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Freytags-Frage

Protektionismus oder offener Welthandel?

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Vier weitere Argumente für freien Handel und offene Märkte

4. Dynamische Effizienz: Intensiver globaler Wettbewerb erhöht den Druck auf die importkonkurrierende Industrie, die Produktivität zu steigern. Außerdem bewirken Importe einen Technologietransfer.

5. Außenhandel sorgt für ein besseres Verständnis anderer Kulturen und trägt zum Frieden bei. Das bekannteste Beispiel ist die Europäische Union, zumindest mit Blick auf den Binnenmarkt. Die Amerikaner sollten dies nicht vergessen, denn sie waren es, die Deutschland maßgeblich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in die Weltwirtschaft integriert haben.

6. Die positiven wirtschaftlichen Effekte des Außenhandels vergrößern die Mittelschicht; dies zeigt sich gerade in Asien (beispielsweise in Korea und Singapur) und in Afrika, wo selbst in Äthiopien eine kleine Mittelschicht entsteht. Dadurch steigt der Druck auf politische Eliten, die sogenannten Institutionen zu verbessern, das heißt konkret vor allem die Rechtsordnung und privaten Eigentumsrechte zu stärken, die wirtschaftliche Freiheit zu erhöhen und Korruption abzubauen.

7. Durch internationalen Handel steigt der Bedarf an Infrastruktur gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern. Werden diese Investitionen vorgenommen, kann sich ein positiver Kreislauf einstellen, weil die Kosten der Arbeitsteilung durch bessere Straßen, billigere Kommunikationswege oder umfassende Finanzdienstleistungen sinken.

Wenn auch diese positiven Wirkungen nicht unmittelbar und für alle Bürger eines Landes eintreten, so zeigt sich doch über die mittlere Frist, dass die Chancen aller Bürger auf Wohlstand in einem Freihandelsregime bzw. in einem Regime offener Märkte (selbst mit zahlreichen Ausnahmen, wie sie in der Realität bestehen) höher sind als in einer geschlossenen Wirtschaft.

Strafzölle und Protektionismus - Was verspricht Trumps Wirtschaftspolitik?

Der Widerstand gegen Freihandel ist jedoch groß und politisch weit verbreitet. Er basiert erstens auf der offensichtlich auch im Weißen Haus gehegten Vorstellung, dass internationaler Handel ein Nullsummenspiel ist: Was die einen gewinnen, verlieren die anderen. Durch Abgrenzung gegen ausländische Konkurrenz könne man sich vor Verlusten schützen. Insofern könne man eine Marktöffnung nur gegen Zugeständnisse anderer Länder vertreten. Die Vorstellung, dass mit Protektionismus das Inland vor Ausbeutung durch andere geschützt werden kann, ist jedoch irrig. Denn wie erwähnt ist Außenhandel im Grundsatz nicht mehr als die Erweiterung der interpersonellen Arbeitsteilung auf Handelspartner anderer Nationen. Erschwerend wirken dabei vor allem Unterschiede in der Rechtsordnung der beteiligten Länder. Niemand aber käme auf die Idee, innerstaatliche Arbeitsteilung als Ausbeutung der einen durch die anderen zu sehen und die Selbstversorgung für jeden Bürger vorzuschlagen. Zudem zeigt sich regelmäßig, dass Handelsbarrieren nicht der gesamten Bevölkerung, sondern einzelnen Sektoren dienen. Es geht also um das gezielte Bedienen einiger partikularer Interessen.

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