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Gefahren aus der Eurozone London öffnet die Geldschleusen

Großbritannien will Milliarden an seine Banken verteilen, um die Folgen der Eurokrise abzufedern. Das kündigte Notenbankchef King am Abend an. Finanzminister Osborne fand dramatische Worte für die derzeitige Lage Europas.

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Mervyn King, Chef der Bank of England, will den Banken in der Krise günstig Geld leihen. Quelle: dapd

Angesichts der zunehmenden Gefahren durch die Eurokrise will Großbritannien sein Bankensystem mit Geld fluten. In einer koordinierten Aktion wollen Regierung und Zentralbank die Kreditvergabe ankurbeln, kündigte der Gouverneur der britischen Notenbank Bank of England, Mervyn King, am Donnerstagabend bei einer Rede vor Bankiers in der Londoner City an.

In wenigen Wochen werde man ein entsprechendes Programm auflegen, in dem die Banken Darlehen zu Zinsen unter Marktpreis erhalten sollen, damit sie so mehr Kredite an Unternehmen und Verbraucher ausgeben können. Die Notenbank-Kredite würden mit einer Laufzeit von wahrscheinlich drei bis vier Jahren ausgestattet. Die Londoner „Times“ beziffert die Hilfen auf bis zu 100 Milliarden Pfund (123 Milliarden Euro).

Die Zentralbank werde zudem ihre Notfall-Liquiditäts-Hilfe aktivieren, die im Dezember geschaffen worden war. Gegen die Hinterlegung von Sicherheiten sollen die Banken Kapital für sechs Monate erhalten können. Mit dieser Operation sollen den Finanzinstituten mindestens fünf Milliarden Pfund pro Monat angeboten werden, ergänzte King.

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Der Notenbankchef warnte in seiner Rede vor einer „schwarzen Wolke“, die über der Eurozone stehe. Die Notwendigkeit wachse, die britische Wirtschaft mit einem Stimulus-Programm zu unterstützen, nehme zu. Finanzminister George Osborne ergänzte auf derselben Veranstaltung: „Dies sind wirtschaftlich sehr schwere Zeiten – möglicherweise die schwerste für unseren Kontinent in Friedenszeiten“. Zusammen aber könne man „neue Feuerkraft aufbringen, um unsere Wirtschaft vor der Krise vor unserer Haustür zu verteidigen“.

Experten waren über die Aussagen Kings alarmiert. Sie zeigten, dass sich der Notenbanker in den vergangenen Wochen „zunehmend ernste Sorgen über den wirtschaftlichen Ausblick macht“, sagte Barclays-Ökonom Simon Hayes dem Finanznachrichtendienst Bloomberg.

Wirtschaft rutscht in die Rezession

Die Eurozone ist der größte Handelspartner Großbritanniens und die Probleme haben längst übergegriffen. Darüber hinaus sind britische Großbanken zum Teil stark in Euroländern engagiert. Die britische Wirtschaft war zuletzt in die Rezession zurückgerutscht. Um die Wirtschaft zu stützen, hatte die Bank of England ähnlich wie die US-Notenbank Fed in den vergangenen Jahren unter anderem Staatsanleihen in Höhe von 325 Milliarden Pfund (400 Milliarden Dollar) angekauft und den Leitzins auf historisch niedrige 0,5 Prozent gesenkt.

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Die Notfallpläne der Bank of England reihen sich ein in die Vorbereitungen der wichtigsten Notenbanken der Welt, angesichts der bevorstehenden Wahl in Griechenland die globalen Finanzmärkte zu stabilisieren. „Die Zentralbanken bereiten sich auf eine koordinierte Aktion zur Bereitstellung von Liquidität vor“, sagte ein hochrangiger Vertreter der 20 wichtigsten Industrienationen (G20), der mit den Beratungen internationaler Finanzdiplomaten vertraut ist, am Abend der Nachrichtenagentur Reuters. Ziel sei es, eine Kreditklemme zu verhindern. Bundesbank und EZB waren zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Finanzminister der Euro-Zone wollen zudem am Sonntagabend in einer Telefonkonferenz über das Ergebnis der Griechenland-Wahl beraten. Das teilten zwei Eurozonen-Vertreter mit. Die Hauptsorge sei das Risiko von größeren Kapitalabflüssen, sollte sich die spar- und reformkritische radikale Linkspartei Syriza eindeutig durchsetzen. Der Ausgang der Parlamentswahl in Athen am Sonntag könnte Experten zufolge das Ende des Euro in Griechenland besiegeln, sollten sich die Spar- und Reformgegner durchsetzen. Ab Montag wollen die Staats- und Regierungschefs der G20 in Mexiko über die Folgen der Wahl und die Zukunft der Eurozone beraten.

Mit Material von Reuters und dapd

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