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EU-Japan-Abkommen Für Europas Wirtschaft besser als TTIP

JEFTA: EU-Japan-Abkommen besser für Europas Wirtschaft als TTIP Quelle: Fotolia

Japan und die EU unterzeichnen ihr umfassendes Handelsabkommen. Weil sich die beiden Partner stark unterscheiden, dürfte die europäische Wirtschaft davon stärker profitieren als von einem Freihandelsdeal mit den USA.

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An diesem Dienstag war es endlich so weit: Japan und die EU besiegelten in Tokio ein umfassendes Wirtschaftsabkommen, dessen Kernstück ein Freihandelsdeal ist. Im Grundsatz hatten sich beide Seiten schon vor einem Jahr auf den neuen Rahmen geeinigt. Im Juli 2017 musste es ganz schnell gehen, weil die EU-Kommission rechtzeitig vor dem G7-Gipfel in Hamburg ein Zeichen für den Freihandel setzen wollten. Noch bevor US-Präsident Donald Trump Zölle auf europäischen Stahl und Aluminium eingeführt hatte und Europa als Feind bezeichnete, war es den Europäern wichtig, ein Symbol gegen den aufkommenden Protektionismus zu setzen.

Das Abkommen illustriert nun aber nicht nur, dass es immer noch Nationen gibt, die auf den freien Austausch von Waren setzen. Der Deal zwischen zwei Partnern, die gemeinsam rund ein Drittel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften, wird beiden Seiten erhebliche Vorteile bringen. Weil sich Japan und die EU in ihrer Wirtschaftsstruktur unterscheiden, versprechen sich Ökonomen von dem EU-Japan-Freihandelsabkommen höhere Wohlfahrtsgewinne als sie bei einem transatlantischen Handelsdeal (TTIP) zu erwarten gewesen wären.

„Das Abkommen dürfte das BIP in der EU um zehn Prozent mehr wachsen lassen als es bei TTIP der Fall gewesen wäre“, sagte Hosuk Lee-Makiyama, Senior Fellow in the Department of International Relations at the London School of Economics der WirtschaftsWoche. Lee-Makiyama ist Autor einer Studie zum Abkommen und hatte zuvor schon für die EU-Kommission die Folgen der Vereinbarung abgeschätzt. Konkrete absolute Zahlen zum BIP-Plus will Lee-Makiyama nicht nennen, da die zu sehr von den Annahmen des Modells abhängen.

Das Handelsabkommen der EU mit Japan

„Europa und die USA ähneln sich in ihrer Wirtschaft sehr stark“, so Lee-Makiyama. „Europa und Japan ergänzen sich mehr.“ Er sieht in Japan eine große Nachfrage nach Luxusgütern. Davon werden Hersteller in Italien und Frankreich profitieren und deutsche Autohersteller im oberen Segment. Im unteren und mittleren Segment erwartet er keine große Nachfrage nach europäischen Pkw, denn japanische Hersteller deckten diesen Markt bereits sehr gut ab. „Ihre Modelle richten sich auch an ältere Verbraucher und berücksichtigen die Parkprobleme in japanischen Städten.“

Zugang zum japanischen Billionen-Konsum

Lee-Makiyama unterstreicht die Bedeutung der privaten Nachfrage in Japan, die sich aktuell auf 3,6 Billionen Euro im Jahr beläuft. „Der japanische Markt für Verbrauchsgüter ist genauso groß wie der chinesische, mit dem Unterschied, dass die Wirtschaftsleistung pro Kopf in Japan vier Mal schneller wächst als in China.“

Der Handelsdeal, einer der größten, der weltweit je abgeschlossen wurde, streicht annähernd alle Zölle und schafft gemeinsame Standards in Schlüsselsektoren wie Automobil, Life Science, Lebensmittel, Kleidung und IT. Japan hat sich außerdem dazu verpflichtet, die Beschaffung von Eisenbahnen zu öffnen, wovon Siemens erheblich profitieren dürfte.

Verglichen mit US-Unternehmen haben europäische Unternehmen noch relativ wenig in Japan investiert. Lee-Makiyama geht davon aus, dass sich dies in den kommenden Jahren ändern wird. Europäische Investoren sind in Japan bisher schon sehr gut gefahren. Ihre Renditen auf Direktinvestitionen belaufen sich im Durchschnitt auf 6,6 Prozent – weit mehr als die durchschnittliche Rate von europäischen Direktinvestitionen im Ausland von 3,9 Prozent.

Im Gegensatz zu anderen asiatischen Staaten bietet Japan ein verlässliches Umfeld für Investoren ohne staatliche Willkür. Aktuell ist keine einzige Klage eines Investoren gegen Japan anhängig. Und im Gegensatz zu China zwingt Japan Investoren auch nicht zu Joint Ventures mit einheimischen Unternehmen. „TTIP hätte Verbrauchern genützt, weil die Preise dank stärkeren Wettbewerbs gefallen wären“, sagt Lee-Makiyama zu dem umstrittenen transatlantischen Handelsdeal, der nicht mehr auf der politischen Agenda steht. „Der Handelsdeal mit Japan eröffnet dagegen vor allem europäischen Unternehmen neue Möglichkeiten.“

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