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Euro Zocken gegen den Euro

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Kompetenzgerangel statt schneller Entscheidungsfindung prägt die Brüsseler Bürokratie. Hinzu kommt: Viele Faktoren, die über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden, befinden sich in nationaler Kompetenz, Bildung etwa und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Für den Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman, der an der US-Eliteuniversität Princeton lehrt, zeigen sich jetzt „die Probleme einer Währungsunion, deren Steuersysteme und Arbeitsmärkte nicht integriert sind“.

Die Aussichten, dass sich daran rasch etwas ändert, sind gering. Nur selten treten die europäischen Regierungschefs nach außen hin geeint auf, lieber verzetteln sie sich in internen Angelegenheiten. Beinahe neun Jahre haben sie sich damit beschäftigt, der EU neue Regeln zu geben. Der Vertrag von Lissabon, der im Dezember in Kraft trat, ist weit davon entfernt, Europa so schlagkräftig zu machen, wie es die deutsche Bundesregierung versprochen hat. „In Wirklichkeit ist der Vertrag von Lissabon nur ein Stück Papier“, bringt EU-Experte Hugo Brady vom britischen Think Tank Centre for European Reform die Ernüchterung auf den Punkt.

Die Finanzmärkte wissen um die Schwäche der Währungsunion – und nutzen sie nun aus, indem sie gegen einzelne Länder spekulieren. Erst die Nachricht, dass man in Berlin und Brüssel über Hilfen für Griechenland nachdenkt, konnte die Märkte in der vergangenen Woche etwas beruhigen. Der Euro sprang nach oben, der Dax erholte sich, und die Kurse griechischer Staatsanleihen stoppten ihre wochenlange Talfahrt.

Der Nächste, bitte!

Doch die Bundesregierung rechnet damit, dass die Spekulation weitergeht. Denn die Investoren fragen, ob Griechenland ein Einzelfall bleibt oder die Schuldenkrise auf andere Länder überschwappt. Außerhalb des Euro-Raums etwa auf das Baltikum.

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    Ob ein Land im Kern wirtschaftlich gesund ist, entscheidet sich nicht nur anhand der Staatsfinanzen. Ebenso wichtig ist, ob sich die Unternehmen im internationalen Wettbewerb behaupten können, ob es über ein hohes Wachstumspotenzial verfügt und das Bankensystem stabil ist.

    In einer Studie haben die Ökonomen der Commerzbank die Krisenresistenz der Problemländer der Euro-Zone anhand mehrerer Kriterien unter die Lupe genommen und mit Schulnoten bewertet.

    Wenig überraschend ist, dass Griechenland bei dem Vergleich am schlechtesten abschneidet. Dem Land wachsen nicht nur die Schulden über den Kopf, seinen Unternehmen mangelt es auch an preislicher Wettbewerbsfähigkeit. Weil die Löhne jahrelang deutlich stärker gestiegen sind als die Produktivität, liegen die Lohnstückkosten heute um rund 30 Prozent höher als im Jahr 2000. Das hat die Exporte verteuert, Marktanteile gekostet und die Leistungsbilanz ins Minus getrieben.

    Weil zudem die langfristigen Wachstumsaussichten Griechenlands aufgrund seiner geringen Investitionen in Forschung und Entwicklung bescheiden sind, erteilen die Commerzbank-Ökonomen für die wirtschaftliche Gesamtsituation Griechenlands die Note 4,3.

    Kaum besser sieht es für Spanien aus. Neben der hohen Verschuldung seiner Bürger lastet vor allem die Talfahrt am Immobilienmarkt auf der Wirtschaft. Hinzu kommen der unflexible Arbeitsmarkt sowie die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit im Exportgeschäft.

    Gleichwohl fehlt der wirtschaftlichen Elite die Einsicht in die desaströse Lage des Landes. Als Princeton-Ökonom Krugman kürzlich warnte, „der eigent-liche Brandherd Europas ist nicht Griechenland, sondern Spanien“, löste er eine Welle der Empörung aus, auch jenseits der Politik. „Spanien mit Griechenland zu vergleichen“, so Emilio Botín, Präsident von Banco Santander, „ist so, wie Real Madrid mit Alcoyano zu vergleichen.“ Will heißen Champions League mit zweitklassigem Fußball.

    In Brüssel dagegen betrachtet man Spanien schon wegen der Größe des Landes mit großer Sorge. Seine Wirtschaft trägt fast zwölf Prozent zur Wertschöpfung in Euroland bei. In Brüssel weiß man: Eine Rettungsaktion zugunsten Spaniens würde die Euro-Zone überfordern.

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