WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Europäisches Parlament Ungleiches Duo für Umwelt und Industrie

Seite 2/4

Jo Leinen (SPD)

Leinen und Reul fanden auf höchst unterschiedlichen Wegen nach Europa. "Ich bin auf der deutsch-französischen Grenze groß geworden", erzählt der Saarländer schmunzelnd. Nach dem Ersten Weltkrieg 1919 wurde das Saargebiet von Deutschland abgetrennt und geriet unter französische Besatzung. Am 10. Januar 1920 wurde im "Versailler Friedensvertrag" geregelt, dass die Saarregion durch den Völkerbund in Genf verwaltet, wirtschaftlich aber zu Frankreich gehören sollte. Nach einer Frist von 15 Jahren sollten dann die Bürger der Saarregion frei über ihre zukünftige Zugehörigkeit entscheiden dürfen.

Am 13. Januar 1935 entschieden sich 90,8 Prozent der Saarbevölkerung für die Rückgliederung an Deutschland, welche dann am 1. März 1935 vollzogen wurde, das Saarland wurde wieder an das Deutsche Reich angeschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Saarland erneut unter französische Besatzung. Am 17. November 1947 wurde das Saarland mit den Saargruben wirtschaftlich an Frankreich angeschlossen und wurde in den französischen Währungs- und Zollbereich eingegliedert. Nach der Volksabstimmung am 23. Oktober 1955, bei der sich wiederum ein Großteil der Saarbürger für eine Rückgliederung an Deutschland entschied (nämlich 67 Prozent), wurde das Saarland wieder politisch an Deutschland angeschlossen (1. Januar 1957). Die wirtschaftliche Rückgliederung vollzog sich am 6. Juli 1959. 

Leinen: Zehn Jahre im Europaparlament

Der heute 61-jährige Jo Leinen gehört seit 1999 für die SPD dem Europaparlament an. Nach dem Abitur und dem Studium der Rechtswissenschaft legte Jo Leinen 1972 das erste Juristische Staatsexamen ab. Seine "europäische Lehre" absolvierte er 1973/1974 beim Europakolleg in Brügge, das als Kaderschmiede für Karrieren in europäischen Institutionen gilt. Über den eigenen Tellerrand hinaus blickte der bodenständige Saarländer am Institute for World Affairs in Connecticut 1975 und legte 1976 das zweite Juristische Staatsexamen ab. Danach war er von 1977 bis 1984 als Rechtsanwalt in Freiburg im Breisgau tätig.

Als Sprecher des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) stand er bei Protestaktionen mit dem Megaphon auf Baucontainern, was ihm den Spitznamen „Container-Jo" eintrug. Der Anwalt Gerhard Schröder, späterer Bundeskanzler verteidigte den Friedensaktivisten gegen die Anklage vor dem Bundesverfassungsgericht als vermeitlicher Rädelsführer bei den AKW-Besetzungen in Brokdorf.

Reul: Berufspolitiker und Strippenzieher

Herbert Reul ist aus einem anderen Holz geschnitzt. Der 57-Jährige gilt als verwurzelt und lebt mit Familie und drei Töchtern im Bergischen. Er hat die klassische Ochsentur in der Partei hinter sich: Junge Union, Stadtrat, Landesvorstand und Wahl in den Landtag in Düsseldorf. Bis 1985 unterrichtete er als Studienrat am Gymnasium. Seit dem Einzug in Landesparlament gilt er als Berufspolitiker und Strippenzieher. Von 1991 bis 2003 fungierte er als glückloser Generalsekretär der NRW-CDU. Das Wahldebakel der Union im Jahre 2000 des Herausforderers Jürgen Rüttgers um die Macht an Rhein und Ruhr, ließ den Stern Reuls in seinem Stammland sinken.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%