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Euro-Krise Retter verzweifelt gesucht

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Analysten gehen davon aus, dass die private Gläubigerbeteiligung nicht erheblich gesteigert wird – was an der Opposition der Branche liegt, die von Frankreich geteilt wird. Sarkozy fürchtet um seine Banken, die große Abschläge möglicherweise nicht verkraften.

Die Rekapitalisierung der Banken wird das zweite große Thema des Gipfels sein. Angeschlagene Banken werden voraussichtlich sechs bis neun Monate Zeit bekommen, um ihre Kernkapitalquote auf neun Prozent zu steigern. Die Europäische Bankenaufsicht Eba hat in diesem Fall Presseberichten zufolge einen Kapitalbedarf von 70 bis 90 Milliarden Euro errechnet. Der IWF hatte zuvor eine Summe von 100 bis 200 Euro genannt. Banken sollen das benötigte Geld zunächst am freien Markt suchen, und erst vom Nationalstaat unterstützt werden, wenn sich dies als unmöglich herausstellt. In einem letzten Schritt steht der Rettungsfonds EFSF als Geldgeber bereit, allerdings unter strenger Konditionalität.

Die geplante Hebelung des EFSF, die dem Instrument zu mehr Schlagkraft verhelfen soll, ist noch stark umstritten zwischen Frankreich und Deutschland. Frankreich pocht auf eine Banklizenz, dank der der EFSF Anleihen bei der EZB hinterlegen könnte und dafür Bargeld erhielte. Diese Lösung gilt für die Bundesregierung und die EZB als inakzeptabel. Berlin bevorzugt eine Versicherungsvariante.

Beide Seiten haben sich derart in ihren Positionen vergraben, dass sie beim Gipfel gar nicht über den Hebel sprechen wollen. Stattdessen soll nächste Woche Mittwoch ein neues Treffen stattfinden, bei dem über Rettungsmaßnahmen abgestimmt werden soll.

Um zwei Uhr früh ist Schluss

Die Bundesregierung pocht auch auf verbindlichere Regeln innerhalb der Euro-Zone. So sollen alle Länder eine Schuldenbremse in ihrer Verfassung aufnehmen. Die Haushaltsaufsicht soll stärker nach Brüssel verlagert werden. Die Verhandlungen dürften sich am Sonntag bis in den frühen Morgen ziehen. Frist gilt die Börseneröffnung in Tokio um zwei Uhr morgens Brüsseler Zeit. Angesichts der weit auseinander liegenden Positionen ist eine Kompromiss-Lösung zu erwarten – für die Märkte dürfte das zu wenig sein.

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