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Freytags-Frage

Was kommt nach Nelson Mandela?

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Madibas Geist der Toleranz und des Miteinanders

Mandela – moralischer Kompass der Welt
Seinen Landsleuten war der Friedensnobelpreisträger und erste schwarze Präsident Südafrikas ein moralischer Kompass. Die Welt verehrte Nelson Mandela als politische Freiheitsikone, obwohl er für viele westliche Politiker lange ein Terrorist war. Am Abend des 5. Dezember 2013 ist Nelson Mandela in Johannesburg gestorben. Er wurde 95 Jahre alt (* 18. Juli 1918). Quelle: AP
Trotz Regen tanzten die Menschen und sangen Lieder der Anti-Apartheid-Bewegung. Wie bei der Fußball-WM brachten die Südafrikaner Vuvuzela-Trompeten mit. US-Präsident Barack Obama reiste zusammen mit Ex-Präsident George W. Bush an. Obama gehört ebenso wie Kubas Präsident Raul Castro zu den Rednern bei der voraussichtlich siebenstündigen Gedenkveranstaltung. Quelle: AP
Mandela im Jahr 2003 unter dem Fenster seiner Gefängniszelle auf Robben Island. Fast drei Jahrzehnte verbrachte er im Gefängnis, davon 18 Jahre auf der berüchtigten Gefangeneninsel Robben Island. Das verhinderte jedoch nicht, dass er zur zentralen Figur im Kampf gegen die Apartheid wurde. Quelle: REUTERS
Mit dem Regime der weißen Minderheit geriet der am 18. Juli 1918 geborene Mandela früh in Konflikt. Schon 1952 wurde der Anwalt wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen den Kommunismus angeklagt. Er gehörte zu den Ersten, die den 1961 vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC) eingeschlagenen Weg des bewaffneten Kampfes befürworteten. Auf Reisen durch Afrika und Europa warb er für die ANC-Kämpfer, die sich als Speer der Nation betrachteten. Quelle: dpa
Nach seiner Rückkehr wurde Mandela 1962 wegen unerlaubter Ausreise zu fünf Jahren Haft verurteilt. Während er die Strafe verbüßte, wurden ihm und anderen Anti-Apartheid-Kämpfern wegen Hochverrats der Prozess gemacht. "Ich habe mein Leben dem Kampf des Afrikanischen Volkes geweiht. Ich habe gegen die Vorherrschaft der Weißen und gegen die Vorherrschaft der Schwarzen gekämpft", schleuderte er seinen Richtern entgegen, deren Urteil 1964 lebenslänglich lautete. Auf diesem Bild vom 12. Juni 1964 sieht man rechts Winnie Mandela, die vergeblich vor dem Gerichtsgebäude in Pretoria auf ihren Mann wartet. Quelle: AP
Die Haft dauerte bis zum 11. Februar 1990. "Als ich durch das Tor schritt, fühlte ich selbst mit 71 Jahren mein Leben neu beginnen. Meine 10.000 Tage in Gefangenschaft waren endlich vorbei", schrieb Mandela über den Tag seiner Freilassung. Bis dahin war er einer der prominentesten Gefangenen der Welt, für dessen Haftentlassung die Menschen auf die Straße gingen. Er ging sogar in die Pop-Geschichte ein: 1984 stürmten Jerry Dammers und seine Band "The Special AKA" mit dem Protestsong "Free Nelson Mandela" die Hitparaden vieler Länder. Quelle: dpa
Nach der Freilassung im Februar 1990 setzte Mandela sein ganzes Charisma dafür ein, die Herrschaft der weißen Minderheit ohne Bürgerkrieg zu beenden. "Es ist Zeit, die Wunden zu heilen. Der Augenblick ist gekommen, die Abgründe zu überbrücken, die uns trennen", rief Mandela 1994 bei seiner Wahl zum Präsidenten Südafrikas (hier im Bild zu sehen) zur Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß auf. Seine Anhänger verehrten ihn und priesen seine Menschlichkeit, Freundlichkeit, Aufmerksamkeit und Würde. Seinen politischen Gegnern bot er kaum Angriffsfläche. Quelle: AP

Für die Regierungspartei entsteht nun also mehr Konkurrenz, die sie dazu zwingt, sich noch mehr um die Belange der Menschen, vor allem in den Townships zu kümmern. Denn es ist dem ANC bislang nicht gelungen, die Defizite in der Bildungspolitik zu beseitigen und die Verteilungsprobleme zu lösen. Stattdessen sind die Mitglieder der Regierungspartei vielfach mit sich selbst und den Möglichkeiten, den Staat für sich selber in Besitz zu nehmen, beschäftigt, was auf zunehmenden Unwillen in der Bevölkerung trifft.

Nicht zuletzt deshalb hat sich zweitens und parallel zu einer eher normalen politischen Landschaft eine Zivilgesellschaft in Südafrika entwickelt, die keineswegs mehr mit dem ANC identisch ist. Es wird vielfach Kritik an der Regierungsführung geäußert. Auch diese Stimmen sind wichtig, um Demokratie und Marktwirtschaft im Land zu stabilisieren.

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    Überdies wächst drittens eine neue schwarze Mittelschicht heran, die offenbar recht unvoreingenommen mit den Kolleginnen und Kollegen andere Hautfarbe zusammenarbeitet und ein Interesse an Stabilität hat. Diese Mittelschicht hat kein Interesse an irgendwelchen Experimenten und will den frisch gewonnen Wohlstand nicht wieder verlieren.

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    In einer Demokratie ist die Macht nur geliehen und wird bei der nächsten Wahl wieder neu ausgeschrieben. Selbst wenn eine Partei regelmäßig etwa zwei Drittel der Stimmen erzielt, ist dies kein Freibrief oder gar die Einladung, die anderen etwas über dreißig Prozent zu diskriminieren. Mit dem Ableben Mandelas wird ein Element der Kontrolle der neuen südafrikanischen Eliten im ANC verschwinden, selbst wenn man berücksichtigt, dass Mandela in den letzten Jahren nur selten in der Öffentlichkeit auftrat. Irgendwie hatte man bis zuletzt den Eindruck, die Eliten fühlten sich beobachtet und wollten Mandela nicht verletzen.

    Es bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft Politik in dem Geist der Toleranz und des Miteinanders verschiedener Kulturen und Rassen in Südafrika betrieben wird. Es wäre bitter, wenn es einen neuen - dieses Mal von schwarzer Seite beförderten - Rassismus gebe, der sich beispielsweise in Enteignungen, fehlenden Karrieremöglichkeiten oder der Verweigerung, eine Universität besuchen zu dürfen, ausdrückt. Die sich gerade bildenden demokratischen Oppositionskräfte sollten dazu beitragen, dies zu verhindern.

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