Freytags-Frage

Wie viel darf die Großwildjagd kosten?

350.000 US-Dollar für eine Lizenz zur Nashornjagd. Das schürt Proteste bei Tierschützern. Welche Vermarktungsmöglichkeiten es für Großwild gibt und welche Auswirkung das für den Tourismus hat.

Zehn Orte, die man gesehen haben muss
PamukkaleDie weiße Farbe und die bizarren Formen seiner Kalksteinterrassen gaben dem Ort in der Südwesttürkei seinen Namen: Pamukkale, zu deutsch „Baumwollschloss“. Die Terrassen bildeten sich über Jahrtausende durch die kalkhaltigen Thermalquellen am Städtchen, das heute zahlreiche Touristen anzieht. Quelle: Denverbabushka, Creative Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Gestreifte Eisberge der AntarktisDie Eisberge der Antarktis sind für sich schon ein spektakulärer Anblick. Doch mit ihren blauen Streifen setzt die Natur noch einen drauf. Die Verfärbungen entshehen, wenn asser an den Eisberger zu schnell gefriert. Quelle: dpa
SapporoAlljährlich verwandelt sich die japanische Zwei-Millionen-Stadt Sapporo in der Adventszeit in ein Winterwunderland. Die Stadt wird durchzogen von riesigen, bunt beleuchteten Eisskulpturen, die meist weltbekannte Gebäude darstellen. Dies japanische Armee baut sie als Teil ihres Wintertrainings detailgetreu in Maßstäben von bis zu 1:2 auf. Quelle: REUTERS
SokrotaDer Weihrauchanbau gehört zur größten Einnahmequelle der Bewohner der jemenitischen Insel Sokrota. Dieses gewinnen sie aus dem Harz der Drachenbäume auf der hauptsächlich aus einem Hochplateau bestehenden Insel. Die bizarren Gewächse und die Küstendünen, die zu den weltweit größten ihrer Art zählen, veranlassten die Unesco dazu, Sokrota und die umliegenden Inseln zum Weltnaturerbe zu erklären. Quelle: Boris Khvostichenko, Creative Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0
Glass BeachEin besonderer Strand liegt im nordkalifornischen MacKerricher State Park. Der Fort Bragg Beach, auch Glass Beach genannt, ist mit bunten Glassteinen überzogen. Wasser und Sand formten sie über Jahrzehnte aus dem einstigen Müll, den die Bewohner der Stadt Fort Bragg Anfang des 20. Jahrhunderts über die Klippen ins Meer geworfen haben. 1967 schloss der Staat diesen Küstenabschnitt und unterzog ihm einigen Reinigungsprogrammen. Übrig geblieben sind die bunten Glassteine, die dem seit 2002 wieder öffentlichem Strand ein besonderes Erscheinungsbild geben. Quelle: Jef Poskanzer, Creative Commons, Lizenz CC BY 2.0
Polarlichter in NordnorwegenIn den Wintermonaten zeigt sich nördlich des Polarkreises ein gigantisches Schauspiel am Himmel: Aurora Borealis. Die Nordlichter - wie hier über Tromsö - treten auf, wenn geladene Teilchen des Sonnenwindes auf die Erdatmosphäre treffen. Am häufigsten ist das grün-gelbliche Licht, das durch Sauerstoffatome ausgelöst wird, die in einer Höhe von etwa 100 Kilometern durch Sonnenstürme angeregt werden. Ist das Licht rot, werden die Teilchen in 200 Kilometern Entfernung zur Erde angeregt. Stickstoffatome senden ein violett-blaues Licht. Dafür sind allerdings sehr heftige Sonnenwinde nötig. Quelle: dpa
Die Felsenstadt PetraWer die Stadt Petra in Jordanien besuchen möchte, muss ein wahres Naturwunder durchqueren. Die 70 Meter tiefe Felsenschlucht namens Siq bildet über einen Kilometer Länge den Eingang zur Felsenstadt Petra. Entstanden ist die Schlucht durch heftige Wassermassen des Wadi Musa. Der Gebirgsbach schwoll nach heftigen Regenfällen so an, dass er in die Schlucht schoss und sich so tief in den Fels grub. Quelle: AP
Nationalpark BanffDieses Bergpanorama war früher nahezu jedem Kanadier ein Begriff. Der Moraine Lake zierte eine Zeit lang die Rückseite der kanadischen 20-Dollar-Note. Er liegt im Banff National Park in Alberta, dem ältesten des Landes. Hier leben Elche, Schwarzbären, Grizzlies und Wölfe in freier Wildbahn. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Baros Island auf den MaledivenNirgends ist das Wasser klarer und der Horizont weiter als auf den Malediven. Wer zwischen Lesen und Schnorcheln einmal richtig ausspannen will, sollte sich einen Urlaub in einem der Ressorts, die auf Pfählen in das Meer hineingebaut wurden, nicht entgehen lassen. Die kleine exklusive Insel Baros ist da vor allem etwas für gehobene Ansprüche und einen dicken Geldbeutel. Quelle: AP
Der Pool des SkyparkAuf dem Dach des Marina Bay Sands Hotel (Fünf Sterne) in Singapur liegt der 340 Meter lange Skypark. Absolutes Highlight ist hier ein Bad im Pool, der direkt an der Kante des 191 Meter hohen Gebäudes liegt. >>Weitere Anregungen für atemberaubende Reiseziele gibt es hier Quelle: REUTERS

Demnächst wird wieder ein Großwildjäger ein Nashorn erlegen, und zwar in Namibia. Dieses ist bereits reserviert für ihn (es wird stillschweigend angenommen, der anonyme Jäger sei männlich), und er hat dafür gezahlt.

Seitdem diese Nachricht bekannt ist, hat die öffentliche Diskussion darüber, ob Natur einen Preis haben darf, wieder Fahrt aufgenommen. Darf man das Recht, ein Tier in Afrika zu erlegen, kaufen? Sollte man nicht stattdessen die Großwildjagd ganz verbieten? Die Auktion musste übrigens unter Sicherheitsvorkehrungen abgehalten werden, weil es Drohungen gegen die Betreiber gab. Tierschutz als Mordunternehmen? Wenn man annimmt, dass die meisten Menschen den Tierschutz befürworten, sollte man die Debatte sachlich führen und einen Blick auf die Sachlage werden.

Fakt ist, das sich die Bestände verschiedener Großwildarten in Afrika sehr unterschiedlich entwickeln. Dies gilt nicht nur für verschiedene Arten im Vergleich miteinander, sondern auch für den internationalen Vergleich innerhalb derselben Art. Die Anzahl an schwarzen Nashörnern in Südafrika ist seit den 1990er Jahren gestiegen, während sie in Kenia abgenommen hat. Es leben viele Löwen im südlichen Afrika, aber der Bestand in Westafrika nimmt ständig ab, sodass dort sogar das Aussterben der Großkatze befürchtet wird.

Es scheint sich hinter diesen Befunden ein Muster zu verbergen. Das Aussterben droht vor allem dort, wo die Menschen die Fauna nicht für sich nutzen können, wo sie für die Menschen wertlos ist. Dort hingegen, wo das Großwild vermarktet werden kann, sieht es besser aus.

So stellt im südlichen Afrika Großwild aus Sicht der Menschen einen Wert dar, den sie vermarkten können. Dies geschieht in der Regel auf wenig martialische Weise, nämlich auf Fotosafaris. In den letzten Jahrzehnten sind etliche Lodges entstanden, und in zahlreichen Nationalparks können Besucher die Tiere beobachten. Diese Form von Tourismus ist relativ nachhaltig, und sie schafft viele Jobs, denn Tourismus ist ein arbeitsintensiver Sektor. Weitere Arbeitsplätze werden in Souvenirgeschäften, Restaurants, Autovermietungen und anderen Branchen geschaffen. Tourismus ist also positiv korreliert mit Artenreichtum und Biodiversität. Da Tourismus mit steigendem Einkommen überproportional nachgefragt wird, es sich also um ein sogenanntes superiores Gut handelt (Einkommenselastizität größer als eins), bietet er gute Chancen für eine positive Entwicklung in Afrika (und anderen unterentwickelten Regionen der Welt). Zahlreiche empirische Studien zeigen diesen Zusammenhang.

Manchmal sind dann auch Großwildjäger unterwegs, die jedes Mal einen hohen fünfstelligen oder gar einen sechsstelligen Betrag für einen Abschuss zahlen. Im jetzt bekanntgewordenen Fall soll ein alter Bulle erlegt werden, und der Erlös soll in den Tierschutz fließen. Dem Vernehmen nach unterstützen sogar einige Tierschützer den Abschuss des alten Nashorn-Bullen in Namibia.

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