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Freytags-Frage

Warum schwächeln die BRICS-Staaten?

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Eine schlechte Nachricht für die Weltwirtschaft

Insofern muss hinterfragt werden, ob die BRICS in absehbarer Zeit dazu in der Lage sind, eine Alternative zur offenen Gesellschaft zu bieten. Es sieht nicht so aus.

Das sind die Märkte von morgen
Prag Quelle: AP
Budapest Quelle: dpa
Algier Quelle: dpa Picture-Alliance
Rabat Quelle: dpa Picture-Alliance
Mexiko-Stadt Quelle: dpa Picture-Alliance
Ankara Quelle: Ankara Views Peretz Partensky CC2.0 Generic License
Seoul Quelle: Patriot Missile at the English Language Wikipedia CC Share-Alike 3.0 Unported
  • Brasilien hat in organisatorischer Hinsicht offenbar eine großartige Weltmeisterschaft geboten. Dennoch wächst es nur noch sehr langsam und leidet nach wie vor unter den Verteilungsproblemen, gekoppelt mit Korruption und steigender Umweltbelastung.
  • Russland hat sich nie zu einer Marktwirtschaft entwickelt und ist viel zu abhängig von Gas und Öl. Hinzu kommt, dass die politische Führung immer noch die untergegangene Sowjetunion wiederbeleben will. Auf jeden Fall war Russland seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wohl nie weiter von der Demokratie entfernt als heute. Und wirtschaftlich deutet sich keine Besserung an.
  • Indien ist offenbar nicht in der Lage, die überfälligen wirtschaftspolitischen und gesellschaftlichen Reformen im Inland durchzuführen. Auch hier sind Korruption und Ungleichheit enorm hoch und schaden der Entwicklung langfristig. Es bleibt abzuwarten, ob die neue Regierung die versprochenen Reformen noch liefern kann. Auf jeden Fall hat sich Indien als ein wesentlicher Bremser der multilateralen Verhandlungen auf Ebene der Welthandelsorganisation (WTO) betätigt.
  • In China hat man erkannt, dass die wirtschaftliche Entwicklung ohne politische Reformen und vermehrter Anstrengungen im Umweltschutz nicht aufrecht zu erhalten ist. Korruption wird nun etwas ernster (wie ernst, kann von außen nicht bewertet werden) bekämpft. Die Beziehungen zu den Nachbarn werden offenbar intensiv gepflegt; darauf deutet die Silk Road Initiative hin. Politische Öffnung verheißt dies jedoch nicht. Ein Mehrparteiensystem ist noch in weiter Ferne, wenn es denn je kommt.
  • In Südafrika schließlich scheint die Regierung moralisch und intellektuell an einem Tiefpunkt angelangt zu sein. Die Korruption nimmt eher zu, als dass sie bekämpft wird (Stichwort: Nkandla!), ein Ausweg aus der Bildungsmisere ist nicht erkennbar, die Regierung ist gerade im Begriff, die Bedingungen für ausländische Investoren zu erschweren und den Freihandel als Prinzip ernsthaft in Frage zu stellen, und die marktwirtschaftliche Ordnung wird zunehmend ausgehöhlt. Wichtig ist, dass die Opposition stark bleibt und die Institutionen (Justiz, Verwaltung) trotzdem funktionieren.

Keine echt Alternative

Somit kann nicht davon die Rede sein, dass die im Moment wirtschaftlich schwächelnden BRICS eine echte Alternative zur (noch) herrschenden Nachkriegsordnung bieten können. Zudem scheint vom Schwung der BRICS –Gipfel der Jahre 2013 und 2013 nur noch wenig verbleiben zu sein. Es gibt offenbar wenig gemeinsame Positionen. Möglicherweise haben alle BRICS-Länder genug mit sich selbst zu tun.

In Arbeit
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Dies ist eine schlechte Nachricht für die Weltwirtschaft. Denn gesunde und wachsende Schwellenländer sind Absatzmärkte für die OECD und die Entwicklungsländer; sie sind zugleich Konkurrenten und damit Innovationstreiber für die Produzenten in der OECD. Ihr Erlahmen hilft dem Westen nicht.

Hinzu kommt, dass der Westen offenbar gar keine Alternative braucht, um seine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung aufzugeben. Der hohe Wohlstand scheint müde und satt zu machen, zumindest in der EU. Dies und die Alterung der Gesellschaft sorgen scheinbar für Besitzstandswahrung und Reformunwillen, Probleme werden zunehmend mit der Notenpresse gelöst. Als Fazit bleibt: Die gegenwärtige Schwäche der BRICS ist für den Westen nicht hilfreich; sie wäre besser stärker, ohne die weltwirtschaftliche Ordnung umzustülpen. Die hat sich bewährt.

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