WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Euro-Schuldenkrise Warum ein Schuldenerlass nötig ist

Seite 4/4

Doch genau das ist mit der Einigung in Brüssel geschehen. Trotz Widerstandes der FDP dürfte daran kaum noch etwas zu ändern sein. Denn die Verlängerung des ursprünglich bis 2013 befristeten Euro-Rettungsschirms zu einem permanenten Krisenmechanismus, der nach dem gleichen Muster arbeitet wie der aktuelle Rettungsschirm, ist beschlossene Sache.

Damit ist der Weg der Euro-Zone in die Transferunion vorgezeichnet. Die Steuerzahler in den reicheren und wirtschaftlich stärkeren Ländern wie Deutschland, Niederlande und Österreich werden die ärmeren Krisenländer und das Bankensystem alimentieren müssen.

Kurzfristig allerdings – das wissen auch die Politiker – wird man ihnen wohl kaum zusätzliche Milliardenbelastungen aufs Auge drücken können, falls weitere Staaten wie Spanien, Portugal oder Italien den Euro-Rettungsfonds in Anspruch nehmen müssen.

EZB mit tiefen Taschen

Daher wächst der Druck aus den Regierungszentralen und der EU-Kommission in Brüssel auf die EZB, sich an Rettungsmaßnahmen zugunsten der Krisenländer zu beteiligen. „Die EZB ist derzeit die einzige Institution, deren Taschen tief genug sind, um die Krise im Euro-Raum dauerhaft zu entspannen“, heißt es in einer Frankfurter Großbank (siehe Seite 26). Konkret heißt das: Die EZB soll noch mehr Staatsanleihen von Krisenländern aufkaufen und so deren Effektivzinsen nach unten drücken. Das würde es diesen Ländern erlauben, sich zu niedrigeren Zinsen zu verschulden.

Doch die langfristigen Folgen eines Ankaufs von Staatsanleihen durch die Notenbank sind fatal. So würden die von der EZB künstlich nach unten gedrückten Zinsen den Krisenländern Anreize geben, sich noch mehr Schulden aufzuladen. Weil die Zinsen für Staatsanleihen zudem die Benchmark für Unternehmensanleihen sind, würden auch die Zinskosten für Unternehmenskredite fallen.

Neue Investitionsblasen

Investitionen, die bei Marktzinsen unterblieben, erschienen dann plötzlich rentabel. „Langfristig führt das zu immensen Fehlallokationen und Investitionsblasen“, kritisiert Thorsten Polleit, Deutschland-Chefökonom von Barclays Capital.

Hinzu kommt, dass die EZB durch den Kauf von Staatsanleihen immer näher an die Politik rückt und ihre Unabhängigkeit verliert. Kommt es zum Zahlungsausfall der Krisenländer, müsste sie ihren Anleihebesitz abschreiben. Die Verluste würden sich auf die einzelnen nationalen Zentralbanken verteilen – und damit letztlich beim Steuerzahler der Euro-Länder landen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%