G20 endet USA und Russland ringen um Lösung für Syrien

Die großen Krisen in Syrien und der Ukraine überschatten den G20-Gipfel. Alle blicken auf Putin. Sein Wille zum Kompromiss ist entscheidend. Nutzen die Großen der Weltpolitik ihre Chance in Hangzhou?

Was Chinesen über Deutsche denken
WirtschaftsmachtDeutsche sehen in China eine aufstrebende Wirtschaftsmacht – offenbar ist das jedoch auch andersherum der Fall. 60 Prozent der Chinesen assoziieren mit Deutschland ein wirtschaftlich starkes Land. 62 Prozent haben großes Interesse an deutschen Produkten und Marken. Auch politisch steht Deutschland in China gut da, 57 Prozent der Befragten nehmen das internationale politische Engagement Deutschlands als positiv wahr.  Im Gegensatz zu den Befragungsergebnissen hierzulande wird die wirtschaftliche Stärke Deutschlands in China nicht mit Sorge wahrgenommen. Quelle: dpa
Automobilindustrie38 Prozent der Chinesen denken beim Stichwort Deutschland an die Automobilindustrie. 86 Prozent ist Volkswagen als Marke bekannt, 85 Prozent kennen BMW. So kommt es, dass deutsche Exporte nach China vor allem aus den Bereichen des Maschinenbau und der Automobilindustrie kommen, während China vor allem Elektronik und Textilien nach Deutschland exportiert. Quelle: dpa
BierWas für uns die Peking-Ente ist, ist für Chinesen das deutsche Bier. 19 Prozent der Befragten fällt als erstes ein kühles Weizen oder ein dunkles Altbier ein, wenn sie an Deutschland denken. Ob es daran liegt, dass 45 Prozent der Chinesen sich vorstellen könnten, in Deutschland zu leben? Quelle: dpa
Industrie/Technologie19 Prozent der Chinesen assoziieren mit Deutschland eine fortschrittliche Technologie. Innovation und technischer Fortschritt sind Schlüsselbegriffe, die mit Deutschland in Verbindung gebracht werden. 83 Prozent der Chinesen halten deutsche Technologieprodukte für international wettbewerbsfähig, 87 Prozent trauen Deutschland die Herstellung von Hightechprodukten zu. Das chinesische Deutschlandbild ist somit um ein Vielfaches positiver als umgekehrt die Wahrnehmung der Volksrepublik China durch Deutschland. Quelle: dpa
CharaktereigenschaftenSpezielle Charaktereigenschaften wie Höflichkeit oder Pünktlichkeit sind gängige Klischees, die in anderen Ländern über Deutschland existieren – offenbar auch in China. Hier fallen 12 Prozent der Befragten beim Thema Deutschland bestimmte Charaktereigenschaften ein. Vor allem Höflichkeit macht das Rennen. 81 Prozent der Chinesen glauben, dass die in Deutschland die größte Rolle spielt. An zweiter Stelle kommt die Familie, die dritte Charaktereigenschaft, die Chinesen mit Deutschland verbinden, ist der Respekt gegenüber dem Alter. Quelle: AP
Deutsche Produkte11 Prozent der befragten Bevölkerung assoziieren mit Deutschland qualitativ hochwertige deutsche Produkte. Als erstes fällt Chinesen dabei oft die Firma Siemens ein, die das bekannteste deutsche Unternehmen in China ist. Generell glauben Chinesen, dass sich deutsche Investitionen auch auf dem chinesischen Arbeitsmarkt als positiv auswirken könnten. Deutschland gilt daher innerhalb Europas als wichtigster chinesischer Handelspartner. Die Huawei-Studie zeigt auch, dass die Zustimmung zu deutschen Produkten sich nach einem Deutschlandbesuch noch einmal deutlich steigert. Quelle: dpa
Natur und UmweltDeutschland als Naturparadies, so sehen zehn Prozent der Befragten unser Land. 63 Prozent haben daher sehr großes Interesse an Deutschland als Reiseland. Auch auf das Bild der Chinesen von der deutschen Umwelt- und Klimaschutzpolitik wirkt sich das aus. 42 Prozent der Befragten glauben, dass Deutschland in dem Bereich  weltweit zur Spitzengruppe gehört. Umgekehrt glaubt das nur 1 Prozent der Deutschen von China. Quelle: dpa

Die USA und Russland ringen um ein Ende der Gewalt im Bürgerkriegsland Syrien. Am Rande des G20-Gipfels in der ostchinesischen Stadt Hangzhou wollten US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow am Montag weiter über eine Lösung verhandeln. Der Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) endet am Montag mit einer Abschlusserklärung. Zuvor wollen die Staats- und Regierungschefs noch über Handel, die Aufsicht über Finanzen sowie schließlich über die Flüchtlingsströme und den Terrorismus beraten. Trotz ihres dichten Programms in Hangzhou will Kanzlerin Angela Merkel am Montag im Fernkontakt mit ihrer Partei in Deutschland über die Wahlpleite der CDU in Mecklenburg-Vorpommern beraten. Am Vorabend war Merkel noch mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem knapp zweistündigen Gespräch zusammengekommen.

Dabei ging es um den Bürgerkrieg in Syrien, insbesondere die katastrophale humanitäre Situation in der Stadt Aleppo, sowie die Lage in der Ostukraine, wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte. Beide hätten in dem knapp zweistündigen Gespräch „sehr konkret“ darüber gesprochen, wie die Minsker Vereinbarung für einen Frieden in der Ostukraine fortgesetzt werden könnten.

In der weißrussischen Hauptstadt Minsk hatten Merkel, Putin, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko im Februar 2015 ein Friedensabkommen ausgehandelt. Aber die Konfliktparteien in der Ostukraine - prowestliche ukrainische Truppen und prorussische Separatisten - halten sich nicht daran. Es gibt immer noch keinen Waffenstillstand. Ob es in nächster Zeit eine Neuauflage des Vierertreffens geben wird, blieb ungewiss.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier appellierte an Russland, einer Waffenruhe für Syrien zuzustimmen. „Das Angebot der USA steht. Russland kann jetzt zeigen, dass es tatsächlich an einem Ende der Kämpfe in Syrien interessiert ist“, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch Russland könne als Verbündeter von Staatsschef Baschar al-Assad kein Interesse daran haben, dass in Syrien endlos weitergekämpft werde.

„In Moskau weiß man wie überall sonst auch, dass es keine militärische Lösung für den Konflikt in Syrien gibt“, sagte Steinmeier. Das Eingreifen Moskaus habe das Regime von Machthaber Assad stabilisiert und gestärkt. „All das ändert nichts an unserer Haltung und der unserer Partner, dass wir uns ein friedliches Syrien mit Assad an der Spitze nicht vorstellen können.“

Trotz intensiver Verhandlungen am Rande des G20-Gipfels war zunächst keine schnelle Lösung in Sicht, auch wenn US-Präsident Barack Obama eine Vereinbarung mit Russland nicht ausschloss. Man sei aber noch nicht so weit. Es gebe noch tiefe Meinungsverschiedenheiten, sagte Obama am Sonntag. „Unsere Gespräche mit den Russen sind der Schlüssel, denn wenn die Russen nicht wären, könnten Assad und sein Regime ihre Offensive nicht aufrechterhalten.“ Es wurde erwartet, dass sich Obama und Putin in Hangzhou noch einzeln treffen.

Die Staats- und Regierungschefs wollten in Hangzhou zudem nach Wegen suchen, wie die kraftlose Weltwirtschaft angekurbelt werden kann. Gastgeber China hat die digitale Modernisierung der Wirtschaft in den Mittelpunkt gerückt. Kanzlerin Merkel wollte am Montag auch Präsident Xi Jinping treffen. Zum Abschluss wird die Kanzlerin einen Ausblick auf den deutschen G20-Vorsitz im kommenden Jahr geben.

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