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Finanzministertreffen der G7 Der Währungskrieg, der keiner ist

Finanzminister und Notenbanker der G7 starten anlässlich der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington einen neuen Versuch, die Währungsturbulenzen zu stoppen – er wird scheitern.

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WirtschaftsWoche-Redakteur Konrad Handschuch Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Die Finanzminister und Notenbanker der G7 fahren in turbulenter Zeit nach Washington zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Von einem Krieg der Währungen ist die Rede und davon, dass „Währungen als Waffe der Politik genutzt werden könnten“, wie IWF-Direktor Dominique Strauß-Kahn warnt. Wäre das so, wäre das eine gute Nachricht. Denn einen mutwillig vom Zaun gebrochenen Währungskrieg könnte man mit gutem Willen auch wieder beenden. Doch in diesem Fall geht das leider nicht, denn die Probleme, die den Dollar in den Keller und Euro, Yen und andere Schwellenwährungen auf immer neue Höhen treiben,  liegen an anderer Stelle und sind so schnell nicht zu lösen.

Dabei klingt die neue Weltwirtschafts-Prognose des Internationalen Währungsfonds verheißungsvoll. Die Weltwirtschaft nimmt Fahrt auf. Das globale Wachstum des laufenden Jahres beziffern die IWF-Ökonomen jetzt auf 4,8 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte höher als noch im Juli. Auch für Deutschland ist der Fonds optimistisch. Auf 3,3 Prozent revidierte der IWF die Schätzung für das laufende Jahr nach oben – ein bemerkenswerter Anstieg um 1,9 Prozentpunkte.

Schwellenländer schieben Wachstum an

Doch was den Währungshütern Sorgen macht: Die Weltwirtschaft entwickelt sich so heterogen wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Abgesehen von der Exportnation Deutschland wird das hohe Tempo des globalen Wirtschaftswachstums vor allem von den Entwicklungsländern - allen voran von China und Brasilien -  bestimmt. Die Schwellen- und Entwicklungsländer wachsen im laufenden Jahr um 7,0 Prozent, die Gruppe der Industrieländer dagegen nur um 2,7 Prozent. Dazu kommt: Die noch lange nicht ausgestandene Schuldenkrise in der Euro-Zone gefährdet noch immer die Stabilität der Finanzmärkte. Was der Fonds nicht öffentlich sagt, aber insgeheim fürchtet: Sollten Länder wie Irland, Portugal oder Griechenland nicht in der Lage sein, ihre Konsolidierung erfolgreich zu bewältigen - und danach sieht es derzeit aus - , könnte dies neue Schockwellen in der Bankenwelt auslösen und die Geldmärkte erneut zum Stillstand bringen.

Bange Blicke auf den Dollar

Aktuell ist es aber der Dollar, der die Welt in Atem hält. Sein scheinbar unaufhaltsamer Kursverlust gegenüber dem Euro und anderer für den US-Außenhandel wichtiger Währungen ist jedoch so schnell nicht zu stoppen. Der Grund hierfür liegt in der maßlos expansiven Geldpolitik, mit der die amerikanische Zentralbank Fed versucht, die heimische Konjunktur zu beleben. Bei den Zinsen hat sie ihren Spielraum bereits ausgeschöpft – nun scheint der erneute Ankauf von Staatsanleihen der einzig verbleibende Ausweg zu sein, der für die Amerikaner schwer erträglichen Malaise auf dem Arbeitsmarkt Herr zu werden. Doch Staatsfinanzierung durch die Notenpresse, das ist gewöhnlich der  Vorbote neuer Inflation. Auch wenn die Preise vor allem wegen der schwachen Konjunktur noch nicht steigen – die monetäre Basis für eine neue Phase der Preissteigerung ist gelegt.

IWF-Chef Dominique Quelle: REUTERS

Dass der Dollar die Leitwährung der Welt ist, seine Schwäche – abgesehen  vom manipulierten chinesischen Yuan – auch andere wichtige Währungen in die Höhe treibt, dass dies nicht nur die deutschen Exporte sondern auch den wirtschaftlichen Aufbruch in den Schwellenländern gefährdet, dass die expansive US-Geldpolitik die Inflationsgefahr global exportiert, das alles ist von den USA nicht beabsichtigt. Es wird in den USA aber billigend in Kauf genommen, als äußerer Kollateralschaden eines nationalen Notstands, sozusagen.

Schon setzten sich Länder wie Brasilien, Japan und andere Schwellenländer gegen die US-Geldpolitik zu Wehr. Mit Interventionen und Kapitalverkehrskontrollen versuchen sie, die Aufwertung der eigenen Währung zu bremsen und den unerwünschten Zufluss von Kapital unter Kontrolle zu bringen. Ihnen deswegen den Eintritt in einen Währungskrieg zu unterstellen, wäre etwas zu dick aufgetragen. Eher schon handelt es sich um einen Akt der Selbstverteidigung. Viel helfen wird er nicht – und die G7-Minister und Notenbanker werden für diese Probleme in Washington auch keine andere Lösung finden.

Gute Gründe für die Dollarschwäche

Brauchen wir also ein neues Währungssystem, wie uns vor allem Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy glauben machen will? Nein. Denn wozu sollte es von Nutzen sein? Der Dollar stürzt ab, weil es drei gute Gründe dafür gibt: Die US-Konjunktur kommt nicht in Fahrt, der Staat ist hoffnungslos überschuldet und leistet sich seit Jahrzehnten dazu ein chronisches Defizit in der Leistungsbilanz, die Geldpolitik ist außer Rand und Band. Kein Währungssystem der Welt könnte unter solchen Voraussetzungen auch nur annähernd zu stabilen Wechselkursen führen. Dem – aus amerikanischer Sicht – Rest der Welt bleibt also nichts anderes übrig, als sich auf absehbare an die neuen Währungsrelationen zu gewöhnen. Es sei denn, es passiert ein Wunder: China wertet etwas stärker als bislang auf, die USA bauen ihre Defizite ab, Europa löst seine Schuldenkrise und Deutschland bringt endlich seine Binnenwirtschaft etwas mehr in Schwung. Wenn sich die Verantwortlichen in Washington auf so etwas einigen, könnte sich doch noch vieles zum Guten wenden. Aber wer glaubt das schon…

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