G8-Treffen Wohlfühl-Gipfel in der Blockhütte

Leere Worte, nette Gesten, bloß kein Streit: Das G8-Treffen war ein nettes Wochenende auf dem Landsitz des US-Präsidenten. Die Griechen sollen in der Eurozone bleiben. Wie und warum eigentlich, wird erst gar nicht diskutiert.

US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Präsident der EU-Kommission Jose Manuel Barros Quelle: REUTERS

“How have you been?”, fragte US-Präsident Barack Obama Bundeskanzlerin Angela Merkel freundlich als sie in Camp David zum G8-Gipfel eintraf. Die Frage ist nicht wirklich Ernst gemeint, kein Amerikaner erwartet darauf eine ehrliche Antwort, sondern nun ein nettes “I have been great” oder – ein kurzes “good, good”. Aber Mrs. Merkel presst die Lippen zusammen und verkneift sich eine ehrliche Antwort.

Die Amerikaner haben für solches Verhalten einen netten Ausdruck für die Kanzlerin der Deutschen: grumpy Angie (mürrische Angie).

Grund genug, mürrisch zu sein, hatte Angela Merkel auch. Schließlich sah es zu Beginn des G8-Gipfels auf dem Landsitz des US-Präsidenten in Camp David unweit der Hauptstadt Washington so aus, als hätten sich die übrigen sieben Länderchefs gegen die Sparmeisterin aus Deutschland verschworen – allen voran Obama.

Wachstum statt Sparen – gab Präsident Obama das Motto zur Lösung der Eurokrise aus. Merkel solle endlich ihre Daueropposition aufgeben. Kein Wunder, dass die Kanzlerin erstmal etwas verschnuppft auf Obamas Landsitz eintrudelte.

Wachstum statt Sparen – das ist wirklich ein komisches Gegensatzpaar. Wieso ist das Gegenteil von Sparen Wachstum? Richtiger müsste es doch heißen: Verschulden statt Sparen – aber das hört sich dann schon weniger positiv an und ist nicht so gut zu kommunizieren an die Öffentlichkeit.

Prinzip Hoffnung

So kam es in Camp David auch gar nicht zu einer Großoffensive von Obama und dem neuen französischen Präsidenten Hollande gegen Merkels Sparkurs. Schlimmer noch: zu einer echten Debatte über die richtigen Rezepte zur Bewältigung der Euro-Krise kam es gar nicht.

Am Samstagnachmittag war Fußball-Gucken in einer der Blockhütten auf Camp David angesagt, das ist ja auch leichter als die Eurokrise zu bewältigen.

Geradezu doppelzüngig fiel dann die Erklärung zum Thema Wirtschaft der G8-Länder aus. Wachstum, Jobs, Sparen und Etatkonsolidierung - von allem war ein bisschen dabei. Alle notwendigen Schritte sollen unternommen werden, um die Volkswirtschaften zu stärken und ihnen wieder Schwung zu geben, heißt es da. So kann sich jeder etwas herauspicken.

Nach Europa wollen auch die führenden Industriestaaten Griechenland in der Euro-Zone halten - wenn das Land seine Sparzusagen einhält. Vier Wochen vor den erneuten Wahlen in Griechenland wurden die Bürger dort damit indirekt auch von Wirtschaftsmächten wie den USA und Japan dazu gedrängt, sich sehr genau zu überlegen, wo sie auf dem Stimmzettel ihr Kreuz machen.

Umfragen zufolge zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern der Sparzusagen ab, die das Land im Gegenzug für Milliarden-Hilfen von EU und IWF abgegeben hat. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erklärte allerdings, für ihn sei die Grenze der vertretbaren Griechenland-Risiken bei den Notenbanken der Eurozone erreicht.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

So war der Gipfel in Camp David eher ein netter Meinungsausstausch als ein Kräftemessen – schließlich ist Wahlkampf in den USA. Der US-Präsident hat genug Sorgen im eigenen Land. Die Wirtschaft stottert, seine Popularitätswerte sinken.

Obama nutzte den Gipfel, um sich selbst auf heimischen Geländen positive in Szene zu setzen und ein paar positive Schlagzeilen in den heimischen Zeitungen zu ergattern. Die hat er bekommen. “Weltführer fordern Wachstum statt Sparpolitik”, titelte die New York Times am Wochenende – ganz im Sinne von Obama.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%