WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Gbureks Geld-Geklimper

Griechenland und der Währungskrieg

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Griechenland wird gerettet, aber bis dahin schwelt ein Konflikt um die Modalitäten. Der aktuell schwache Euro wird auf Dauer gegen den Dollar gewinnen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Auch wenn Politiker und Banker noch um den heißen Brei herumreden: Die Umschuldung Griechenlands kommt. Modell steht nach wie vor die Bewältigung der Schuldenkrise lateinamerikanischer Länder über so genannte Brady-Bonds zu Beginn der 80er Jahre, wie hier schon am 12. Mai beschrieben. Das bedeutet, dass Banken – in diesem Fall einschließlich der Europäischen Zentralbank (EZB) - Opfer bringen müssen. Dies trifft allerdings nur bedingt auf griechische Banken zu. Denn um sie nicht pleite gehen zu lassen, sollen die von ihnen gehaltenen und die sonstigen bereits im Umlauf befindlichen griechischen Anleihen in solche des europäischen Rettungsschirms getauscht werden. Die würden dann von der EZB als vollwertig anerkannt – auch wegen des erheblichen als Sicherheit dienenden Auslandsvermögens der griechischen Banken.

Dass die EZB Risiken eingeht, ist ja hinreichend bekannt. Sonst wäre ihr Präsident Jean-Claude Trichet nicht unlängst auf die Schnapsidee gekommen, eine Art europäisches Finanzministerium vorzuschlagen: „eine direkte Einflussnahme durch Institutionen des Euro-Gebiets auf die Wirtschaftspolitik in dem betroffen Land“ bzw. eine „neuartige Form der Konföderation souveräner Staaten“. Doch daraus wird nichts. Stattdessen muss die EZB nun erst einmal für eine vernünftige Bewertung der von ihr aufgekauften maroden Anleihen sorgen. Dafür ist sie ausgerüstet, denn sie bestimmt selbst, welchen Wert sie den Anleihen beimisst. Sie muss jedoch auf deutsche Interessen Rücksicht nehmen, weil die Deutsche Bundesbank über 27 Prozent des EZB-Kapitals verfügt.

Die schwache Flanke der Deutschen

Damit beginnt das Geschacher um die Verteilung der Lasten im Euro-Raum. Wobei die deutsche Seite, abgesehen vom 27-prozentigen Faustpfand der Bundesbank, durchaus auch ihre Schwächen hat. So haben beispielsweise deutsche Banken laut Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ihre führende Rolle als Besitzer griechischer Staatsanleihen von Ende 2010 bis Ende März 2011 von 22,7 auf 23,1 Milliarden Euro ausgebaut. Zum Vergleich: Nach dem drastischen Abbau ihrer Bestände hielten französische Banken Ende 2010 nur noch für 10,3 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen, italienische Banken sogar nur für knapp 1,6 Milliarden Euro. Nicht allein der ganze übrige Euro-Raum fuhr seine Bestände an griechischen Staatsanleihen ebenfalls drastisch zurück, sondern auch der Rest der Welt.

Aus diesen Zahlen wird ersichtlich, dass seit 2010 ein regelrechter Währungskrieg stattfindet. Damit relativiert sich auch die an sich starke Stellung der 27-prozentigen Beteiligung der Bundesbank an der EZB. Und damit wird klar, warum Bundesbank-Präsident Jens Weidmann schon mal verlauten ließ, sein Institut spreche sich „nicht per se gegen eine Umschuldung“ Griechenlands aus.

Manfred Gburek

Die griechische Staatsverschuldung in Höhe von schätzungsweise 158 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 2011 ist ohne Zweifel ein sehr ernst zu nehmender Härtetest für den Euro. Doch in Anbetracht der anstehenden Umschuldung und der abzusehenden positiven BIP-Entwicklung Griechenlands bereits im kommenden Jahr ist sie keineswegs ein solches Drama, wie es vor allem von angelsächsischen Medien stets aufs Neue kolportiert wird und sich gerade wieder im zum Dollar schwachen Euro bemerkbar macht.

Warum also die nun schon seit mehr als einem Jahr anhaltende Griechenland-Phobie? Vier Antworten drängen sich auf: 1. die Durchschlagskraft angelsächsischer Medien, 2. das schlechte, unkoordinierte und zum Teil sogar schlafmützige Schuldenmanagement im Euro-Raum, 3. die Suggestivkraft von bürgerkriegsähnlichen Straßenschlachten in Athen und 4. von allem etwas.

Straßenschlachten in Athen werden inszeniert

Zwar überzeugt die vierte Antwort am meisten, aber dabei spielt die dritte eine so entscheidende Rolle, dass es sich lohnt, nach den Ursachen zu forschen. Der griechische Geheimdienst EYP erhielt im vergangenen Jahr von der Regierung den Auftrag, Manager von Hedgefonds ausfindig zu machen, die auf eine Staatspleite Griechenlands wetteten. Was dabei herauskam, blieb geheim. Allerdings erhielten griechische Medien Einblick in EYP-Akten, die noch viel Schlimmeres offenbarten als die Namen von irgendwelchen Fondsmanagern, nämlich mafiöse Zustände, die belegen, dass große Teile von Athen sich schon in der Hand krimineller Organisationen befinden. Dazu gehören zum Beispiel auch Migrantenverbände und unter dem Deckmantel von Unternehmen arbeitende Schleusergruppen. Dass sich vor einem solchen Hintergrund quasi auf Befehl Straßenschlachten inszenieren lassen, liegt nahe.

Am Ende verliert der Dollar

Dieser Spuk könnte indes, zumindest was die inneren Unruhen angeht, von einem Tag auf den anderen zu Ende gehen. Und zwar dann, wenn das Militär eingreift. Erfahrung mit einer Militärdiktatur hat Griechenland ja bereits in den 70er Jahren gemacht. Doch bevor es dazu kommen könnte, dürften erst einmal viele Milliarden Euro aus den anderen Euro-Ländern, in erster Linie aus Deutschland, nach Griechenland fließen. Sozusagen alternativlos, um ein Unwort von Kanzlerin Angela Merkel zu gebrauchen. Ob der Euro dann im Vergleich zum Dollar weiter an Wert verlieren wird, bleibt offen, solange die Modalitäten der Rettung Griechenlands wie auch anderer hoch verschuldeter Länder des Euro-Raums noch nicht feststehen. Eines ist jedoch schon heute klar: Am Ende der ganzen Prozedur wird der Dollar wegen der massiven, viel ernsteren Schuldenkrise der USA im Vergleich zum Euro erheblich an Wert verlieren.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%