WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Euro Nach der Krise ist vor der Krise

Seite 2/2

Kanzlerin Merkel hat erst sehr spät eine Führungsrolle eingenommen und den Kompromiss entscheidend vorangetrieben. Davor aber hat gerade die Bundesregierung kein überzeugendes Bild abgegeben. Finanzminister Wolfgang Schäuble wollte mit seinem Vorschlag für einen Europäischen Währungsfonds (EWF) die Debatte über die Euro-Regeln anstoßen, hat aber hauptsächlich für Verwirrung gesorgt. Merkels Vorschlag, Eurosünder aus dem Club zu werfen, war ans vermutlich ans heimische Publikum gerichtet, kam aber in Europa sehr schlecht an.

Die eigentliche Arbeit steht der EU nun noch bevor. Denn wie genau kommende Krisen abgewandt werden können, wie in der Eurozone mehr Konvergenz hergestellt werden kann, dazu wird eine Arbeitsgruppe unter der Führung von Ratspräsident Herman van Rompuy bis zum Jahresende Vorschläge machen. Dabei Kompromisse zu finden, dürfte noch sehr viel schwerer fallen als beim Paket vom Donnerstag, denn neue Regeln würden die Bewegungsfreiheit der Mitgliedsstaaten viel stärker einschränken, als der Rettungsmechanismus, der vielleicht nie angewandt wird. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat bereits angekündigt, dass er Sanktionen ablehnt, was jede Koordination sehr schwierig machen dürfte.

Kritik aus Asien

Wie schwer sich die Eurozone bei der Überholung ihrer Regeln tun wird, lassen die Arbeiten an der Finanzmarktregulierung in der EU ahnen. Unter dem Eindruck der Finanzkrise hatte die 27 Staats- und Regierungschefs einen großen Umbau versprochen. Doch wichtige Projekte wie die Europäisierung der Bankenaufsicht kommen nur langsam voran, weil die Mitgliedsstaaten sehr unterschiedliche Interessen vertreten. Europa tut sich schwer mit der Krisenbewältigung. Es fehlt an Politikern mit Führungsfähigkeit.

Da muss es dem europäischen Politpersonal umso mehr schmerzen, wenn das in anderen Teilen der Welt schon öffentlich kommentiert wird. „Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte der Vizegouverneur der chinesischen Notenbank Zhu Min. Solche Töne, in denen eine gewisse Herablassung mitschwingt, war man von dort bisher nicht gewöhnt. Vielleicht wird man sich daran gewöhnen müssen.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%