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Ex-Dell-Chef Rollins "Mitt Romney trödelt nicht"

Der Ex-CEO des Computerherstellers Dell, Kevin Rollins, über seine gemeinsame Zeit mit Mitt Romney und über die Moral und Disziplin bei den Mormonen.

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Ex-CEO von Dell: Kevin Rollins Quelle: Christoph Navin für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Rollins, ein Viertel aller Amerikaner will keinen Mormonen im Weißen Haus. Ist Mitt Romneys Religion ein Nachteil für ihn beim Kampf ums Weiße Haus?

Rollins: Nein, das glaube ich nicht. Romneys Glaube wird nicht den Ausgang der Präsidentschaftswahlen bestimmen.

Dennoch sind viele Amerikaner skeptisch gegenüber den Anhängern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage.

Denken Sie an John F. Kennedy, der war katholisch, und das war vielen Amerikanern ebenfalls sehr verdächtig. Es gab auch viele, die Barack Obama nur deshalb nicht gewählt haben, weil er schwarz ist. Immer, wenn ein Kandidat antritt, über den die Wähler nicht viel wissen, werden sie nervös. Wir müssen sie besser informieren. Deshalb gab es ja die Werbekampagne unserer Kirche „Ich bin ein Mormone“. Darin bekannten sich ganz normale Bürger zu ihrem Glauben.

Viele erfolgreiche amerikanische Top-Manager sind Mormonen. Welche Rolle spielt Erfolg für sie?

Die Kirche bereitet ihre Gläubigen nicht spezifisch darauf vor, Führungskräfte in großen Unternehmen zu werden. Der Glaube spielt insofern eine Rolle, als er uns lehrt, ehrlich, fair und anständig zu sein.

Kaum eine große Weltreligion würde anderes von sich behaupten...

Diese Werte spielen bei Mormonen aber eine außerordentlich große Rolle. Uns wird auch früh beigebracht, Verantwortung zu übernehmen und zu führen. Wir lernen schon als Kinder öffentlich zu reden und uns zu präsentieren. Die persönliche Entwicklung prägt auch die fast zweijährige Mission, auf die junge Mormonen geschickt werden. Sie müssen sich in einer fremden Umgebung zurechtfinden, sich anderen gegenüber öffnen und Teamarbeit lernen. Wir lernen da Disziplin. Eine Garantie für Erfolg ist das natürlich nicht, aber es hilft bei der persönlichen professionellen Karriere.

Managen Mormonen anders, besser?

Ich habe sicherlich Dell anders geführt als mein Vorgänger. Schließlich ging es dem Unternehmen ziemlich schlecht, als ich dort den Chefposten übernahm. Wir mussten das Geschäft retten. Ich habe aber nicht mit einer Mormonen-, sondern mit einer Managementperspektive geführt. Besonderen Wert legte ich auf eine starke Unternehmensethik. Wir nannten das „die Seele von Dell“.

Wie sah sie aus, die „Seele von Dell“?

Ehrlich, klar und direkt bei all unseren Geschäftshandlungen zu sein. Wer in der Firma diesen Verhaltenskodex gebrochen hat, ist rausgeflogen.

Unbedingte Gehorsamkeit und strenge Disziplin – Regeln wie in der Mormonen-Kirche.

Wir haben ein klares Verständnis davon, was falsch und was richtig ist.

Kritisches Denken, Abweichen von der Norm gehört nicht dazu?

Wir Mormonen folgen nicht blind den Kirchenlehren. So funktioniert unsere Kirche nicht. So lenkt auch keiner der Mormonen, die ich kenne, sein Unternehmen.

Wie lassen sich die streng konservativen Mormonen-Regeln mit dem Management eines modernen Unternehmens vereinbaren, zu dem unter anderem auch die Förderung von Homosexuellen gehört?

Ich halte mich an die Gesetze, jedes Individuum hat gleiche Rechte – auch wenn mein Glaube manchen dieser Werte widerspricht. Diese Rechte müssen im öffentlichen Leben anerkannt werden. Die meisten Leute bei Dell wussten überhaupt nicht, dass ich Mormone bin. Sie haben wohl mitbekommen, dass ich ein sehr moralischer Mensch bin, der nichts von Scheinheiligkeit hält, der nicht toleriert, wenn jemand aus welchem Grund auch immer diskriminiert wird. Mir ist niemals der Vorwurf gemacht worden, ich habe Vorurteile, weil ich Mormone bin.

Die peinlichen Fehltritte von Mitt Romney
Bei der dritten und letzten TV-Debatte zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney ging es um außenpolitische Themen - ein Feld, auf dem Obama nur schwer zu attackieren ist. Romney versuchte es trotzdem, und kritisierte, dass die Marine gegenwärtig weniger Schiffe habe als 1916. Obama konterte: "Ich denke, Gouverneur Romney hat vielleicht nicht genug Zeit damit verbracht nachzuschauen, wie unser Militär funktioniert", so der US-Präsident. Spottend klärte der Präsident den früheren Gouverneur über den militärischen Fortschritt auf. "Wir haben diese Dinger, Flugzeugträger genannt, da können Flugzeuge drauf landen", sagte er. Und im Übrigen verfüge die US-Armee mittlerweile auch über weniger Pferde und Bajonette. Bei Twitter überzogen die User den Republikaner mit Spott. "Romneys militärischer Plan von 1917 passt zu seinen Energie-Plänen von 1917", schrieb Demokrat Es Markey aus Massachusetts. "Wir haben noch sein Bajonett, falls die Regierung es zurückhaben will", twitterte Rich Gallup, dessen Ur-Großvater im Ersten Weltkrieg für die USA gekämpft habe. Es ist nicht das erste Mal, dass Romney in ein Fettnäpfchen traf. Zuletzt sorgte er für Empörung... Quelle: dapd
Republican presidential nominee and former Massachusetts Governor Mitt Romney Quelle: REUTERS
Mitt Romney Quelle: dapd
Mitt Romney Quelle: dapd
Romney und Miliband Quelle: dapd
Romney Quelle: REUTERS
'Car Guy' Mitt Romney Quelle: REUTERS

Was können Manager und Politiker von den Mormonen lernen? Sie haben, wie auch der Politiker Mitt Romney, neben ihrem Top-Job wöchentlich um die 20 Stunden Gemeindearbeit geleistet. Heute sind sie Bischof für mehrere Gemeinden. Wie geht das zusammen?

Es gibt eine alte Regel: Willst du unbedingt, dass jemand etwas für dich erledigt, dann frage einen Menschen, der besonders stark beschäftigt ist. Denn der ist gut organisiert. Bei dem passt auch noch ein Auftrag rein. Es ist eine Frage der Priorität. Auch die persönliche Moral spielt eine Rolle. Was halte ich persönlich für wichtig, und was erledige ich zuerst?

Wenn ein Manager ein Unternehmen vor dem Bankrott retten soll, welche Rolle spielt da die persönliche Moral?

Sie spielt eine Rolle, wenn ich sage, am Sonntag bin ich mit der Familie und nicht im Büro. Da treffe ich eine moralische Wahl.

Wie würden Sie Romney charakterisieren?

Ich kenne Romney von unserer Kirche und aus der gemeinsamen Zeit bei Bain Consulting. Unsere Familien sind seit Langem befreundet. Ich kenne keinen Menschen, der so viel Energie hat wie Romney. Er ist optimistisch, sehr erfolgsorientiert und versteht, Leute aufzubauen; er erkennt Talente.

Er wirkt hölzern bei seinen Auftritten. Der Funke springt nicht über.

Er ist ein besonnener, fokussierter Mensch, der es nicht mag, seine Zeit mit Herumsitzen zu vertrödeln. Wenn er nicht arbeitet, verbringt er seine Zeit mit der Familie. Sie würden ihn mögen, die Deutschen sind ja auch eher zurückhaltend und ernst.

In Arbeit
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Lässt sich mit der Mormonen-Moral und ihrem Fokus auf Familie, Glaube und harte Arbeit Amerika retten?

Disziplin, starke Familien und Selbstverantwortung sind sicherlich gute Werte. Romney hat mehr Erfahrung als Obama mit der Lösung schwieriger Probleme. Romney hat Unternehmen geführt, er hat Firmen gerettet, die vor dem Bankrott standen. Er hat die Olympischen Winterspiele in Utah gemanagt. Ohne ihn wären das dort keine erfolgreichen Spiele geworden. Er hat den Bundesstaat Massachusetts wieder auf die Erfolgsspur gebracht. Er hat Bain Consulting gerettet, das habe ich persönlich miterlebt. Das wichtigste Kriterium, das entscheidet, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird, ist: Wer kann Jobs schaffen? Wie kommen wir aus dieser Misere wieder heraus? Ich traue das eher Romney als Obama zu.

Was hat Obama falsch gemacht?

Obama hatte sicherlich gute Absichten, als er 2008 seine Amtszeit begann. Die Themen, die er angepackt hat, waren genau die falschen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln: Die Gesundheitsreform – zu teuer. Die Regulierung der Finanzbranche – eine Katastrophe für die Branche. Die Rettung der Autoindustrie hat strukturell auch nicht geholfen – sind da neue Jobs geschaffen worden? Nein, er hat die alten mit viel Geld erhalten. Nach einer Rezession wird es normalerweise besser. Obama hat eine schlechte Lage geerbt, aber er hat sie nur noch schlimmer gemacht.

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