WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Euro Zocken gegen den Euro

Seite 4/5

22li

Spaniens öffentliche Schuld wird nach Prognosen der EU-Kommission in diesem Jahr mit 67,5 Prozent des BIPs zwar noch deutlich unter dem Schnitt der Euro-Zone liegen. Aber das Tempo, mit dem neue Schulden hinzukommen, ist schwindelerregend. Im vergangenen Jahr nahm die Regierung neue Kredite inHöhe von 11,4 Prozent des BIPs auf. Angesichts der noch immer schrumpfenden Wirtschaft dürfte die Schuldenquote weiter kräftig steigen.

Auch für Italien sieht es nicht gerade rosig aus. Zwar hat die Regierung kein teures Konjunkturprogramm aufgelegt und dadurch die ohnehin schon hohen Staatsschulden weiter aufgebläht. Eine Blase am Immobilienmarkt gab es ebenfalls nicht. Dafür aber macht Italien der stetige Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit, der Mangel an Innovationen sowie die ungünstige demografische Entwicklung zu schaffen. Über die Note von 3,5 kommt Italien im Commerzbank-Ranking daher nicht hinaus.

In Portugal macht sich neben den hohen Defiziten im Staatshaushalt die enge wirtschaftliche Verflechtung mit Spanien negativ bemerkbar. So gehen rund 25 Prozent der portugiesischen Ausfuhren in das iberische Nachbarland. Im Commerzbank-Ranking erhält Portugal die Note 3,3.

Am besten von allen Euro-Krisenländern steht Irland da. Zwar ist der Korrekturbedarf nach dem Platzen der Immobilienblase hoch und das Bankensystem noch fragil. Doch die Regierung hat ein hartes Sanierungsprogramm auf den Weg gebracht, um den Staatshaushalt wieder ins Lot zu bringen. Zudem ist das Wachstumspotenzial auf der Grünen Insel höher als in den anderen Krisenländern. Die Commerzbanker vergeben Irlands Wirtschaft daher die Schulnote 2,7.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Angst vor Bankenkrise 2.0

    Ginge es nur um die Wirtschaft in diesen Ländern, wäre die Nervosität an den Börsen nicht so groß. Doch es geht um mehr. Es geht um das Überleben des gesamten europäischen Bankensystems. Allein die deutschen Banken haben in ihren Bilanzen Kreditforderungen gegenüber Portugal, Griechenland, Italien und Spanien im Wert von insgesamt 385 Milliarden Euro. Gegenüber Griechenland stehen 30 Milliarden Euro im Feuer. Den französischen Banken schulden die Griechen sogar 55 Milliarden Euro, den Schweizer Banken umgerechnet etwa 46 Milliarden Euro.

    Wächst das Misstrauen der Märkte gegen diese Länder weiter, steigen die Risikoprämien für deren Staatsanleihen, und die Kurse rutschen in den Keller. Das zwänge die Gläubigerbanken zu milliardenschweren Abschreibungen, die ihr ohnehin schon knappes Eigenkapital weiter schmälerten. Eine Kreditklemme wäre die Folge.

    Hinzu kommt, dass die Griechen im April Staatsanleihen im Umfang von zwölf Milliarden Euro zurückzahlen müssen. Dafür brauchen sie neue Kredite. Floppt die Kapitalaufnahme, wäre Griechenland pleite. Binnen Sekunden würden die Märkte die Kreditschleusen auch für die anderen hochverschuldeten Länder dicht machen. Der Staatsbankrott mehrerer Länder der Euro-Zone wäre das Ende der Währungsunion.

    Noch bestreiten die Beamten im Berliner Kanzleramt eine akute Not. „Die Bundesregierung hat keinen Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands. Die letzte Auktion war dreifach überzeichnet“, hieß es am vergangenen Mittwoch in Berlin. Athen sei die Refinanzierung Anfang Januar geglückt, „teuer, aber problemlos“.

    Trotzdem arbeiten die Fachleute im Finanzministerium und im Kanzleramt fieberhaft an den verschiedensten Modellen, um notfalls rettend einzugreifen. „Eine gute Regierung bereitet sich auf schwierige Situationen vor, ob das Hochwasser ist oder Turbulenzen an den Finanzmärkten“, heißt es augenzwinkernd. „Die Bundesregierung spielt Szenarien durch. Es gibt eine Vielzahl von möglichen Situationen, für die man eine Antwort haben muss.“

    Doch welche Antworten das sind, dar-über kann einstweilen nur spekuliert werden. In Betracht kommen theoretisch mehrere Möglichkeiten. So könnten einzelne Mitgliedstaaten oder die EU eine Garantie für griechische Staatsanleihen abgeben. Dann dürfte es Griechenland leicht fallen, genügend Kapital zu akzep- » » tablen Zinsen einzusammeln, um die fälligen Kredite zu tilgen. Für die Retter hätte das den Vorteil, dass es sich nur um Eventualverbindlichkeiten handelte, die man den Steuerzahlern daheim leichter verkaufen kann als direkte Kredithilfen.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%