WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Georg Milbradt "Der teuerste Weg für den Steuerzahler"

Seite 2/2

Warum handeln Paris und Berlin so?

Man versucht, wirtschaftliche Vernunft aus politischen Gründen auszuhebeln. Das wird scheitern und kostet viel. Frankreich hat auch bei Griechenland ein starkes Eigeninteresse, weil seine Banken dort in hohem Maß aktiv waren, und will die Lasten europäisieren. Als in den USA die Subprime-Krise ausbrach und deutsche Banken viel stärker als französische betroffen waren, sprang Sarkozy uns nicht bei.

Wie beurteilen Sie die Rolle der EZB bei den Rettungsmaßnahmen?

Sie macht sich zum Büttel der Politik, indem sie die Grenzen von Geld- und Fiskalpolitik statutenwidrig überschreitet. So verspielt man Unabhängigkeit und Vertrauen in eine stabile Währung. Die Notenbank hat sich zudem noch viel stärker in die Bredouille gebracht, als die Öffentlichkeit weiß. Als Clearingstelle im Zahlungsverkehr zwischen den nationalen Notenbanken hat die EZB seit 2008 gigantische Überziehungskredite – sogenannte Target-Salden – gegenüber Griechenland, Irland, Portugal und Spanien auflaufen lassen. Die Bundesbank hat in diesem System Forderungen von über 300 Milliarden Euro gegenüber der EZB. Das ist weit mehr, als die EZB an Anleihen aufgekauft hat.

Wie kann die Zentralbank ihre Solidität und Reputation wiederherstellen?

Mit dieser EZB wird das schwer. Sie erweist sich leider als weit weniger unabhängig und stabilitätsorientiert als früher die Bundesbank. Die hatte allerdings auf ihrer Seite auch eine stabilitätsbewusste Bevölkerung, die sie gegen die Begehrlichkeiten der Politik schützte. Im EZB-Rat sitzen mehrheitlich Vertreter aus früheren Schwachwährungsländern, und eine stabilitätsbewusste europäische Öffentlichkeit gibt es nicht. Deshalb befürchte ich, dass unsere Euro-Retter die Probleme am Ende mit der Notenpresse lösen möchten, um dem Steuerzahler die Rechnung zu ersparen. Das hieße für uns: mehr Inflation.

Das klingt nach doppelter Strafe für Deutschland. Zum einen müssen wir für die Schulden der anderen mithaften und dann noch mit Geldentwertung büßen.

Genauso kommt es, wenn unsere Regierung nicht endlich den Mut aufbringt, den Weg in eine unkontrollierte Transfer- und Haftungsunion zu verlassen. Die einfachen Bürger und Steuerzahler sind bei dieser Politik die Dummen, während Spekulanten von Griechenanleihen noch belohnt werden.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%