Friedensnobelpreis Tunesisches Quartett für nationalen Dialog erhält Friedensnobelpreis

Die vier Organisationen der tunesischen Zivilgesellschaft bemühten sich, das Ausgangsland des Arabischen Frühlings in Richtung einer Demokratie zu führen. Dafür werden sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Friedensnobelpreis 2015 geht an das tunesische Quartett für den Nationalen Dialog. Quelle: Getty Images

Das tunesische Quartett für einen nationalen Dialog wird mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den vier Organisationen der tunesischen Zivilgesellschaft werde der Preis für ihre Bemühungen um den „Aufbau einer pluralistischen Demokratie“ zuerkannt, teilte das Nobelpreiskomitee in Oslo am Freitag mit. „Es begründete einen alternativen, friedlichen politischen Prozess in einer Zeit, in der das Land am Rande des Bürgerkriegs stand.“

Dem Dialogquartett gehören der tunesische Gewerkschaftsverband UGTT, der tunesische Arbeitgeberverband, die Menschenrechtsliga des Landes und die Anwaltskammer an. Die Gruppe bemühte sich infolge des Sturzes des langjährigen tunesischen Machthabers Zine El Abidine Ben Ali 2011, einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. Der Nobelpreis gehe an das Quartett und nicht an die vier einzelnen Verbände, hieß es vom Komitee.

Bringen diese Politiker den Frieden?
Friedensnobelpreis 2015 geht an das tunesische Quartett für den Nationalen Dialog. Quelle: Getty Images
Barack Obama (2009)Der zuletzt ausgezeichnete Politiker ist der aktuelle US-Präsident Barack Obama, „für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken“. Die norwegischen Entscheider mussten diese Auszeichnung seither immer wieder gegen Kritiker verteidigen. Schließlich tat sich der Friedenspräsident schwer, Amerikas Kriege im Nahen Osten zu beenden und hat es bis heute nicht geschafft, das Foltergefängnis Guantanamo zu schließen. Quelle: REUTERS
Al Gore (2007)Unter dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton war Al Gore acht Jahre Vizepräsident der Vereinigten Staaten, 2001 scheiterte er knapp bei dem Versuch, selbst US-Präsident zu werden. Im Anschluss engagierte er sich im Kampf gegen den Klimawandel. Für diesen Einsatz bekam er den Nobelpreis. Quelle: AP
Jimmy Carter (2002)Ein weiterer US-Präsident unter den Preisträgern. „Für sein kontinuierliches Engagement für Frieden und Demokratie“ bekam Jimmy Carter den Preis. Insgesamt waren bisher vier US-Präsidenten unter den Preisträgern, neben Carter und Obama noch Theodore Roosevelt (1906) und Woodrow Wilson (1918). Quelle: REUTERS
Jassir Arafat & Schimon Peres (1994)Der Palästinenserpräsident Arafat und die israelischen Politiker Rabin und Peres bekamen den Preis für ihre Versuche, den Nahostkonflikt zu lösen. Bei den Versuchen blieb es: Rabin wurde 1995 von einem jüdischen Extremisten ermordet, der Konflikt zwischen Israel und Palästina ist auch 20 Jahre nach der Preisverleihung nicht gelöst. Die Kritik an der Entscheidung des Komitees war und ist deshalb groß, auch weil viele Jassir Arafat eher für einen Terroristen denn für einen Friedensvermittler hielten. Quelle: AP
Nelson Mandela (1993)Der Südafrikaner kämpfte über Jahrzehnte hinweg gegen das Apartheidsregime in seinem Heimatland. 27 Jahre lang saß er deshalb im Gefängnis. Nach seiner Freilassung arbeitete er gemeinsam mit dem Staatspräsidenten Frederik Willem de Klerk an der Beendung der Apartheid. 1994 wurde Mandela dann selbst Staatspräsident und bemühte sich um eine Aussöhnung zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika. Quelle: dpa
Michail Gorbatschow (1990)Gemeinsam mit Ex-Bundekanzler Helmut Kohl (CDU) gilt Gorbatschow als einer der Hauptverantwortlichen für die deutsche Wiedervereinigung. Mit seiner Glasnost- und Perestroika-Politik trug der sowjetische Staatspräsident zum Ende des Kalten Krieges bei. Während Gorbatschow im Westen bis heute hoch geschätzt wird sehen ihn seine Landsleute deutlich kritischer. Teile der heutigen russischen Führung machen ihn für den Zerfall der Sowjetunion verantwortlich. Quelle: dpa

UGTT-Generalsekretär Houcine Abassi zeigte sich in einer ersten Reaktion „überwältigt“ von der Geste des Nobelpreiskomitees. „Es ist ein Preis, der die mehr als zweijährige Anstrengungen des Quartetts krönt, zu einer Zeit, als das Land an allen Fronten in Gefahr war.“ Gemeinsam mit den anderen drei Gruppen habe die Gewerkschaft versucht, das Land aus der Krise zu führen, sagte Abassi. Dass das Quartett dafür einen Friedensnobelpreis bekommen würde, habe er aber nicht erwartet.

Tunesien war Ausgangsland des sogenannten Arabischen Frühlings, bei dem in Volksaufständen mehrere Machthaber arabischer Länder gestürzt wurden. Anders als etwa in Libyen und im Jemen glitt Tunesien in der Folge nicht in einen Bürgerkrieg ab, sondern baute schrittweise und unter Einbeziehung vieler politischer und gesellschaftlicher Kräfte demokratische Strukturen auf.

Die noch junge und fragile Demokratie des Landes wurde in diesem Jahr allerdings von zwei blutigen Terroranschlägen auf Touristen erschüttert. Im Juni erschoss ein Bewaffneter in dem Urlaubsort Sousse 38 Menschen, vor allem Briten. Im März kamen 22 Menschen bei einem Anschlag im Nationalmuseum von Bardo in Tunis ums Leben. Die Gewalt erschütterte die für Tunesien so wichtige Tourismusindustrie. Erst am Donnerstag wurde in Sousse wieder auf einen Abgeordneten geschossen.

„Mehr als alles andere ist die Auszeichnung als Ermutigung für das tunesische Volk gedacht, das trotz großer Herausforderungen das Fundament für nationale Verbrüderung gelegt hat, was nach der Hoffnung des Komitees als Beispiel dienen wird, dem andere Länder folgen“, sagte die Vorsitzende des Nobelpreiskomitees, Kaci Kullmann Five.

Im vergangenen Jahr hatten die junge Pakistanerin Malala Yousafzai und der Inder Kailash Satyarthi für ihren Einsatz für Kinderrechte den mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850 000 Euro) dotierten Friedensnobelpreis erhalten. Die Verleihung aller Nobelpreise findet am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

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