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Freytags-Frage

Eine Handelsverschwörung gegen die USA?

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Automatische Leistungsbilanzüberschüsse?

Kommen wir drittens zu einer unterbewerteten Währung. Kann diese automatisch Leistungsbilanzüberschüsse erzeugen? Die Antwort darauf hängt von vielen Faktoren ab, zum einen von der Nachfrage nach heimischen Exportgütern im Ausland: Steigt diese nach einer Abwertung drastische, wird die eigene Währung sogleich wieder aufwerten. Der Effekt ist klein. Wenn die Abwertung durch die Notenpresse stimuliert ist (wie im europäischen Fall), wird es entweder Inflation geben mit der Folge, dass die Produkte im abwertenden Land teurer und damit auch im Ausland weniger wettbewerbsfähig werden – der Effekt ist dahin.

Oder aber die Sparer exportieren ihr Kapital wegen der sinkenden Realverzinsung. Dann kommt es tatsächlich zum Leistungsbilanzüberschuss im Abwertungsland. Sinn macht er nur, wenn dort Vollbeschäftigung und herrscht und Neuinvestitionen unnötig sind. Dann aber bräuchte man die Abwertung gar nicht, weil die Exportgüter sich dann ohnehin gut verkaufen. Vor diesem Hintergrund ist eine Stimulierung der Exporte durch Abwertung eine riskante Maßnahme, die langfristig wesentlich mehr schadet als nützt.

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Kann man eine Leistungsbilanzdefizit viertens mit Handelspolitik bekämpfen? Beim bilateralen Defizit macht es gar keinen Sinn, man verteuert nur unsinnig die Importe, die ja vielfach – gerade im amerikanischen Fall – Vorprodukte sind. Die USA haben damit schon in den 1980er Jahren negative Erfahrungen gemacht, als japanische Halbleiter mit Quoten versehen wurden, um die US-Halbleiterindustrie zu schützen. Getroffen wurde damit vor allem die US-Computerindustrie, die wegen der verteuerten Vorprodukte an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verlor. Überhaupt sorgen Importschranken bei unveränderter Ersparnis und Investition im Inland über eine Aufwertung der heimischen Währung nur dafür, dass die Exporte in gleicher Höhe zurückgehen, der Saldo der Leistungsbilanz bleibt gleich!

Man sieht, die Leistungsbilanz ist weder einfach zu interpretieren noch ihr Saldo leicht zu ändern. Sicher richtig ist, dass das US-Leistungsbilanzdefizit kaum nachhaltig ist, solange sich der Staat weiter so stark verschuldet, ohne in die öffentliche Infrastruktur zu investieren. Fest steht auch, dass das Defizit nicht in Mexico-City, Peking oder Berlin als eine Verschwörung geplant wurde. Es liegt einzig in der Verantwortung der Amerikaner. Wenn sie mehr sparen, reduziert sich ihr Leistungsbilanzdefizit. Kaufen Sie weniger mexikanische Autos, bleibt es gleich. Gleiches gilt für den Umgang der US-Administration mit der deutschen Industrie. Protektionsmaßnahmen reduzieren weder das US-Defizit noch den deutschen Überschuss, der durch mehr Investitionen hierzulande sicherlich gesenkt werden kann und sollte. Das aber ist nicht das Thema des US-Präsidenten.

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