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Finanzministertreffen der G7 Der Währungskrieg, der keiner ist

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IWF-Chef Dominique Quelle: REUTERS

Dass der Dollar die Leitwährung der Welt ist, seine Schwäche – abgesehen  vom manipulierten chinesischen Yuan – auch andere wichtige Währungen in die Höhe treibt, dass dies nicht nur die deutschen Exporte sondern auch den wirtschaftlichen Aufbruch in den Schwellenländern gefährdet, dass die expansive US-Geldpolitik die Inflationsgefahr global exportiert, das alles ist von den USA nicht beabsichtigt. Es wird in den USA aber billigend in Kauf genommen, als äußerer Kollateralschaden eines nationalen Notstands, sozusagen.

Schon setzten sich Länder wie Brasilien, Japan und andere Schwellenländer gegen die US-Geldpolitik zu Wehr. Mit Interventionen und Kapitalverkehrskontrollen versuchen sie, die Aufwertung der eigenen Währung zu bremsen und den unerwünschten Zufluss von Kapital unter Kontrolle zu bringen. Ihnen deswegen den Eintritt in einen Währungskrieg zu unterstellen, wäre etwas zu dick aufgetragen. Eher schon handelt es sich um einen Akt der Selbstverteidigung. Viel helfen wird er nicht – und die G7-Minister und Notenbanker werden für diese Probleme in Washington auch keine andere Lösung finden.

Gute Gründe für die Dollarschwäche

Brauchen wir also ein neues Währungssystem, wie uns vor allem Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy glauben machen will? Nein. Denn wozu sollte es von Nutzen sein? Der Dollar stürzt ab, weil es drei gute Gründe dafür gibt: Die US-Konjunktur kommt nicht in Fahrt, der Staat ist hoffnungslos überschuldet und leistet sich seit Jahrzehnten dazu ein chronisches Defizit in der Leistungsbilanz, die Geldpolitik ist außer Rand und Band. Kein Währungssystem der Welt könnte unter solchen Voraussetzungen auch nur annähernd zu stabilen Wechselkursen führen. Dem – aus amerikanischer Sicht – Rest der Welt bleibt also nichts anderes übrig, als sich auf absehbare an die neuen Währungsrelationen zu gewöhnen. Es sei denn, es passiert ein Wunder: China wertet etwas stärker als bislang auf, die USA bauen ihre Defizite ab, Europa löst seine Schuldenkrise und Deutschland bringt endlich seine Binnenwirtschaft etwas mehr in Schwung. Wenn sich die Verantwortlichen in Washington auf so etwas einigen, könnte sich doch noch vieles zum Guten wenden. Aber wer glaubt das schon…

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