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EZB-Chefvolkswirt Stark "Euro-Bonds kleistern die Probleme nur zu"

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Wie lange wird die EZB Anleihen kaufen, mit welchen Volumina ist zu rechnen?

Tempo und Volumina hängen davon ab, wie der EZB-Rat die Lage an den Märkten einschätzt. Da gibt es regelmäßige Bewertungen. Davon macht der EZB-Rat seine Entscheidungen abhängig. Ausschlaggebend ist, wie lange die Verspannungen an den Märkten anhalten.

Vorige Woche kaufte die EZB Anleihen über 22 Milliarden Euro.

Richtig, aber setzen Sie das in Perspektive zum 10. Mai 2010. Bei den damaligen Anleihekäufen waren es in der ersten Woche 16 Milliarden Euro.

Jetzt ist es doch mehr.

Richtig, nur denken Sie daran, dass in dieser Phase der Krise weitaus größere Märkte betroffen sind als im Mai 2010.

Der Großteil der gekauften Bonds waren also italienische Staatsanleihen?

Das kann ich Ihnen nicht sagen.

Wenn die EZB in dem Tempo weiter kauft, kommt bis Ende September einiges zusammen.

Ich will das nicht bagatellisieren. Der Kauf von Staatsanleihen ist ein sehr ernst zu nehmendes Thema, insbesondere in Deutschland. Aber wenn Sie die 96 Milliarden Euro, die wir seit dem 10. Mai vergangenen Jahres in der Euro-Zone gekauft haben, vergleichen mit den Käufen der US-Notenbank Fed, dann rückt das alles in eine andere Perspektive. Die Fed kaufte für 1,5 Billionen Dollar Staatsanleihen, etwas mehr als elf Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts. In England erwarb die Bank of England für 200 Milliarden Pfund Staatstitel, was knapp 15 Prozent des BIP entspricht. In der Euro-Zone ist es etwa ein Prozent, und im Gegensatz zu den anderen Zentralbanken sterilisieren wir den Liquiditätseffekt dieser Käufe.

Trotzdem, warum kauft die EZB Anleihen? Ehemalige Bundesbank-Präsidenten zeigen Unverständnis.

Die Verzerrungen an den Märkten erschweren und verteuern die Refinanzierung von Banken und Unternehmen. Das mag zu normalen Zeiten anders gewesen und deshalb schwer nachvollziehbar sein. In der Realität trifft es dennoch zu. Wir haben derzeit außergewöhnliche Bedingungen angesichts der Staatsschuldenkrise. Banken trauen sich untereinander nicht mehr. Der Vertrauensschwund der Märkte gegenüber den öffentlichen Finanzen trifft auch die Kapitalposition der Banken und damit die Funktionsweise des Interbankenmarkts.

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