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Gabriel Felbermayr "Der Steuerkrieg mit den USA hat begonnen"

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"Trumps Steuerreform wird massiv Kapital und Investitionen aus Europa abziehen"

Wird Trump es wagen, sich in der Handelspolitik mit China anzulegen, dem größten Gläubiger Amerikas?
Er kann da relativ entspannt sein. China wird sich in der Handelspolitik vieles gefallen lassen, bevor das Land aus rein politischen Gründen beginnt, in großem Stil US-Staatsanleihen zu verkaufen. Die USA sind als Schuldner too big to fail, und für die Chinesen wäre es ein ökonomischer Albtraum, wenn die Kurse ihrer US-Staatsanleihen durch die Verkäufe kollabierten. Was sie tun könnten oder schon tun, ist eine Drosselung der Anleihekäufe. Auch dies könnte im Übrigen ein Erklärungsansatz für die aktuelle Dollarschwäche sein.

Warum ist der Dollar eigentlich so schwach? Angesichts des starken Wachstums und der steigenden Zinsen in den USA müsste er eigentlich aufwerten.
Ja, aber der Wechselkurs wird immer auch von den Erwartungen der Marktteilnehmer beeinflusst. Verantwortlich für die aktuelle Dollarschwäche ist vor allem die überbordende Verschuldung der USA, die sich durch die Steuerreform noch weiter erhöhen dürfte. Das macht die Märkte unruhig, das Vertrauen in die USA ist angeknackst. Von daher ist die Dollarschwäche fundamental gerechtfertigt.

Das Spiegelbild des schwachen Dollar ist der starke Euro. Ab wann wird der Wechselkurs für die deutschen Exporteure zum Problem?
Die deutsche Exportwirtschaft reagiert mittlerweile sehr robust auf Euro-Aufwertungen und kann einen Wechselkurs bis etwa 1,45 Dollar ohne große Schmerzen wegstecken. Das liegt zum einen an der vergleichsweise geringen Preisempfindlichkeit vieler Kunden, die deutsche Produkte vor allem wegen deren Qualität kaufen. Zum zweiten haben die Exporteure mittlerweile viel Erfahrung mit dem Hedging von Währungsrisiken. Es ist gängige Praxis global operierender Unternehmen, ihre Produktionsstandorte über verschiedene Währungsgebiete zu verteilen. Der Wechselkurs, ab dem es für die deutsche Exportwirtschaft gefährlich wird, ist dank der Globalisierung in den vergangenen Jahren nach oben gewandert.

Kommen wir zu Trumps Steuerreform. Welche Folgen sehen Sie für Europa und Deutschland?
Trumps Steuerreform wird massiv Kapital und Investitionen aus Europa abziehen und in die USA lenken. Das liegt nicht nur an den sinkenden Steuertarifen, sondern auch an den verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten. Der Zusammenhang zwischen Unternehmensinvestitionen und Steuerveränderungen ist in der Wissenschaft gut erforscht. Der empirische Befund ist eindeutig und zeigt eine hohe Reagibilität der Investitionen auf eine Veränderung der effektiven Steuersätze.

Wie sollte die künftige Bundesregierung auf die Steuerreform reagieren?
Sie hat gar keine Wahl, denn der Druck ist extrem hoch. Der Steuerkrieg mit Amerika steht nicht bevor – er hat schon begonnen. Die Bundesregierung muss daher die Unternehmen möglichst schnell entlasten. Sinnvoll wäre eine Senkung der Körperschaftsteuer um fünf Prozentpunkte. Man könnte auch den Weg besserer Abschreibungsmöglichkeiten gehen. Wenn die Steuersätze nominal gleich bleiben, lässt sich das an der Basis besser verkaufen. Allerdings habe ich nicht den Eindruck, dass den deutschen Parteien die Dringlichkeit der Steuerfrage bewusst ist. Gerade in der sozialdemokratischen DNA ist nicht verankert, Unternehmenssteuern zu senken.

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