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Euro-Krise Kommt die D-Mark zurück?

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Wirtschaftswachstum

Die überfällige Konsolidierung der maroden Staatshaushalte in Europa wird zudem die Nachfrage nach deutschen Produkten und Dienstleistungen bremsen. Mehr als zwölf Prozent ihres Umsatzes machen die deutschen Exporteure in den Krisenstaaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien – und damit mehr als in den wachstumsstarken BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China). „Die Sparprogramme werden unsere Exporteure spüren – und damit unsere Wirtschaft insgesamt“, warnt Axel Nitschke, Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Insgesamt müssten die klammen Euro-Staaten ihre Ausgaben um mehr als 250 Milliarden Euro senken, um wieder unter die im Maastricht-Vertrag festgelegte Defizit-Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu rutschen.

Weitere Gefahren für die Realwirtschaft lauern im Bankensektor. Es ist kein völlig unwahrscheinliches Szenario, dass Krisenstaaten wie Griechenland trotz aller Milliardenhilfen am Ende doch in den Staatsbankrott rutschen – etwa weil versprochene Sparprogramme durch Dauerkrawalle und soziale Unruhen scheitern und die Geberländer, aufgerieben durch innenpolitischen Druck, irgendwann die Geduld verlieren. Bei der dann fälligen Umschuldung müssen die Banken einen Teil ihrer Kredite abschreiben. Dies schmälert ihre Eigenkapitalbasis und könnte zu einer restriktiveren Kreditvergabe im Inland führen – fatal für Unternehmen, die im Aufschwung investieren wollen und müssen.

Auch die wachsende Inflationsgefahr infolge der Schuldenkrise sorgt die deutsche Wirtschaft. Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA: „Die Geldwertstabilität ist für den Außenhandel von entscheidender Bedeutung – denn sie erst macht das Exportgeschäft kalkulierbar.“

Wäre das Ende der Währungsunion der Anfang von Ende der EU?

Die Währungsunion ist das zentrale Symbol der Europäischen Union und war bis vor wenigen Wochen auch die größte Erfolgsgeschichte der Gemeinschaft. Nie zuvor haben sich in der westlichen Welt souveräne Staaten auf ein derart weitreichendes Integrationsprojekt geeinigt. In den vergangenen Jahren sind die Dissonanzen in der Gemeinschaft aber immer stärker in den Vordergrund getreten. Immer wieder ist in diesen Tagen in Brüssel zu hören, dass ein vergleichbar großes europäisches Vorhaben wie der Euro mittlerweile nicht mehr durchsetzbar wäre.

Schon bei der Reaktion auf die Finanzkrise waren sich die Regierungen Europas uneinig. Die Griechenland-Krise hat nun noch deutlicher zutage gefördert, welche tiefen politischen Risse mitten durch die Euro-Zone gehen. Auf der Suche nach Auswegen verfolgen die Regierungen vor allem nationale Interessen. Frankreich etwa wollte den Griechen ganz schnell helfen – weil die eigenen Banken den höchsten Anteil an griechischen Staatsanleihen halten. Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen wollte zuvor hohe Auflagen bei der Sanierung Griechenlands durchsetzen – und hoffte, das in Deutschland unpopuläre Hilfspaket erst nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auf den Weg bringen zu können.

Erst unter dem massiven Druck der Spekulanten einigten sich die Staats- und Regierungschefs der 16 Euro-Länder auf eine gemeinsame Linie. Ohne den Euro hätte es den Zwang, sich zu einigen, nicht gegeben; insofern stimmt der viel zitierte Begriff der Schicksalsgemeinschaft. Zwar würde die EU nach einem Ende der Währungsunion nicht von heute auf morgen auseinanderbrechen. Aber ein Scheitern des Euro würde die Union so schwächen, dass sie politisch und ökonomisch an Einfluss und Gewicht in der Welt verlöre – und im Wettstreit mit aufstrebenden Wirtschaftsmächten in Asien und Lateinamerika noch stärker unter Druck geriete.

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