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Flüchtlingspolitik EU-Kommission sucht Partnerländer für Aufnahmelager in Afrika

EU-Kommissar Oettinger will mit afrikanischen Staaten Partnerschaftsabkommen abschließen. Aus Ägypten kommt Kritik an den geplanten EU-Aufnahmezentren.

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Flüchtlinge warten in einem Zentrum der Internationalen Organisation für Migration in Algerien. Sie werden zu Tausenden in der Wüste an der Grenze zu Niger ausgesetzt. Quelle: dpa

Berlin Die EU-Kommission sucht in Afrika Länder, die Aufnahmelager für Flüchtlinge auf ihrem Territorium einrichten. EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Das erfordert Partnerschaftsabkommen mit Ländern im Norden Afrikas, die entweder direkt am Mittelmeer liegen oder in der Sahelzone. Darüber müssen wir jetzt verhandeln.“ Benötigt werde ein faires Konzept, durch das das Unwesen der Schlepper beendet werde, das aber nicht zu unzumutbaren Belastungen für die Partnerländer führen dürfe.

Nach Informationen der Zeitung hält die Kommission Verhandlungen mit Libyen, Mali, Niger und Nigeria für möglich. Oettinger selbst nannte keine Namen.

Ägypten hat indes erneut mögliche EU-Aufnahmezentren auf seinem Territorium abgelehnt. „EU-Aufnahmeeinrichtungen für Migranten in Ägypten würden gegen die Gesetze und die Verfassung unseres Landes verstoßen“, sagte Parlamentspräsident Ali Abd al-Aal der „Welt am Sonntag“. Außenminister Samih Schukri hatte schon im Dezember klar gestellt, dass sein Land gegen Sammellager sei.

Der Parlamentschef betonte, Ägyptens Gesetze ließen keine Errichtung von Flüchtlingslagern zu. Legale Migranten könnten sich im Land aufhalten, wo sie wollten und könnten nicht gezwungen werden, in bestimmten Einrichtungen zu bleiben.

Abd al-Aal lobte die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die auch Hilfen für afrikanische Länder umfasst. „Die Lösung für das Problem der Migration besteht unserer Meinung nach darin, die Situation in den Herkunftsländern zu verbessern“, sagte der Ägypter.

Beim EU-Gipfel in Brüssel hatten sich die Teilnehmer darauf verständigt, die mögliche Einrichtung von Aufnahmelagern in Drittstaaten – also wohl in Nordafrika – zu prüfen. Dorthin sollten aus Seenot gerettete Migranten zurückgebracht werden. Neben Ägypten lehnten Tunesien, Algerien und Marokko die Idee bereits ab. Merkel hatte bereits betont, es dürfe nicht über den Kopf dieser Staaten hinweg beschlossen werden, und auch das Völkerrecht müsse beachtet werden.

Mit Blick auf das Ziel der EU-Mitgliedsstaaten, die Grenzschutzbehörde Frontex bis 2020 zu verstärken und auf 10.000 Grenzschützer aufzustocken, sagte EU-Kommissar Oettinger der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, er erwarte, „dass uns die Mitgliedstaaten auch außerordentliche Mittel geben, wenn das nötig ist“. Er prüfe derzeit Umschichtungen im Haushalt. Man brauche gut ausgebildete Bewerber. „Die nationalen Behörden werden zunächst Personal abordnen müssen, damit wir unser Ziel schaffen.“

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