Geberkonferenz in London Millionen für Tschernobyl-Ruine

25 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl erhält die Ukraine eine halbe Milliarde Euro für eine neue Reaktor-Schutzhülle. Der alte Sarkophag ist undicht und droht einzustürzen.

Die Atomruine in Tschernobyl Quelle: dpa

Der Neubau einer Schutzhülle um den explodierten Atomreaktor im ukrainischen Tschernobyl ist vorerst finanziert. Bei einer Geberkonferenz in der britischen Hauptstadt London kamen am Mittwoch zwar nur 530 der notwendigen 615 Millionen Euro zusammen. Die Verantwortlichen sind aber zuversichtlich, dass die Finanzierungslücke bald komplett geschlossen wird. „Das Problem ist vom Tisch“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, im Anschluss an das Treffen. „Es ist jetzt absolut klar, dass die Arbeit in Tschernobyl weitergehen kann.“
Unter anderem hätten Russland und China Mittel zugesagt, ohne einen konkreten Betrag zu nennen, sagte Flasbarth, der als Vertreter der G7-Staaten sprach. Die sieben führenden westlichen Industrienationen geben 95 Millionen Euro, 70 kommen von der EU-Kommission.

Chronik der Atomkraft in Deutschland
AKW Lubmin Quelle: dpa
Harrisburg Quelle: dapd
AKW Grundremmingen Quelle: dpa/dpaweb
AKW Krümmel Quelle: dpa
Tschernobyl Quelle: dpa
1987: Inbetriebnahme AKW Mülheim-Kärlich 1988: Stilllegung AKW Mülheim-Kärlich, Inbetriebnahme AKWs Emsland, Isar 2 1989: Der Chef des E.On-Vorgängers Veba Rudolf von Bennigsen-Foerder stoppt den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe in Wackersdorf. Mehr als 30.000 Demonstranten liefen gegen den Bau Sturm. Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Am 31.Mai wurde der bis dahin etwa 10 Milliarden DM teuer Bau eingestellt. Am 6. Juni unterzeichneten Deutschland und Frankreich Verträge über eine gemeinsame Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague. Urheber des Bildes: Wikida Quelle: Creative Commons
Fässer mit Resten aus dem AKW Rheinsberg Quelle: dpa/dpaweb
1998: EnBW entsteht aus der Energieversorgung Schwaben und dem Badenwerk. Liberalisierung des Strommarktes: Verbraucher können wählen, wer den Strom liefern soll Quelle: dpa
2000: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) tritt in Kraft. Der Düsseldorfer Energieriese E.On entsteht aus der Fusion der beiden Mischkonzerne Veba und Viag. Quelle: dapd
2001: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) beschließen Ausstieg aus der Atomkraft innerhalb von 20 Jahren. Auch E.On, RWE und Co. erhalten die Möglichkeit, in erneuerbare Energien zu investieren, lassen diese Chance jedoch weitgehend verstreichen. Stattdessen spekulieren sie auf eine Laufzeitverlängerung der AKWs nach einer möglichen Regierungsübernahme durch Schwarz-Gelb. Quelle: AP
2002: Der schwedische Energiekonzern Vattenfall wird nach Übernahmen zum viertgrößten Stromkonzern in Deutschland. E.On verkauft seine Beteiligung am Logistikkonzern Stinnes Quelle: dpa
AKW Stade Quelle: REUTERS
2007: Abschaltung des AKW Brunsbüttel, 75 km nordwestlich von Hamburg. Gesellschafter sind Vattenfall und E.On. Das Kraftwerk gilt als eines der störanfälligsten in Deutschland. Im November 2012 leitete Vattenfall das Rückbauverfahren ein. Quelle: dapd
2010: RWE-Chef Jürgen Großmann greift Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Atomdebatte an. Monate später beschließt Schwarz-Gelb längere Laufzeiten für deutsche AKWs. Quelle: dpa
2011: Im japanischen Fukushima kommt es am 11. März 2011 nach einem schweren Erdbeben und einem Tsunami zur Kernschmelze in drei von sechs Reaktorblöcken. Rund 150.000 Einwohner mussten das Gebiet vorübergehend oder dauerhaft verlassen. Das Gebiet ist auf Jahrzehnte verstrahlt. Die Entsorgungsarbeiten werden voraussichtlich 30 bis 40 Jahre dauern. Die Kosten werden auf 150 bis 190 Milliarden Euro geschätzt. Drei Monate später nimmt Schwarz-Gelb die Laufzeitverlängerung zurück und setzt die Abschaltung von Isar 1, Unterweser, Biblis A/B, Philippsburg 1, Neckarwestheim 1, Krümmel, Brunsbüttel durch. Quelle: dapd
2013: RWE macht erstmals Verlust: drei Milliarden Euro Quelle: dpa
Das bringt die Zukunft2015: Abschaltung AKW Grafenrheinfeld 2017: bis 2022 Ende für die AKWs Grohnde, Philippsburg 2, Gundremmingen B/C, Isar 1/2, Brokdorf, Neckarwestheim 2, Emsland Quelle: dpa

Wie bereits zugesagt, übernimmt die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) mit 350 Millionen Euro den größten Teil. Weitere 15 Millionen Euro kommen von zahlreichen Ländern, darunter Dänemark, Österreich, Kuwait und Brasilien.

Der neue, über 100 Meter hohe und rund 2,1 Milliarden Euro teure Sarkophag soll die bisherige, einsturzgefährdete Schutzhülle aus Beton ersetzen. Nachdem am 26. April 1986 der Druckröhrenreaktor wegen einer Technikpanne explodiert war, hatten Soldaten eilig Tausende Tonnen Beton in die Ruine geschüttet. Feuchtigkeit und ein leichtes Erdbeben setzen dem Provisorium zu.

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Bereits 1997 hatten die G7-Staaten deshalb den Aufbau eines Fonds vereinbart, um einen Neubau zu finanzieren. Er soll im November 2017 fertig werden und die Umgebung rund 100 Jahre lang vor Strahlung schützen. An dem Projekt sind rund 40 Länder auf unterschiedliche Weise beteiligt.

Am Vortag war in der Nähe des Atomkraftwerks aus bisher ungeklärten Gründen ein Waldbrand ausgebrochen. Das Feuer sei aber „beinahe gelöscht“, sagte der ukrainische Umweltminister Ihor Schewtschenko, der ebenfalls an der Londoner Konferenz teilnahm. „Alles dort ist sicher und unter Kontrolle.“ Der Wind wehe vom Atomkraftwerk weg, es werde keine erhöhte Strahlung gemessen.

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