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Fed senkt Leitzins weiter Wie schlecht steht es um Amerikas Wirtschaft?

US-Notenbankchef Jerome Powell hatte die Märkte auf die jüngste Senkung vorbereitet. Quelle: AP

Auf den ersten Blick scheint die US-Konjunktur intakt zu sein. Nun senkt die US-Notenbank abermals die Leitzinsen – zum dritten Mal in diesem Jahr. Die Warnsignale nehmen zu.

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Jerome Powell hat einmal mehr geliefert. Mit der dritten Zinssenkung in diesem Jahr bleibt die amerikanische Notenbank Federal Reserve geldpolitisch auf dem Gaspedal. Sie hat den Leitzins auf eine Spanne zwischen 1,5 bis 1,75 Prozent gedrückt. Was für sich genommen keine Überraschung ist, verfestigt den Eindruck: Die US-Wirtschaft fährt mit angezogener Handbremse – schleppender jedenfalls, als US-Präsident Donald Trump es gerne hätte und seinen Anhängern weismachen will.

Das verrät schon ein Blick in den Rückspiegel. Noch vor weniger als einem Jahr war die Fed auf entgegengesetztem Kurs unterwegs. Kurz vor Weihnachten hatte sie den Leitzins zum vierten Mal im Jahr 2018 erhöht. Und die Mehrheit der Währungshüter erwartete seinerzeit, die Notenbank werde in diesem Jahr zwei weitere Zins-Gänge hochschalten.

Es kam anders. Ende Juli senkte die Fed zum ersten Mal seit der Finanzkrise den Leitzins. Stunden, bevor sie am Mittwoch den dritten Schritt folgen ließ, vermeldete das Handelsministerium das Wirtschaftswachstum für das dritte Quartal: 1,9 Prozent. Deutlich weniger als im Gesamtjahr 2018 (2,9 Prozent), aber mehr als von Analysten erwartet (1,6 Prozent).

Wohin also steuert Amerikas Wirtschaft ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl?

Die Kauflaune der Amerikaner stimmt nach wie vor. Ihre Ausgaben stiegen zuletzt um 2,9 Prozent. Den Konsumenten ist es zu verdanken, dass die Bremsspuren in der amerikanischen Volkswirtschaft nicht längst tiefer sind: Der Binnenkonsum macht in den USA rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung aus. Die Arbeitslosenquote ist mit 3,5 Prozent auf einem historischen Tiefstand. Und der Wohnungsbau hat dank der gesunkenen Zinsen angezogen.

Andere Indikatoren geben hingegen Anlass zur Sorge. Der viel beachtete Einkaufsmanagerindex für die Industrie stand im Oktober deutlich im rezessiven Bereich. Die Unternehmen investieren weniger. Sie stellen zwar nach wie vor ein, aber das Jobwachstum schwächt sich ab; vor allem der Streik beim Autobauer General Motors kostet Stellen. In den Chefetagen ist die Stimmung pessimistischer denn je.

Beobachter interpretieren die Zinssenkung daher als präventiv. Die Federal Reserve will verhindern, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleitet. Die Gefahr, dass es dazu kommt, beziffern Fachleute inzwischen mit 30 bis 40 Prozent. Dabei ist die Notenbank zunehmend eingekeilt: zwischen schwächeren Wirtschaftsdaten, nimmersatten Investoren – und einem tiefroten Staatshaushalt.



Entgegen Trumps früheren Beteuerungen, die Staatsschulden verringern zu wollen, schießt die US-Staatsverschuldung unter dem Republikaner in ungekannte Höhen. Nach jüngsten Zahlen beträgt das Defizit allein 2019 984 Milliarden Dollar. Fast 400 Milliarden Dollar pro Jahr müssen die USA allein für Zinskosten aufbringen. Höhere Leitzinsen würden den Schuldendienst weiter verteuern.

Und das konjunkturelle Umfeld wird nicht vorteilhafter: Die Impulse von Trumps Steuersenkungsprogramm aus dem Vorjahr laufen aus. Der Handelskrieg schwelt weiter. Die Unsicherheit nimmt zu.

Fed-Chef Jerome Powell dürfte den Fuß so bald nicht vom Gas nehmen.

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