WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Gbureks Geld-Geklimper

"Unser Weg in die Schuldenknechtschaft"

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Der Dollar ist wieder mal in die Schusslinie geraten, obwohl der Euro nicht viel besser ist. Das Schlimmste kommt erst noch: Deutschland wird zur Kasse gebeten, die Demografie lässt die Schulden explodieren.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Dollarnote Quelle: REUTERS

Als der Euro nach seiner Einführung und nach den ersten Gehversuchen auf internationalem Parkett gemessen am Dollar abwärts stolperte, warteten Banker, die seine Einführung vorher bejubelt hatten, mit dem Spruch auf: Nicht der Euro ist schwach, sondern der Dollar stark. Dieser Unsinn wiederholt sich jetzt unter anderen Vorzeichen: Nicht der Euro sei stark, sondern der Dollar schwach, lautet auf einmal die Parole. Und wer ganz viel Phantasie mitbringt, malt das Schreckgespenst der 30er Jahre an die Wand, als die damals wichtigsten Industrieländer einen Abwertungswettbewerb austrugen, um den eigenen Export zu stärken und ihre Wirtschaft vor Importen zu schützen.

Dass die Amerikaner nicht so naiv sein können, den Dollar abstürzen zu lassen, allein um ihrer ins Hintertreffen geratenen Exportindustrie zu helfen und die Importe aus Ländern wie Deutschland oder China zu drosseln, ist indes offensichtlich. Denn den Dollar als internationale Öl- und Handelswährung opfert man nicht mal eben, nur weil die eigene Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr geraten ist. Außerdem zeugt der Druck, den die USA zurzeit vor allem auf China ausüben, damit der chinesische Yuan aufgewertet wird, von anderen Prioritäten: Die Kongresswahlen stehen an, da macht sich antichinesischer Populismus als Ablenkung von den eigenen Schwächen ganz gut.

Europa nicht besser als USA

Bei all dem Währungsgeplänkel gerät allzu leicht in Vergessenheit, worin weitere Schwächen der USA bestehen, von denen es abzulenken gilt. Ein besonders markantes Beispiel dafür sind die Staatsschulden. Generell gilt: Erreichen sie – je nach Berechnungsmodus - 70 bis 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), wird es kritisch. Das heißt, von da an ist ein Staat immer weniger in der Lage, seine Schulden zurückzahlen zu können. Nach Recherchen des renommierten Finanzdienstleisters Lazard Asset Management  landen die USA im laufenden Jahr bereits bei 92 Prozent, für 2011 sind sogar 100 Prozent zu erwarten. „Unser Weg in die Schuldenknechtschaft“, so bezeichnen die Lazard-Analysten diese Entwicklung denn auch süffisant.

Europa, speziell der Euro-Raum, hat allerdings keinen Grund, darüber zu jubeln. So ist beispielsweise Deutschland aufgrund derselben Quelle 2010 schon bei einer Verschuldungsquote von 82 Prozent angelangt, 2011 werden daraus 85 Prozent. Frankreich hangelt sich von 92 auf 99 Prozent nach oben und befindet sich damit etwa auf dem Niveau der USA, Italien sogar von 127 auf 130 Prozent. Die Schuldenknechtschaft in den großen Ländern des Euro-Raums erscheint folglich mindestens ebenso gravierend wie jenseits des Atlantiks.

Inhalt
  • "Unser Weg in die Schuldenknechtschaft"
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%