Frauentag 5,3 Millionen Spanierinnen streiken für die Gleichberechtigung

Spaniens Frauen setzen am Weltfrauentag ein Signal gegen häusliche Gewalt und Machismus. Dafür erhalten sie Unterstützung von höchster Stelle.

120 Protestgruppen gingen am Weltfrauentag in Spanien auf die Straße. Quelle: Reuters

Zuerst hatten spanische Frauenorganisationen im Januar dazu aufgerufen, sich dem weltweit organisierten Streik für mehr Gleichberechtigung anzuschließen. Dann schlossen sich Gewerkschaften an. Und am Ende entstand eine Massenbewegung: 5,3 Millionen Spanierinnen haben nach Angaben der Gewerkschaften heute ihre Arbeit niedergelegt, um für mehr Rechte zu demonstrieren. 

120 Protestmärsche gab es im ganzen Land. Das Motto: „Wenn Frauen streiken, dann steht die Welt still.“ Wirklich still stand in Spanien zwar nicht viel, aber die Aktionen haben den Fokus des ganzen Landes einmal mehr auf ein wichtiges Thema gelenkt. Dabei ist es nicht so, dass die Frauenrechte in Spanien weniger geachtet werden als anderswo. Aber die öffentliche Aufmerksamkeit dafür ist in dem Königreich sehr ausgeprägt.

Das zeigt sich etwa im Umgang der Spanier mit sexueller und häuslicher Gewalt. Jeder Fall wird in den Medien aufgegriffen, führt häufig zu Demonstrationen und schafft so eine Sensibilität für das Thema, die es anderswo so nicht gibt. In Deutschland etwa sind gemessen an der Bevölkerung mehr Fälle von Gewalt gegen Frauen dokumentiert als in Spanien. Aber sie spielen bei weitem keine so wichtige Rolle in der öffentlichen Debatte.

Selbst die spanische Königin Letizia hat sich am Frauentag solidarisch mit ihren Geschlechtsgenossinnen gezeigt und heute alle Termin abgesagt. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy trug die lila Schleife am Revers, das Symbol des internationalen Frauentags. Er versprach, „für die Rechte der wirklichen Gleichheit zwischen Männern und Frauen zu arbeiten ohne irgendwelche Mühe zu scheuen.“

Seine Vizepräsidentin Soraya Saénz de Santamaria machte klar, wie nötig das ist: Selbst in ihrer hohen Position sei sie immer noch mit unakzeptablem, machistischem Verhalten konfrontiert, sagte sie am Vorabend des Streiks. Sie forderte: „Es muss sich noch viel ändern.“

Auch in den spanischen Medien spielte der Frauentag – neben einer umfangreichen Berichterstattung eine sehr sichtbare Rolle: Mehrere Moderatorinnen blieben ihren Sendungen fern. Der Chefredakteur der online-Zeitung eldiario.es, Ignacio Escolar, bekannte in einem Kommentar: „Auch ich bin ein Macho“.

Er erklärte darin, dass er sich jahrelang nicht gewundert habe, dass er auf Konferenzen stets nur mit Männern zusammen saß, obwohl er an der Uni noch mit gleich vielen Frauen und Männern studiert habe – und gelobte Besserung. 

Die Gründe des Streiks sind in Spanien dieselben wie anderswo auch: Frauen verdienen für die gleiche Arbeit weniger als Männer, sind kaum in Führungspositionen vertreten und Opfer von häuslicher Gewalt. Die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, beschwor die Nachhaltigkeit der Proteste. Diese seien auch Ausdruck eines neues Selbstbewusstseins: „Wir haben die Angst verloren und sagen basta“, sagte sie am Rande einer Kundgebung in Barcelona.

 

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