sei.

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