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Freytags-Frage

Wie viel darf die Großwildjagd kosten?

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Nie war Afrika als Urlaubsland attraktiver

Protestaktionen zum Kauf eines Nashorn, das in Afrika von einem anonymen Jäger erlegt werden soll. Quelle: AP

Während in den Ländern mit touristischer Infrastruktur sich die Wildbestände kontinuierlich erhöhen, ist in den Ländern, in denen die Bestände schrumpfen, die Jagd entweder verboten, oder der Tourismus ist wenig entwickelt. In diesem Fall stellen die Tiere keinen Wert dar. Im Gegenteil, sie sind Störenfriede, weil sie mit den Menschen um die Nutzung des Landes konkurrieren, weil sie die Landschaft verwüsten oder das Vieh reißen (wie Elefanten oder Löwen auf der Suche nach Nahrung). Sie werden dann illegal gejagt. Mit dem Lebensraum nimmt überdies auch ihre potenzielle Beute ab; so zumindest wird die enorme Bestandsverringerung an Löwen in Westafrika von der Nichtregierungsorganisation Panthera erklärt. Gelegentlich werden die Tiere sogar von Menschen gejagt, um als Nahrung zu dienen.

Der internationale Aufschrei verdankt sich übrigens auch der Tatsache, dass Großwild so attraktiv ist. Dass das drohende Aussterben eines Wurmes soviel Aufmerksamkeit erringen würde, kann getrost verneint werden – “Beauty pays“.

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    Damit ist auch schon die Strategie beschrieben, mit deren Hilfe der Ausweg gesucht werden muss. Anstatt die Tiere als Eindringlinge und Feinde zu betrachten, sollte man auch in Westafrika ein Geschäftsmodell aus ihnen (in gewisser Weise mit ihnen) machen. Denn mit dem Aufbau einer touristischen Infrastruktur helfen die Menschen sich selber wie auch dem Großwild.

    Viele Menschen aus den reichen Ländern, aber auch aus Schwellenländern können und wollen sich heutzutage einen Urlaub in Afrika leisten. Nie war der Kontinent populärer als heute. Dabei muss es nicht einmal um die Jagd gehen, die überwiegende Anzahl der Touristen erfreut sich einfach am Anblick der Tiere. Geht man aber davon aus, dass Großwildjagden auch durchgeführt werden würden, wenn sie verboten wären, ist die Legalisierung des kontrollierten Abschusses als Ventil durchaus vorzuziehen. Die Kontrolle der Jagdverbote fällt den afrikanischen Behörden aus verschiedenen Gründen (Ressourcenmangel, enorme Weite der Landschaft, Inkompetenz und Korruption) nämlich schwer.

    Weniger erfolgversprechend ist der Vorschlag von Panthera, dass nämlich die internationale Gebergemeinschaft mehr Ressourcen bereitstellt. Davon haben die Farmer und Wilderer nur wenig, zumindest solange nicht klar ist, wer die Mittel wofür erhält. Angesichts jahrzehntelanger ernüchternder Erfahrungen mit der Entwicklungshilfe, die von Entwicklungsökonomen wie William Easterly oder Martin Paldam eindrucksvoll analysiert wurde, kann dieser Vorschlag nur überraschen.

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    Dabei gibt es eine viel bessere Lösung, nämlich den Tourismus. Panthera selbst kann aktiv werden. Warum gründet diese offenbar bestens ausgestattete und vernetzte NGO nicht ein eigenes Tourismus-Unternehmen (sofern sie dieses noch nicht besitzt)? Dies würde erstens den Tieren helfen, die Glaubwürdigkeit dieses Unternehmens wäre sicherlich hoch. Zweitens käme Unterstützung nicht von oben oder außen, die Menschen vor Ort wären damit nicht als Opfer stigmatisiert. Drittens sind die Betreiber keine Bittsteller, sondern Business-Partner; es geht nicht um Charity. Dies ist allemal vorzuziehen. Entwicklungspolitisch wäre dies auch positiv zu sehen. Natürlich bräuchte Panthera keine Großwildjagd anzubieten.

    Unter bestimmten Bedingungen kann es aber aus ethischen oder ökonomischen Gründen durchaus vorteilhaft sein, sie anzubieten. Jede Möglichkeit zum Tierschutz sollte geprüft werden, die kommerziellen Methoden sind nicht sofort abzulehnen. Es ist für die Würde aller Beteiligten besser, ein Geschäft aus dem Tierschutz zu machen als von der Großzügigkeit anderer abhängig beziehungsweise ständig das Ziel von Fundraising-Aktivitäten zu sein.

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