Expertenbericht UN-Inspekteure bestätigen Einsatz von Nervengift in Syrien

Jetzt ist es sicher: Der Bericht des UN-Chefwaffeninspekteurs Ake Sellström bestätigt den Einsatz des Nervengiftes Sarin bei einem Angriff am 21. August in Damaskus. Die Schuldigen benennt er jedoch nicht.

Bereits vor der offiziellen Veröffentlichung des UN-Berichts sickerten Informationen durch, das Sarin eingesetzt wurde. Auf diesem Bild von der Übergabe durch UN-Chefwaffeninspekteur Ake Sellström (links) an UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon ist zu entziffern, dass Geschosse mit

Die UN-Chemiewaffeninspekteure haben in Syrien „klare und überzeugende“ Beweise für einen Angriff mit dem Giftgas Sarin am 21. August in der Nähe von Damaskus gefunden. Das Gas sei mit Boden-Boden-Raketen verschossen und „auch gegen Zivilisten, darunter viele Kinder“, eingesetzt worden. Das geht aus einem Bericht des schwedischen Professors Åke Sellström hervor, den die Vereinten Nationen am Montag in New York vorstellten.

Die Gutachter fanden nach eigenen Angaben Sarinspuren an den Raketenresten in den östlichen Vororten von Damaskus. Auch die Umgebung der Einschlagstellen sei mit dem Nervengift kontaminiert gewesen. Die Befragung von mehr als 50 Opfern und Helfern hätten „ausreichende Hinweise“ für die Annahme gegeben, dass Sarin eingesetzt worden sei. Bei einigen seien Gasverletzungen „eindeutig diagnostiziert“ worden. Auch in Blut- und Urinproben sei Sarin nachgewiesen worden.


Bei dem Giftgasangriff vor vier Wochen sollen mehr als 1.400 Menschen ums Leben gekommen sei. Syriens Regierung und die Rebellen beschuldigen sich gegenseitig, die weltweit geächteten Waffen einzusetzen. Das Mandat der Inspekteure richtete sich nur darauf zu untersuchen, ob und welche Chemiewaffen eingesetzt worden waren. Dagegen sollte die Frage, wer für den tödlichen Einsatz verantwortlich ist, ausdrücklich nicht beantwortet werden.

Fragen und Antworten zum giftigen Sarin-Gas

Der Chef der Experten, der schwedische Professor Åke Sellström, hatte den mit Spannung erwarteten Report am Vortag UN-Generalsekretär Ban Ki Moon übergeben. Nachdem die Vereinten Nationen ein Foto von dem Treffen veröffentlicht hatten, sickerten bereits Informationen durch, dass Nervengas in Syrien eingesetzt wurde. Bei starker Vergrößerung des Bildes lässt sich ein Teil der Untersuchungsergebnisse entziffern.

Ban sprach im Sicherheitsrat bei der Vorstellung des Berichts von einem „schweren Schock“. Er unterstrich, dass der Einsatz chemischer Waffen „von wem auch immer, unter welchen Umständen auch immer“ eine grobe Verletzung internationalen Rechts sei. Gleichzeitig begrüßte er, dass Syrien der Chemiewaffenkonvention beitreten wolle. 

Nach einer Vereinbarung der USA mit Russland muss das Assad-Regime sein Chemiewaffenarsenal bis Samstag offenlegen. In den kommenden Monaten sollen die Chemiewaffen dann aus dem Bürgerkriegsland gebracht und zerstört werden. Bis Mitte 2014 soll der Prozess abgeschlossen sein. Allerdings geht der ehrgeizige Plan nur auf, wenn das Assad-Regime in vollem Umfang kooperiert.

Regionale Player im Syrien-Konflikt

Mit einer „starken und bindenden“ Resolution wollen die USA, Frankreich und Großbritannien deshalb im UN-Sicherheitsrat den Druck auf die syrische Führung, ihre Zusagen auch umzusetzen. Allerdings bremst Russland den Westen erneut aus und lehnt die Androhung von Gewalt weiter ab. Die UN-Vetomacht sieht außerdem kaum Chancen, dass der Weltsicherheitsrat noch in dieser Woche eine Syrien-Resolution verabschiedet.

Der gemeinsame Beschluss mit den USA zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffen sehe - anders als von Washington gewünscht - keine Anwendung von Gewalt nach Kapitel VII der UN-Charta vor, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Moskau. Sein US-Amtskollege John Kerry betonte hingegen in Paris, Russland habe explizit zugestimmt, dass Gewalt gegen das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad der Weg bei Nichterfüllung der Resolution sei.

Es müsse einen präzisen Zeitplan für die Zerstörung des syrischen Chemiewaffenarsenals geben, ließ der französische Präsident François Hollande nach einem Treffen mit Kerry und dem britischem Außenminister William Hague mitteilen. In Moskau betonte Lawrow der Agentur Itar-Tass zufolge: „Unsere amerikanischen Kollegen hätten gerne eine Resolution unter Androhung von Kapitel VII gehabt. Aber das endgültige Dokument, auf das wir uns geeinigt haben und unsere Regierungen zur Umsetzung verpflichtet, erwähnt dies nicht.“

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Die humanitäre Lage in Syrien wird zweieinhalb Jahre nach Ausbruch der Gewalt immer prekärer. Rund 50 namhafte Mediziner riefen die Vereinten Nationen im britischen Fachjournal „The Lancet“ auf, die Ärzte in Syrien stärker zu unterstützen. „Der Konflikt in Syrien hat zu einer der wohl schlimmsten humanitären Krisen seit Ende des Kalten Krieges geführt“, heißt es. Mehr als die Hälfte der Krankenhäuser sei zerstört oder beschädigt.

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