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"Flüela IdeaLab" in Davos 75 Minuten für einen gesunden Lebensstil

Auf der Weltwirtschaftsforum in Davos geht es auch um das Thema Ernährung. Der Kampfbegriff lautet hier: Vorsicht vor Frankenfood, also vor modifizierten Lebensmitteln.

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Öfter mal was Frisches essen - am Arbeitsplatz kommt die gesunde Ernährung oft zu kurz. Quelle: gms

Dass gesundes Leben vor allem ein Frauenthema ist, zeigt sich an der langen Schlange, die sich vor dem “Flüela IdeaLab” gebildet hat. Fünf zu eins beträgt die Relation von Frauen und Männern, die sich dafür interessieren, wie sich das Leben durch einen gesunden Lebensstil ändern lässt (“Transforming lives through Healthy Living”). Die Stühle werden knapp bei der Ideen-Werkstatt, in der es darum geht, die persönliche Resilienz in schwierigen Situationen zu stärken. Hier in Davos interessiert nicht nur Resilienz – also Widerstandsfähigkeit – in Sachen Wirtschaftswachstum, sondern auch in Sachen Gesundheit.

Zu Beginn der Session führt Jeffrey Drazen, Chefredakteur des New England Journals of Medicine, in das Thema ein, zu dem selbstverständlich die drei großen Säulen gesunden Lebens – Ernährung, Bewegung, Entspannung – gehören. Hier in Davos tritt auch noch ein vierter Faktor auf den Plan, nämlich die Rolle von positiven Gefühlen auf die menschliche Leistungsfähigkeit. Adam Anderson, Psychologie-Professor am “Affect and Cognition Laboratory” der Universität Toronto legt eindrucksvoll dar, wie Happiness sowohl die Neugierde der Menschen als auch die Wahrnehmungsfähigkeit der Umgebung stärkt. Menschen, die gut drauf sind, sollen viel weniger Angst vor Veränderungen haben als depressive Menschen, was sie als Innovatoren geradezu prädestiniert.

Die sieben Erfolgsfaktoren gesunder Ernährung

Wie sich die Erkenntnisse der Wissenschaft in den Lebensstil der Menschen integrieren lassen, soll in der Ideen-Werkstatt in Arbeitsgruppen diskutiert werden, aber bevor die Teilnehmer dran kommen, bekommen sie zu allen vier Feldern gesunden Lebens ein fünfminütiges Briefing. Mark Hyman, Vorstand des in Washington angesiedelten “Institute for Functional Medicine” definiert sieben Erfolgsfaktoren, um ernährungsbedingten Krankheiten vorzubeugen, die weltweit Kosten von 47 Billionen US-Dollars erzeugen (siehe Kasten “Die sieben Erfolgsfaktoren gesunder Ernährung”).

Für ihn besteht jedes Essen aus Informationen und “gute Informationen erzeugen Gesundheit, schlechte Informationen erzeugen Krankheit”. Die “Informationsmedizin”, die hierzulande eher als esoterische Spinnerei abgetan wird, wird in Davos von einem einflussreichen Ernährungswissenschaftler propagiert.

“Gehe mehr, stehe mehr, beweg' Dich mehr”

Die hartnäckigsten Gesundheitsmythen
Eine junge Frau putzt sich mit einem Papiertaschentuch die Nase Quelle: dpa
Mann mit Rückenschmerzen sitzt im Büro Quelle: obs
In einer Zahnarztpraxis werden die Zähne eines Jungen untersucht Quelle: dpa
Ein Fieberthermometer liegt auf verschiedenen Arten und Formen von Tabletten Quelle: dpa
Ein Mann zieht an seinem Finger und erzeugt ein Knackgeräusch. Quelle: dpa
Angela Merkel hält ein Schnapsglas in der hand Quelle: AP
Ein Junge steht unter einer Dusche Quelle: dpa

Im Prinzip sind es einfach Faustregeln, die die Panelisten formulieren: 30 Minuten Bewegung täglich im Alltag soll nach Erkenntnis von Fiona Bull, Professorin für physische Aktivität und öffentliche Gesundheit an der University of Western Australia schon genügen, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich zu senken. Dabei braucht diese Bewegung gar nicht mal besonders intensiv zu sein. Schon regelmäßiges Treppensteigen, tägliche Fußmärsche oder sonstige Alltagsbewegung genügen, um die gesundheitliche Widerstandsfähigkeit deutlich zu steigern. “Wir sind dafür angelegt, uns zu bewegen”, so sagt Fiona Bull und ihre unspektakuläre Empfehlung lautet: “Gehe mehr, stehe mehr, beweg' Dich mehr”.

Überhaupt braucht es keine aufwendigen Fitness- oder Yogastudios, um die Tipps der Experten umzusetzen. “Richte Deine Aufmerksamkeit auf den Augenblick”, empfiehlt die Professorin für kontemplative Neurowissenschaften, Amishi Jha, von der University of Miami den Zuhörern. Wem es gelingt, auf seine Aufmerksamkeit zu achten, der kann bewusst gegensteuern, wenn er Gefahr läuft, im Stress automatisch in schlechte (Ernährungs-) Gewohnheiten abzurutschen.

Wie kann es nun gelingen, diese einfachen Regeln in den Alltag der Menschen zu integrieren? Dafür finden die diskutierenden Teilnehmer leider keine einfachen Lösungen. Im Nahrungsmittelbereich hat das ursprüngliche und gesunde Essen keine finanzkräftige Lobby, die dafür ebenso schlagkräftige Werbung machen könnte, wie die Softdrink- und Fastfood-Unternehmen für ihre Produkte. Sich auf die lokalen Lebensmittel und lokale Rezepte zurück zu besinnen, könnte eine erste Hilfestellung sein.

Ausland



“Jeder Mensch ist physiologisch einmalig und braucht dementsprechend passendes Essen”, lautet der Beitrag eines wissenschaftlich aktiven Mit-Diskutanten, der vor allem für fortgeschrittene Esser mit einem ausgeprägten Körpergefühl hilfreich ist. Hier wäre ein erster Schritt, auf seine Vorlieben beziehungsweise Abneigungen beim Essen zu achten. Auch bei der Fitness ist es der menschliche Bewegungsdrang, den es zu aktivieren gilt: “Man braucht kein großes Equipment, um körperlich aktiv zu werden”, so lautet ein Fazit. Ein einladendes Treppenhaus wäre schon der erste Schritt in die richtige Richtung. Aber das zu verwirklichen, ist wiederum eine Aufgabe für Architekten.

Letztlich hängt doch die innere Einstellung und die äußere Umgebung eng zusammen: Den eigenen Lebensstil zu ändern ist eine komplexe Herausforderung. Von den 75 Minuten, in denen das IdeaLab zu diesem Thema aktiv wurde, lassen sich zumindest hilfreiche Denkanstöße mitnehmen.

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