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Finanzminister-Treffen G20 versucht Währungskrieg-Debatte zu beenden

Die Botschaft der Top-Wirtschaftsmächte aus Moskau ist klar: Einen „Währungskrieg“ soll es nicht geben. Weniger eindeutig sind die G20 bei neuen Vorgaben zum Schuldenabbau, wie Berlin sie fordert.

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Viele Notenbanken haben zuletzt ihre Währungen abgewertet. Quelle: dpa

Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) stemmen sich mit einem klaren Bekenntnis zu freien Wechselkursen gegen einen „Währungskrieg“. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 sprachen sich am Samstag nach einem zweitägigen Treffen in Moskau einhellig gegen einen Abwertungswettlauf und künstlich niedrig gehalte Wechselkurse aus.

Weiter offen sind dagegen konkrete neue Ziele der Top-Wirtschaftsmächte beim Schuldenabbau. Darauf pocht vor allem Deutschland. In ihrer Abschlusserklärung kündigten die G20-Saaten aber für Anfang September auf dem Gipfel in Sankt Petersburg „glaubwürdige mittelfristige Pläne zur Haushaltskonsolidierung“ an.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte: „Wechselkurse müssen sich frei bilden.“ Politische Währungsmanipulationen dürften kein Instrument für Staaten sein, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu korrigieren. Die G20-Staaten seien damit der bisherigen Linie treu geblieben. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zeigte sich allerdings besorgt angesichts einer „schleichenden Politisierung“ der Notenbanken. Dies Tendenz drohe, Notenbanken zu überfordern.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, begrüßte die G20-Beschlüsse. Sie nannte es „ermutigend“, dass die G20 ihre Entschlossenheit bekräftigt hätten, sich rascher auf stärker vom Markt bestimmte Wechselkurse zuzubewegen. „Wir halten es für überzogen, von Währungskriegen zu sprechen“, fuhr sie fort. Es gehe um Währungsbesorgnisse: „Die gute Nachricht ist, dass die G20 heute mit Kooperation reagiert haben anstatt mit Konflikt.“

Geldpolitik soll sich an Preisstabilität der Währungsräume

Der Burger zeigt, wie die Währungen stehen
McDonald’s ist mit 34.000 Restaurants in über 118 Ländern vertreten – dadurch gibt es fast überall auf der Welt den Kassenschlager der Fast-Food-Kette zu kaufen: den Big Mac. Allein in den USA werden jährlich 550 Millionen Stück verkauft. Da die beliebten Hamburger durch strenge Franchise-Verträge fast überall auf der Welt gleich aufgebaut sind, bieten sie durch die unterschiedlichen Thekenpreise in den verschiedenen Ländern eine gute Grundlage um die Kaufkraftunterschiede der Staaten zu vergleichen. Das macht sich das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" regelmäßig zu Nutzen und errechnet so seit 1985 den Big-Mac-Index. Ein Beispiel: McDonald’s-Kunden in Pakistan müssen für ihren Big Mac weniger bezahlen, als in den USA. Also ist die Kaufkraft des Dollars in Pakistan höher als die Kaufkraft des US-Dollars in den USA selbst. Da der Preis des Big Macs in Dollar umgerechnet in Pakistan niedriger ist, können Kunden dort grundsätzlich also mehr Hamburger kaufen. Der durchschnittliche Big-Mac-Preis in den USA lag 2013 bei 4,80 Dollar. In Mexiko zahlen die Burgerfans laut Wechselkurs nur 2,50 Dollar. Ein Überblick, wo die Unterschiede am stärksten sind. Quelle: dpa
McDonald's in München Quelle: dpa/dpaweb
McDonald's Quelle: dapd
Schweiz Quelle: McDonald's Switzerland
Der Big Mac von McDonald's Quelle: McDonald's
McDonald's Quelle: REUTERS
McDonald's in China Quelle: REUTERS

In ihrem Kommuniqué erteilen die G20 Bestrebungen eine Absage, mit künstlich niedrig gehalten Währungen wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben. „Wir werden einen Abwertungswettlauf unterlassen. Wir werden unsere Wechselkurse nicht zu Wettbewerbszwecken vorabbestimmen“, heißt es darin. Die Geldpolitik solle sich zudem an der Preisstabilität der Währungsräume ausrichten sowie auf eine Stimulierung des wirtschaftlichen Wachstums.

Das G20-Kommuniqué entspricht weitgehend der jüngsten Erklärung der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7), wonach Wechselkurse am Markt gebildet und nicht politisch gesteuert werden sollten. Auslöser der Debatte ist vor allem das G7- und G20-Land Japan, das mit lockerer Geldpolitik und einer Abwertung seiner Währung Yen Exporte und Wirtschaft ankurbeln will. Zur Gruppe der G20 gehören neben den G7-Ländern auch aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien, Brasilien oder Russland.

Die Finanzminister und Notenbankchefs lobten, dass sich die Risiken für die Weltwirtschaft dank der in Europa, den USA und Japan eingeleiteten politischen Schritte reduziert hätten. Schäuble betonte gleichwohl, dass die Defizite weiter reduziert werden müssten. Die 2010 in Toronto vereinbarten G20-Sparziele seien weiter gültig. Danach sollen die Staatsdefizite bis 2013 halbiert und der Schuldenstand stabilisiert werden. Allerdings haben nur Deutschland und die Euro-Zone insgesamt die Defizitvorgaben eingehalten - im Gegensatz zu den USA, Großbritannien oder Japan.

Im Kampf gegen legale Steuerschlupflöcher für international agierende Konzerne macht Schäuble mit seinen Kollegen aus Großbritannien und Frankreich, George Osborne und Pierre Moscovici, Druck: „Ich finde, dass sie zu wenig zahlen“, sagte Schäuble. Die drei Länder würden deshalb nun eine gemeinsame Initiative für die faire Besteuerung international tätiger Konzerne vorantreiben.

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In Arbeitsgruppen der Industrieländer-Organisation OECD wollen die drei Länder bis Juli einen Plan für neue internationale Standards vorlegen. „Die positiven Effekte der Globalisierung dürfen nicht dazu führen, dass multinationale Unternehmen Gewinne künstlich verlagern können und so keinen fairen Beitrag am Steueraufkommen unserer Staaten leisten“, betonte Schäuble.

Hintergrund ist, dass multinationale Konzerne trotz hoher Gewinne Milliarden an Steuern sparen, da sie legale Schlupflöcher weltweit nutzen. Sie schieben Gewinne für Geschäfte außerhalb ihrer Heimat über Staatsgrenzen hin und her, bis kaum noch etwas an den Fiskus abgeführt werden muss.

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