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Euro-Krise Mini-Staaten gefährden den Euro

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Zwei Männer gehen an einer Quelle: AP

Seine Rechnung dürfte jedoch nicht aufgehen, denn die Finanzbranche ist der Schwachpunkt des Landes. "Zypern ist in ernsten Schwierigkeiten, weil der unverhältnismäßig große Bankensektor sowohl auf der Soll- als auch auf der Haben-Seite der Bilanz in großem Umfang mit Griechenland verwoben ist", urteilt Analyst Alex Bellefleur vom Investmentbroker Brockhouse Cooper. Zyperns Banken sind völlig aufgebläht, ihre Bilanzsumme beträgt mittlerweile über 600 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, und über den Anteil fauler Kredite lässt sich nur spekulieren. Stuart Thomson, Chefökonom von Ignis Asset Management, spricht bereits von einem "Schneeballsystem wie in Irland". Dort hat bekanntlich die Bankenrettung den Staat an den Rand des Ruins gebracht.

Kapitalflucht nimmt zu

Ex-Finanzminister Stavrakis betont, dass die Einlagen zypriotischer Banken im Mai mit über 50 Milliarden Euro einen Höchststand erreicht haben, was er als Zeichen zur Entwarnung sieht. Das Gegenteil trifft zu: Griechische Anleger haben in hohem Ausmaß ihre Guthaben ins Ausland umgeschichtet, Zypern bietet sich dazu wegen der geografischen und kulturellen Nähe an. "Zypern ist Griechenlands Uruguay", sagt Analyst Bellefleur. Der kleine Nachbar Argentiniens erhielt Anfang der Jahrtausendwende große Zuflüsse aus dem Krisenstaat von nebenan. Es kam zum Absturz, als die Gelder wieder abgezogen wurden und die Banken refinanziert werden mussten.

Zypern droht nun ein ähnliches Schicksal. Erschwerend kommt hinzu, dass dem Land in diesen Tagen eine handlungsfähige Regierung fehlt. Präsident Dimitris Christofias versucht zwar derzeit, ein neues Kabinett zusammenzustellen. Doch auch wegen des schlechten Krisenmanagements nach einer verheerenden Explosion im Juni, die das größte Kraftwerk der Insel zerstörte, wächst der Unmut der Bevölkerung gegen den Kommunisten Christofias.

Ohne politische Handlungsfähigkeit aber dürfte sich die Haushaltslage Zyperns weiter verschlechtern. Die alte Regierung hatte der EU-Kommission zugesagt, das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf unter vier Prozent vom BIP zu senken. Im ersten Halbjahr betrug der Fehlbetrag aber schon 3,47 Prozent des BIPs, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Problem: Die nur noch notdürftig funktionierende Stromversorgung der Insel dürfte das Wachstum in diesem Jahr erheblich drücken, wodurch die Einnahmen sinken.

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