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Eskalation Äthiopisches Militär meldet Eroberung von Regionalhauptstadt Mekele

Der Konflikt zwischen Ministerpräsident Abiy und der in der Region regierenden Befreiungsfront schwelte lang. Nun haben Abiys Truppen offenbar die Hauptstadt von Tigray eingenommen.

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Das äthiopische Militär hat nach eigenen Angaben die Hauptstadt der abtrünnigen Region Tigray erobert. Äthiopische Truppen hätten die Kontrolle über Mekele, sagte Generalstabschef Birhanu Jula am Samstag im äthiopischen Fernsehen. Ministerpräsident Abiy Ahmed erklärte: „Wir sind in Mekele einmarschiert, ohne dass unschuldige Zivilisten zur Zielscheibe wurden.“

Nur wenige Stunden zuvor hatte die Offensive auf die Stadt mit ihren rund 500.000 Einwohnern begonnen. Der örtliche Fernsehsender Tigray TV berichtete, dass Mekele dabei heftig bombardiert worden sei. Unabhängig waren die Angaben nur schwer zu überprüfen, weil Internet- und Telefonverbindungen nach Tigray weitgehend gekappt sind und die Region von der Außenwelt abgeriegelt ist.

Ministerpräsident Abiy will die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF entmachten und deren Anführer verhaften lassen. Abiy und die TPLF, die vor Abiys tiefgreifenden politischen Reformen eine führende Rolle in der Regierungskoalition in Äthiopien hatte, streiten einander gegenseitig die Legitimität ab.

Internationale Forderungen zum Dialog lehnte Abiy, der für seine Reformen erst 2019 den Friedensnobelpreis bekommen hatte, ab. Am Donnerstag erteilte er seinen Truppen den Marschbefehl auf Mekele. Den Bewohnern der Stadt, die der TPLF die Treue halten, drohte seine Regierung mit einer gnadenlosen Bestrafung. Gleichzeitig versprach sie darauf zu achten, dass möglichst wenige Zivilisten zu Schaden kommen. Viele Bewohner Mekeles flohen aus der Stadt.

Papst Franziskus rief auf Twitter zum Gebet für Äthiopien auf. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Kelly Craft, schrieb, Washington sei in großer Sorge über die Lage in Tigray. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden fast eine Million Menschen durch den Konflikt vertrieben. Das Büro von UN-Generalsekretär António Guterres erklärte, er sei sehr besorgt über die Folgen des Konflikts für die Zivilbevölkerung.

Die Region ist von der Außenwelt abgeschnitten, seit Abiy Anfang November nach einem monatelang schwelenden Konflikt eine Militäroperation gegen die TPLF angekündigt hatte. Anlass war ein Angriff auf einen Militärstützpunkt, für den er die TPLF verantwortlich machte. Berichten zufolge sollen seither bereits Hunderte Menschen ums Leben gekommen sein.

Der äthiopische Generalmajor Hassan Ibrahim versprach vor Beginn der Offensive, die Stadt von allen Fronten aus einzunehmen. Einige Gesuchte würden vielleicht versuchen, sich zu verstecken, aber das äthiopische Militär werde sie jagen und fangen, sagte er nach einem Bericht der äthiopischen Nachrichtenagentur.

Zusätzlich flüchteten in den vergangenen Wochen mehr als 43.000 Menschen in den angrenzenden Sudan. Der UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi sagte bei einem Besuch im sudanesischen Flüchtlingslager Umm Rakouba am Samstag, es seien über die nächsten sechs Monate rund 150 Millionen Dollar nötig, um dem Sudan bei der Versorgung der Flüchtlinge zu unterstützen.

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