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Freytags Frage

Wird die Weltbank bald verschwinden?

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Politisches Gegenwicht zum Westen

Die Prognose ist leicht, denn die Antworten auf diese Fragen können nur negativ sein. Fürchten müssen Weltbank und IMF diese Konkurrenz keineswegs. Denn es wird noch Jahre dauern, bis die BRICS-Bank wettbewerbsfähig genug ist, auch die Volumina der Etablierten zu stemmen. Außerdem ist mitnichten klar, ob die BRICS-Bank eine klare und auf Entwicklung der Ärmsten ausgerichtete Strategie hat (man kann einwenden, eine derartige Strategie fehle auch in Washington; ein Thema, das hier nur am Rande betrachtet werden soll). Denn es ist durchaus denkbar, dass die einzelnen Länder ganz unterschiedliche Ziele verfolgen:

Russland dürfte daran interessiert sein, ein politisches Gegenwicht zum Westen zu setzen. Wenn dies stimmt, wird die Kreditvergabe so ähnlich ablaufen, wie man es im Kalten Krieg beobachten konnte. Politisch nahestehende Regierungen werden unterstützt, andere nicht. Diese Strategie führt nicht zu Entwicklung und wird andere Kreditnehmer abstoßen.

Hier ist die Luft raus
ChinaChinas Wirtschaft wuchs im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent, das war weniger als im Vorquartal und blieb auch unter der Analystenprognose von acht Prozent. "Die allseits erhoffte Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität in China blieb trotz großzügiger Kreditvergabepolitik aus", sagten Experten. Nun mehren sich die Sorgen, dass die asiatische Konjunkturlokomotive an Schwung verliere, erklärten die Analysten der National-Bank die Reaktion an den Finanzmärkten. Das schwächere Wirtschaftswachstum Chinas hat bereits die Anleger an den Finanzmärkten vergrault, Verschärfungen im Immobiliensektor und eine höhere Inflation führten zu einem Kursrückgang chinesischer Aktien. Moody's senkte den Ausblick für die Chinas Kreditwürdigkeit von positiv auf stabil, woraufhin sich Kupfer und Öl deutlich verbilligten, da Investoren eine schwächere Nachfrage aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt fürchteten. Quelle: Reuters
BrasilienBrasilien war 2012 ein beliebtes Investitionsziel: Anleger brachten insgesamt 65,3 Milliarden Dollar in das lateinamerikanische Land. Trotzdem nahm das Wachstum über das gesamte Jahr 2012 um 0,9 Prozent ab. Nur im letzten Quartal stieg das Wachstum um -1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den ersten beiden Monaten 2013 gingen daraufhin die Zuflüsse von neun Milliarden Dollar im selben Zeitraum des Vorjahres auf 7,5 Milliarden Dollar zurück. Auch die Kurse brasilianischer Aktien gingen wegen des schwächeren Real, der höheren Arbeitslosigkeit, der Inflation und des relativ geringeren BIP-Wachstums auf Talfahrt. Quelle: dpa
IndienDie Reserve Bank of India (RBI) hat ihre Wachstumsprognose für 2013 von 5,8 Prozent auf 5,5 Prozent gesenkt. Behalten die Experten Recht, wäre das die niedrigste Wachstumsrate seit 2003. Schon 2012 hatte das Bruttoinlandsprodukt unter der schwächelnden Landwirtschaft und der Schwäche im Dienstleistungssektor zu leiden. Das BIP-Wachstum Indiens ging von 5,3 Prozent im dritten auf 4,5 Prozent im vierten Quartal zurück. Hoffnung ruht jetzt auf dem Vorhaben der Zentralbank, die Richtlinien für Banklizenzen an private und öffentliche Gesellschaften zu vereinfachen. Dadurch könnten weitere Banken gegründet werden. Quelle: AP
Südafrika2012 ist die südafrikanische Wirtschaft um 2,5 Prozent gewachsen, nach 3,5 Prozent im Jahr 2011. Die Kapitalzuflüsse ausländischer Investoren (foreign direct investments) nahmen im Jahr 2012 sogar um 24 Prozent ab. Mit Kapitalzuflüssen in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar war das das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 2010. Grund für das rückläufige Wachstum und die daraus resultierende Investorenflucht sollen hohe Treibstoffpreise, Inflation, eine Abwertung des Rand sowie eine schwächere Auslandsnachfrage nach südafrikanischen Exporten sein. Dementsprechend senkte die südafrikanische Regierung auch für 2013 die Prognose: Statt 3,0 Prozent soll das BIP nur um 2,7 Prozent wachsen. Quelle: dpa
TürkeiIn der Türkei schwächelt die Binnennachfrage. Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2012 betrug nur noch 2,2 Prozent - das ist der niedrigste Wert seit 2009. In den Jahren 2010 und 2011 erzielte die Türkei noch Wachstumsraten von neun Prozent. Quelle: AP
RusslandAuch in Russland fiel das Wirtschaftswachstum auf den niedrigsten Stand seit 2009 zurück: 2012 erreichte das BIP-Wachstum nur 3,4 Prozent. 2011 waren es noch 4,3 Prozent Wachstum gewesen. Analysten hoffen auf die rund 30 Wirtschaftsabkommen, die die russische Regierung mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping geschlossen hat. Energielieferungen und Militärtechnologie könnten die Wirtschaft beider Länder ankurbeln. Quelle: AP
SüdkoreaInsgesamt ist das südkoreanische BIP im Jahr 2012 um zwei Prozent gewachsen - das ist das schlechteste Ergebnis seit 2009. Schuld an der vergleichsweise mauen Entwicklung sind die schwachen Exportzahlen, der unerwartet schwache globale Aufschwung und geringere Investitionen. Auch 2013 soll es nicht viel besser werden: Das Finanzministerium senkte seine Wachstumsprognose von 3,0 auf 2,3 Prozent. Quelle: AP

Dem entgegen dürfte allerdings der chinesische und indische Hunger nach Ressourcen stehen. Deren Interesse dürfte dann weniger politisch motiviert sein als das russische, aber auch nicht besonders an der Lösung von Entwicklungsproblemen, geschweige denn an den diesen Schwierigkeiten regelmäßig zugrundliegenden Governance-Problemen (Korruption, fehlende Rechtsstattlichkeit, politische Unterdrückung etc.) orientiert sein.

Südafrika und Indien mögen vor allem regional Ziele im Blick haben, d.h. an der Unterstützung von afrikanischen bzw. asiatischen Ländern interessiert sein.

Insofern sind Konflikte innerhalb der BRICS-Bank vorprogrammiert, sofern diese Überlegungen stichhaltig sind. In diesem Fall wird es noch genug Länder geben, die sich an Weltbank und IWF wenden, anstelle in die Abhängigkeit neuer Hegemonen geraten zu wollen. Aus dieser Perspektive ist die BRICS-Bank keine Bedrohung für die Bretton-Woods Institutionen.

Ausland



Aber selbst wenn die Motive der BRICS, die Bank zu gründen, wirklich dem Interesse an Infrastruktur zuhause und an der Entwicklung der Ärmsten entspringen, ist dies noch lange kein Alarmsignal, ganz im Gegenteil. In diesem Falle entstünde tatsächliche Konkurrenz für Weltbank und IWF. Diese ist aber eher positiv zu bewerten, denn in der Tat gibt es Verbesserungspotential für deren Arbeit. Zum einen stellt sich tatsächlich die Frage, ob die der Arbeit zugrunde liegenden wirtschaftspolitischen Konzepte der Entwicklung immer förderlich sind. Zum zweiten steht es um die Zusammenarbeit der beiden Bretton-Woods Zwillinge nicht zum Besten, und dies trotz vielfältiger Anstrengungen. Echte Konkurrenz zwingt zur Verbesserung.

Vor diesem Hintergrund sollte die Gründung der BRICS-Bank nicht beunruhigen. Wenn es schlecht läuft, ändert sich nicht viel. Läuft es gut, verbessern sich die Chancen für die unterentwickelten Länder erheblich. Also: Herzlichen Glückwunsch an die BRICS zur Gründung der Bank!

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