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EZB-Chefvolkswirt Stark "Euro-Bonds kleistern die Probleme nur zu"

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An was denken Sie?

Dass der Haushaltsausgleich nicht erst 2014, sondern bereits 2013 erreicht werden soll. Dass zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen ergriffen wurden für 2011 und 2012. Auch die spanische Regierung will ihre Ziele in jedem Fall einhalten.

Bislang haben die Südländer ihre Versprechen nie eingehalten. Warum sollte es diesmal anders sein?

Entscheidend ist, dass die angekündigten Maßnahmen Punkt für Punkt umgesetzt werden. Damit es so kommt, bedarf es gerade in der Währungsunion des Gruppendrucks und des Drucks der Zentralbanken, um die Ziele zu erreichen. Den übt die Europäische Zentralbank aus.

Aber in Griechenland gehen die Leute auf die Straße ...

Griechenland ist problematisch, ohne Zweifel. Aber Sie müssen das in Perspektive setzen zu anderen Ländern, die ebenfalls ein Hilfsprogramm des IWF durchlaufen haben und Opfer in Kauf nehmen mussten, nachdem sie über ihre Verhältnisse gelebt hatten. Hier sind politische Führung gefragt und eine klare Kommunikation. Im Fall Lettlands hat es funktioniert. Der Staat war in einer ähnlichen Situation: Die Wirtschaftsleistung brach ein, die Arbeitslosigkeit schnellte nach oben, bei gleichzeitig fallenden Löhnen und Gehältern. Nach all diesen schmerzhaften Anpassungen steht das Land heute wieder gut da. Die Bürger haben verstanden, warum die Schritte notwendig waren. In einer solchen Notlage ist auch ein parteiübergreifender Konsens nötig.

Haben das die Griechen verstanden?

Die Regierung hat das verstanden.

In Deutschland kommt an der Rettung Kritik auf.

Ich verstehe die Menschen, die über die wachsenden Rettungsschirme in Europa besorgt sind. Inzwischen gibt es Forderungen, den Rettungsschirm EFSF zu verdoppeln. Es gibt Forderungen, die EZB müsste mehr Geld in den Kreislauf pumpen und noch großzügiger sein. Nur, wohin soll das alles führen? Nüchtern betrachtet, kann das nicht funktionieren. Strukturelle Korrekturen sind nötig. Wir brauchen sowohl institutionelle Reformen als auch Anpassungsmaßnahmen in den einzelnen Ländern, um das Wachstumspotenzial zu stärken. Nur dann erhalten die Menschen wieder eine Perspektive.

Die EZB kauft wieder Staatsanleihen, obwohl das Programm abgeschlossen schien?

Dazu hat EZB-Präsident Jean-Claude Trichet das gesagt, was zu sagen war.

Nein, Trichet hat nur gesagt, was er zu sagen hatte. Wir fragen Sie, was Ihre Ansicht ist. Sie sind doch ein Gegner von Anleihekäufen.

Ich kann mich nur wiederholen. Der Präsident hat alles dazu gesagt: In seinem Statement vom 7. August und mehreren Interviews. Bei derart wichtigen Entscheidungen muss jeder mit seinem Gewissen im Reinen sein. Wie die Mehrheitsverhältnisse ausgesehen haben, werden Sie in 29 Jahren und gut 350 Tagen nachlesen können.

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