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Fragiles Bankensystem Frankreich steht das Wasser bis zum Hals

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Grafik: Zustimmung zur Amtsführung Quelle: Harris Interactive für RTL, M6, MSN

Frankreichs Finanzinstitute sind in Griechenland und in den anderen Krisenländern der Euro-Zone weitaus stärker engagiert als etwa deutsche. Einige, wie der Crédit Agricole und die Société Générale, haben dort Banken gekauft. Dennoch hält etwa JP Morgan die Griechenland-Engagements der Institute für beherrschbar. Es drohten Verluste von maximal elf Milliarden Euro.

Viel dramatischer sind die hohen Engagements in Italien. Die BNP Paribas beherrscht die sechstgrößte Bank des Landes, die Banca Nazionale del Lavoro, und hält für mehr als 20 Milliarden Euro Staatsanleihen des Landes. Der Crédit Agricole besitzt am Stiefel die Landwirtschaftsbank Cariparma mit mehr als 900 Geschäftsstellen. Auch in osteuropäischen Krisenländern wie Rumänien, Bulgarien oder der Ukraine und in Nordafrika sind einige französische Banken stark exponiert. Zudem verfügen sie teilweise über starke Positionen in risikoreichen Segmenten des Corporate- und Investmentbankings. Siemens und andere haben bereits Mittel von der Société Générale abgezogen. Die französischen Banken wollen nun ihre Bilanzsumme durch Verkäufe im Investmentbanking drastisch reduzieren und ziehen sich insbesondere aus Finanzierungen für Flugzeuge oder Kraftwerke zurück. Doch ihre Situation bleibt kritisch; eine Rekapitalisierung ist nicht zu vermeiden.

Regierung in der Schockstarre

Grafik: Wenige Jobs Quelle: IWF, OECD

Das Horrorszenario der Regierung wird immer wahrscheinlicher: eine Herabstufung der Bonität Frankreichs ausgerechnet im Wahlkampf. Das würde nicht nur die Wahlchancen Sarkozys auf ein Minimum reduzieren. Es würde auch die Refinanzierungskosten Frankreichs erhöhen und vermutlich zur Folge haben, dass auch der EFSF sein Triple-A-Rating verlöre.

Isabelle Bourgeois vom Forschungsinstitut Cirac hofft, die Moody’s-Drohung werde einen „heilsamen Schock“ bewirken und die Regierung werde endlich durchgreifen. Nichts ist ungewisser als das. Die Regierung befindet sich in einer Art Schockstarre und verweist auf angebliche Erfolge wie die bescheidene Rentenreform. Doch die Moody’s-Warnung bezieht sich auf Sarkozys Politik, nicht auf teure Wahlversprechen seines Rivalen bei den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr, François Hollande, der die Reform rückgängig machen will. Schon ab 2018 gibt es neue Löcher in den Rentenkassen. Dass bis 2013 eine Angleichung der Unternehmensbesteuerung mit dem vielfach bewunderten Modell Deutschland geplant ist, wird die Märkte kaum überzeugen, geschweige denn das Land retten.

"Sarkozy fehlt der Mut"

„Die Situation ist verfahren“, sagt Uterwedde. „Sarkozy fehlt der Mut“, fügt er hinzu. Nötige Reformen entfalten erst in zwei, drei Jahren ihre Wirkung. Doch die Regierung hat Angst vor der Straße, Angst, der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken. Diese ahnt, dass es so nicht weitergehen kann. Sarkozy hätte das Momentum seines Wahlsieges 2007 nutzen müssen. Doch er brachte nicht einmal eine Liberalisierung des mittelalterlich anmutenden Taxi-Lizenzsystems zustande, weil die Taxifahrer-Lobby dagegen massiv mobilmachte. Nicht viel besser sieht es etwa in den monopolistischen oder oligopolistischen Eisenbahn-, Energie-, Telekom- oder Handelsbranchen aus. Selbst von Brüssel aufgezwungene Marktöffnungen werden nur zögernd, partiell oder gar nicht umgesetzt.

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