Ernst&Young-Umfrage Ängste vor Wirtschaftskrise dämpfen Erwartungen der Bürger

Laut einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst&Young wächst die Angst der Bürger, dass sich Konflikte und Kriege auf ihre eigene finanzielle Lage auswirken könnten und Deutschland irgendwann an Stärke verliert.

"Mario Draghi wird Italiens Präsident"
„Der britische Immobilienmarkt wird zusammenbrechen“Bei ihren unwahrscheinlichen, aber nicht zu unterschätzenden Szenarien, geht die Saxo Bank unter anderem davon aus, dass der britische Immobilienmarkt zusammenbrechen wird. Die bevorstehende Zinserhöhung der Bank of England wird die Nachfrage einbrechen lassen und die Preise um 25 Prozent drücken. Quelle: Saxo Bank, Outrageous PredictionsBei den „Outrageous Predictions“ handelt es sich laut Saxo Bank um zehn Szenarien, die zwar unwahrscheinlich sind, bei Unterschätzung der mit ihnen einhergehenden Risiken jedoch enorme Folgen für die globalen Märkte hätten. Quelle: dpa
„China wertet den Yuan um 20 Prozent ab“China macht einen auf Japan und wertet beim Kampf gegen die Deflation die Währung massiv ab. Damit reiht sich die chinesische Zentralbank in den Abwertungswettlauf ein, um die eigene Wirtschaft zu stützen. Quelle: REUTERS
„Mario Draghi legt sein Amt nieder und wird Italiens Präsident“Ein unwahrscheinliches, aber mögliches Szenario: EZB-Chef Mario Draghi überlässt den Kampf für die Inflation und die Wirtschaft Europas einem anderen. Stattdessen kandidiert er als Präsident in Italien und erhält dafür eine Empfehlung des aktuellen Präsidenten Napolitano, der sich damit für die niedrigen Zinsen bei den Staatsanleihen bedankt. Quelle: REUTERS
„Europa wird keinen Sommer erleben“Der der bereits aktive isländische Vulkan Bardarbunga wird ausbrechen und giftiges Schwefeldioxid freisetzen. Der Himmel über Europa wird sich verdunkeln und das Klima wird sich verändern. Ängste vor Ernteausfällen werden die Getreidepreise in die Höhe treiben. Quelle: dpa
„Der Kakaopreis wird auf 5.000 Dollar pro Tonne steigen“Die asiatische Mittelschicht wird immer größer und verlangt immer mehr nach Schokolade – und auch der Westen greift immer häufiger zu Kakaoprodukten. Damit wird die Nachfrage nach Kakao das Angebot weit übertreffen und den Preis auf 5.000 Dollar pro Tonne treiben. Quelle: dpa-dpaweb
„Großbritannien steht vor dem Austritt aus der EU“Bei der Wahl im Mai 2015 wird die UKIP überraschend 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinen und eine Koalition mit der Konservativen Partei eingehen. Schließlich wird die UKIP dann ein Referendum zum Austritt aus der EU ausrufen. Quelle: REUTERS
„Hochzinsanleihen schießen durch die Decke“Bei hochverzinslichen Anleihen werden Anleger vor geringer Liquidität und starken Preisrückgängen stehen. Wenn alle durch den engen Flaschenhals flüchten und verkaufen, wird die europäische Wirtschaft wieder erschüttert. Der Markit iTraxx Europe Crossover-Index verdoppelt sich 2015 auf 700 Basispunkte. Quelle: dpa
„Japans Inflation wird auf fünf Prozent steigen“Japans Plan die Deflation zu bekämpfen, könnte in diesem Szenario nach Hinten losgehen. Die massive Geldflut der Bank of Japan könnte über ihr Ziel hinausschießen und eine übermäßige Inflation erreichen, weil das Vertrauen in den Yen erschüttert ist. Japan würde zunehmend die Kontrolle über die eigene Währung verlieren. Quelle: dpa
„Russland rutscht in die Schuldenkrise“Der niedrige Ölpreis und die weitere Isolation durch den Westen werden Russland immer stärker zu schaffen machen. Russland werde unter Vladimir Putin (links) so tief rutschen, dass Verhältnisse wie während der Schuldenkrise 1998 entstehen werden. Quelle: AP
„Hacker zerschlagen den E-Commerce“Amazons Geschäftskonzept ist vollkommen vom Internet abhängig. 2015 könnten sich das Hacker zunutze machen und den E-Commerce angreifen. Das zerstörte Vertrauen der Nutzer führt dazu, dass beispielsweise bei Amazon die Umsätze um 50 Prozent zurückgehen. Auch andere Internethändler erleiden kräftige Einbußen. Quelle: AP

Ängste vor neuen Krisen dämpfen einer Umfrage zufolge die Wirtschaftserwartungen der Bundesbürger für 2015. Nach einer Untersuchung der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen erwartet nur noch jeder dritte Deutsche, dass Deutschland Ende 2015 wirtschaftlich besser dasteht als heute. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 7 Prozentpunkte. Vor allem bei älteren Menschen, den Geringverdienenden und den Ostdeutschen sei die Hoffnung auf Wachstum gering. Für die Studie wurden im Dezember 2014 mehr als 2000 Bundesbürger ab 14 Jahren repräsentativ befragt.

„Die Angst vor einer neuen Wirtschafts-, Finanz-, Banken- oder Eurokrise wächst. Zunehmend mehr Bürger äußern sich besorgt und fürchten, dass Deutschland an wirtschaftlicher Stärke verliert“, sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. Verbunden hiermit sei die persönliche Angst vor einem Arbeitsplatzverlust, Rentenabschlägen und finanziellen Einbußen.

Was sich 2015 ändern wird
MINDESTLOHN: Der allgemeine, flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde greift. Bei einer 40-Stunden-Woche entspricht das 1473 Euro brutto im Monat. Profitieren sollen rund 3,7 Millionen Beschäftigte im Niedriglohnsektor. Um Langzeitarbeitslosen den Job-Einstieg zu erleichtern, kann bei ihnen in den ersten sechs Monaten vom Mindestlohn abgewichen werden. Für Unter-18-Jährige ohne Berufsabschluss, Auszubildende und Menschen mit Pflichtpraktika oder Praktika unter drei Monaten gilt der Mindestlohn nicht. Quelle: dpa
PFLEGEMINDESTLOHN: Er steigt auf 9,40 Euro pro Stunde im Westen und 8,65 Euro im Osten. Bis 2017 soll er weiter wachsen. Quelle: dpa
NUMMERNSCHILDER: Autobesitzer dürfen ihr Kennzeichen bei Umzügen in ganz Deutschland mitnehmen. Die Pflicht zur „Umkennzeichnung“ für den neuen Zulassungsbezirk entfällt. Innerhalb einiger Länder gilt dies heute schon, flächendeckend greift die Regel dann aber erst ab dem 1. Januar. Der Tarif der Kfz-Versicherung richtet sich aber weiterhin nach dem aktuellen Wohnort. Quelle: dpa
RENTE: Der Rentenbeitragssatz sinkt von aktuell 18,9 Prozent auf 18,7 Prozent. Bis 2018 soll er unverändert bleiben. Quelle: dpa
HARTZ IV: Die Regelsätze für Empfänger von Hartz-IV-Leistungen steigen um gut zwei Prozent. Alleinstehende erhalten somit nun einen Betrag von 399 Euro und damit acht Euro mehr als bisher. Quelle: dpa
BERUFSKRANKHEITEN: Als solche werden nun auch Formen des „weißen Hautkrebses“ und andere Krankheiten anerkannt. Betroffene haben Anspruch auf Behandlung aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Quelle: dpa
KRANKENKASSEN: Die gesetzlichen Krankenkassen können wieder über einen Teil der Beiträge selbst bestimmen. Dazu wird der bisherige Beitrag um 0,9 Punkte auf 14,6 Prozent gesenkt. Auf diesem Niveau ist es den Kassen möglich, einen Zusatzbeitrag zu erheben. Der dürfte im ersten Jahr im Durchschnitt 0,9 Prozentpunkte betragen, einzelne Kassen dürften aber deutlich darunter liegen. Erwartet wird allerdings, dass der Beitrag in den Folgejahren steigt. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verspricht sich mehr Wettbewerb unter den Kassen. Quelle: dpa
AUTO-ABMELDUNG: Ab dem 1. Januar zugelassene Fahrzeuge können später beim Kraftfahrt-Bundesamt online abgemeldet werden. Ermöglicht werden soll dies über neue Sicherheitscodes auf den Prüfplaketten des Nummernschilds und im Fahrzeugschein sowie den neuen Personalausweis. Quelle: dpa
BIOMÜLL: Biomüll muss nun bundesweit getrennt gesammelt werden. Laut Bundesumweltministerium haben bereits rund 340 der etwa 400 Stadt- und Landkreise eine Biotonne eingeführt, jetzt müssen die restlichen nachziehen. Das soll dazu beigetragen, dass die Stoffe verstärkt für Biogasanlagen oder etwa als Düngemittel genutzt werden können. Quelle: dpa
KIRCHENSTEUER: Künftig führen Banken, Sparkassen, Versicherer und Wohnungsbaugenossenschaften auch die auf Kapitalerträge entfallende Kirchensteuer direkt ab. Die Kapitalertragsteuer wird schon seit 2009 direkt an der Quelle von Banken automatisch erhoben und an den Fiskus abgeführt. Kirchensteuer auf die Kapitalertragsteuer wurde bisher nur nach Mitteilung des Steuerzahlers weitergeleitet. Quelle: dpa
VERSICHERUNGEN: Steuervorteile bei verkauften Lebensversicherungen fallen weg. Risikoleistungen aus nach 2005 abgeschlossenen Versicherungen, die zuvor von Investoren auf einem Zweitmarkt aufgekauft wurden, werden besteuert. Hintergrund ist, dass Fonds in „gebrauchte“ Lebensversicherungen investieren. Sie steigen vor allem in Risiko-Lebensversicherungen ein, indem sie Policen stornowilliger Versicherungsnehmer erwerben und später Leistungen der Versicherung an die Anleger als Erträge ausschütten. Bisher war die Leistung im Todesfall nicht steuerpflichtig. Mit dem Tod der versicherten Person erzielt der Erwerber einen Gewinn. Dieser wird künftig besteuert. Quelle: dpa
REHA-LEISTUNGEN: Die Bundesregierung fördert die Rehabilitation stärker. Ambulante Reha-Einrichtungen werden künftig in die Gewerbesteuerbefreiung einbezogen und damit stationären Einrichtungen gleichgestellt. Dies stärkt den Grundsatz „ambulant vor stationär“.Quelle: DPA Quelle: dpa

Nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst&Young, über die die „Welt“ berichtete, haben mehr als drei Viertel der 1500 Befragten Angst, dass sich Konflikte wie die Kriege im Irak und in Syrien oder die Ukraine-Krise negativ auf ihre eigene finanzielle Lage auswirken könnten. „Trotz der eigentlich guten wirtschaftlichen Situation der Verbraucher in Deutschland lauert hier ein beträchtlicher Unsicherheitsfaktor. Wenn diese Krisen und Kriege weiter eskalieren und stärker ins Bewusstsein rücken, könnte die Stimmung der Verbraucher sehr schnell kippen“, warnte Studienautor Thomas Harms.

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Aktuell seien dagegen noch keine Auswirkungen spürbar. Nach der Ernst&Young-Studie sind 45 Prozent der Bundesbürger sehr zufrieden mit ihrer derzeitigen finanziellen und wirtschaftlichen Lage - so viele wie noch nie seit Beginn der Befragung im Jahr 2008. Lediglich neun Prozent blicken sorgenvoll auf ihr Bankkonto. „Viele Verbraucher profitieren von den Lohnerhöhungen und einer niedrigen Inflationsrate“, begründet Harms die Ergebnisse. Außerdem hielten 91 Prozent der Befragten ihren Arbeitsplatz derzeit für sicher. Ungetrübt sei die Stimmung der Deutschen deswegen aber nicht. „Die Konjunktursorgen kehren zurück“, heißt es in der Untersuchung.

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung rechnet in seinem Jahresgutachten, das Mitte November vorgestellt wurde, nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent. Dagegen erhöhten die Forscher des Ifo-Instituts ihre Wachstumsprognose für 2015 Mitte Dezember von zuletzt 1,2 auf 1,5 Prozent.

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