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Geldentwertung Urlaub aufgrund der Inflation gestrichen

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Auch für eine Preisberuhigung am Ölmarkt spricht nicht viel. Im Gegenteil: Trotz steigender Preise wächst die globale Nachfrage. Das Angebot stagniert. Kürzlich bat US-Präsident George W. Bush den potentesten aller Öl-Verkäufer, Saudi-Arabien, es möge doch ein bisschen mehr Öl aus der Erde pumpen als bisher. König Abdullahs Antwort war ein höfliches Nein.

Doch die These der Saudis, auf der Welt gebe es genug Öl, stimmt nicht. Das angesehene Londoner Centre for Global Energy Studies (CGES) hat darauf hingewiesen, dass die Opec den Weltmarkt systematisch falsch beurteilt: Nach CGES-Berechnungen wird die Erdölproduktion aller Län- » der außerhalb der Opec in diesem Jahr um 0,6 Millionen Barrel pro Tag steigen – die Opec rechnet dagegen mit 0,9 Millionen.

Wegen dieser strukturellen Knappheit sieht Goldman-Sachs-Experte Arjun Murti den Ölpreis schon auf „150 bis 200 Dollar“ steigen. In den kommenden 6 bis 24 Monaten erscheint ihm dies „immer wahrscheinlicher“. Vor zwei Jahren sagte Murti einen Preis von mehr als 100 Dollar voraus. Vielen kam dies damals unseriös und komisch vor. Jetzt lacht keiner mehr. Stattdessen rechnen sie die Folgen solcher Szenarien durch: ein Ölpreisanstieg auf 160 Dollar, schätzt Alexander Koch von UniCredit, würde die offizielle Inflationsrate in Deutschland auf vier Prozent hochschnellen lassen – und auch Brachingers erlebte Inflation könnte weiter steigen.

Es ist zu viel Geld im Umlauf

Die Gretchenfrage ist jetzt, wie lange sich der Rohstoffboom noch fortsetzt. Inflations-Beschwichtiger wie der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, hoffen, dass es nur das globale Wachstum war, das die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben hat. Folglich müsse der Ölpreis mit abflauender Konjunktur wieder sinken. So könnte der preisdämpfende Effekt der Globalisierung wieder die Oberhand gewinnen: Die Schwellenländer mit ihrem Heer an Arbeitskräften produzieren billig für den Export und halten so den Preisauftrieb in den Industrieländern in Schach.

Doch diese Theorie hat einen Haken: Denn inzwischen schlagen die hohen Rohstoffpreise auch auf die Schwellenländer durch – gerade auch auf China, weil die Landeswährung Yuan durch ihre faktische Dollar-Bindung stark unterbewertet ist. So kletterte die Inflationsrate auf fast acht Prozent. So hoch war sie zuletzt vor zwölf Jahren. In Indien stiegen die Preise zuletzt um mehr als sieben Prozent, in Vietnam um 25 Prozent. Die Schwellenländer, sagt Fels von Morgan Stanley, „sind zu einer Quelle globalen Inflationsdrucks geworden“.

Der eigentliche Grund für die Rückkehr der globalen Inflation ist aber ein anderer: Es ist zu viel Geld im Umlauf, weil die Notenbanken, allen voran die amerikanische Fed, aus Angst vor den Auswirkungen der Finanzkrise die Leitzinsen kräftig gesenkt haben. Selbst in Euroland, wo die Europäische Zentralbank (EZB) sich bislang beharrlich weigert, die Zinsen zu senken, wächst die Geldmenge viel stärker als das Güterangebot. Weltweit, so rechnet Fels vor, liegt der durchschnittliche Leitzins derzeit bei 4,3 Prozent, während die globale Inflationsrate mehr als fünf Prozent beträgt – der Realzins ist also negativ. „Das zeigt, wie lax die globale Geldpolitik derzeit ist“, so Fels.

Wenn aber immer mehr Geld hinter einer deutlich langsamer wachsenden Gütermenge herjagt, muss das unvermeidlich steigende Preise zur Folge haben. Viel erinnert jetzt wieder an das Mantra des amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman: „Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen.“

Das treibt auch die EZB-Strategen um. Bisher bleiben sie hart. So nannte Bundesbankchef und EZB-Ratsmitglied Axel Weber kürzlich die Inflationsraten in Euroland „besorgniserregend“ – und sprach davon, entgegen des weltweiten Trends notfalls die Zinsen zu erhöhen. Hinter der Falken-Fassade steckt die Sorge, dass sich die Inflation leicht verselbstständigen kann, wenn sich die Arbeitnehmer in den Lohnverhandlungen das zurückholen, was sie durch die Inflation real verloren haben. Die höheren Löhne werden dann von den Unter- » nehmen wieder über die Preise an die Verbraucher weitergereicht: die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale kommt in Gang.

Erste Anzeichen dafür sind unübersehbar. In Deutschland klettern die Löhne so schnell wie seit Jahren nicht mehr. Und: „Wir haben die Hoffnung, dass wir in Zukunft zu deutlich besseren Tarifabschlüssen kommen“, frohlockt Reinhard Bispinck, Tarifexperte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

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