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G20-Treffen Der brüchige Burgfrieden von Buenos Aires

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Der leise Trump

Aber gerade in der verworrenen Lage im Ukraine-Konflikt schauen nun viele auf sie. Deutschland versucht hier zwar seit viereinhalb Jahren einigermaßen erfolglos zu vermitteln, genießt aber immer noch mehr Vertrauen auf beiden Seiten als jedes andere Schwergewicht in der internationalen Politik. Auch Trump sieht das so: „Angela, lasst uns Angela einbeziehen“, forderte er kurz vor dem Gipfel mit Blick auf die Festsetzung ukrainischer Schiffe durch die russische Küstenwache vor der Halbinsel Krim.

Merkel versucht, in einem Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu deeskalieren. Der zeigt sich aber wenig entgegenkommend. Nach Gipfelende richtet er im Stile Trumps eine deftige Drohung an die ukrainische Regierung: „Das ist eine Partei des Krieges, und solange sie an der Macht ist, werden Tragödien dieser Art und der Krieg andauern.“

Mit Trump redet Merkel auch, 30 Minuten lang, in einem schmucklosen Raum in der Messehalle am Rio de la Plata. Der schwärmt erst einmal von der „großartigen Beziehung“ zur Kanzlerin. Aber wo er Deutschland sonst gerne mal via Kurznachrichtendienst beschimpfte, gibt er sich am Rio de la Plata ziemlich zahm - er will diesen Gipfel anders als beim G7-Treffen im Mai nicht sprengen.

Über seine PR-Waffe Twitter kommen vor allem warme Worte: Trump lobt seinen während des Gipfels gestorbenen Vorgänger George H. W. Bush, bedankt sich artig bei den Gipfel-Gastgebern und den Kollegen für tolle Gespräche und produktives Arbeiten. Das schon minuziös geplante Treffen mit Putin sagt er gleich ganz ab – wichtige weltpolitische Fragen, darunter die ungewisse Zukunft des Atomabrüstungsvertrages INF, bleiben so auf höchster Ebene unbehandelt.

Es kommt gerade mal zum Smalltalk der beiden beim Dinner im berühmten Teatro Colón. Die Pressekonferenz zum Gipfelabschluss sagt Trump dann auch noch ab - angeblich aus Respekt vor der trauernden Familie Bush. Der Respekt ist in Trumps Amtsführung jedoch neu – während der Beerdigung von Senatorenlegende John McCain hatte er Golf gespielt.

Das heikle Thema Saudi-Arabien überlässt der US-Präsident inmitten der Affäre um den Mord am Journalisten Jamal Khashoggi im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul seinem Außenminister Mike Pompeo. Einen Handschlag mit dem saudischen Kronprinzen, so wie Wladimir Putin ihn zelebrierte, wollte Trump nicht. Ohnehin wird Mohammed bin Salam sehr freundlich behandelt. Offene Kritik oder auffällige Distanz: Fehlanzeige.

Merkel war übrigens nicht nur die letzte, die zum Gipfel eintraf, sondern tritt auch ihre Rückreise ungewöhnlich spät an. Am Ende hat sie plötzlich ganz viel Zeit, spaziert durch Buenos Aires, sogar für einen Steakhaus-Besuch reicht es noch. Weil die Crew des nach Buenos Aires beorderten Ersatzfliegers die Ruhezeiten beachten muss, genießt die Kanzlerin bei Frühlingstemperaturen einen freien Abend in Argentiniens Hauptstadt. Die Gipfelreise endet für sie genauso ungewöhnlich, wie sie begann.

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