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EZB-Chefvolkswirt Stark "Euro-Bonds kleistern die Probleme nur zu"

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Gibt es Verspannungen am Geldmarkt?

Ja, das zeigt sich beim Volumen der Refinanzierungen, die heute wieder eine stärkere Rolle spielen. Banken in bestimmten Regionen des Euro-Gebietes bevorzugen es, ihre überschüssige Liquidität bei der EZB zu deponieren, anstatt sie an andere Banken auszuleihen. Dieses Signal nehmen wir ernst. Die Lage ist allerdings nicht vergleichbar mit der Situation zum Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers.

Werden wir weitere Aktionen sehen?

Am 4. August haben wir den Banken alle Liquiditätswünsche zum Festzins für die ungewöhnlich lange Laufzeit von sechs Monaten erfüllt. Hierbei haben wir den Banken mit insgesamt 50 Milliarden Euro reichlich Liquidität gegeben. Aus heutiger Sich handelt es sich um eine Einmalaktion.

Welche Banken, aus welchen Ländern, bekommen kein Geld im Interbankenhandel?

Das sind insbesondere Institute in Staaten, die die IWF-Hilfsprogramme in Anspruch nehmen. Hier ist oftmals die Staatsschuldenkrise auf das Bankensystem übergeschwappt, obwohl es wie im Fall Griechenland vorher solide war.

Aber nicht nur Banken in Griechenland, Irland und Portugal benötigen Hilfe, auch Institute in Italien und Spanien und am Ende in Frankreich geraten unter Druck.

Wir beobachten die Situation sehr genau. In Italien und Spanien hat die Politik durch die Richtungsänderung in der Haushaltspolitik bereits reagiert. Inzwischen ist allen klar, dass man auf Dauer nicht über seine Verhältnisse leben kann, ohne von den Märkten bestraft zu werden.

Sind die Zentralbanken mit ihrer laxen Geldpolitik in der Krise nicht ein Brandbeschleuniger?

Die EZB ist die einzige große Zentralbank, die ihre Zinsen seit Jahresbeginn erhöht hat und mit ihrem Hauptrefinanzierungssatz nie extrem nach unten ging. Wir sind bei einem Prozent stehengeblieben und inzwischen wieder bei 1,5 Prozent angelangt - ein deutlicher Abstand zu anderen Notenbanken, deren Geldpolitik ich nicht kommentiere. Das ist die Gegenwart. Aber Sie haben recht. Die Zinsen zu lange zu niedrig zu halten birgt Risiken. Eine solche Politik trägt zu exzessiver Risikobereitschaft und zu Fehlinvestitionen bei und untergräbt damit das Wachstumspotenzial einer Volkswirtschaft.

Herr Stark, wir danken Ihnen für das Interview.  

Dieser Artikel ist erschienen auf Handelsblatt Online

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