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Gespielte Transparenz Russland lädt zur Putin-Show

Zum ersten Mal seit der Rückkehr in den Kreml stellt sich Russlands Präsident den geballten Fragen der Presse. Den Auftritt nutzt er routiniert, um sich als Retter Russlands zu stilisieren – obwohl sein Land ökonomisch und politisch nicht mehr so stabil da steht wie vor fünf Jahren.

Wladimir Putin stellt sich in der ersten internationalen Pressekonferenz seit der Wiederwahl in Russlands Präsidentenamt den Fragen der Presse. Quelle: dapd

Papierfähnchen in Landesfarben schwenken die Gäste, sie halten Plakate mit fetten Lettern hoch und machen mimisch markant auf sich selbst aufmerksam – man fühlt sich in die neunziger Jahre zurückversetzt, als Boygroups wie Take That ihr Publikum in Euphorie versetzten. Doch die 1.200 Zuschauer im Moskauer World Trade Center sind keine Groupies, sondern Journalisten, sie machen ihren Job. Und auf der Bühne steht Wladimir Putin, Russlands alter wie neuer Präsident.

Die skurrile Szenerie geht im Kern auf das Prinzip von Angebot und Nachfrage zurück: Gegenüber den Medien macht sich Kreml-Chef Putin seit Jahren so rar, dass das Bedürfnis ihm Fragen zu stellen stark ist wie nie. Übers Jahr sind staatliche Nachrichten inszeniert, nur ein kleiner Kreis so genannter PUL-Journalisten kommt nah an Putin ran. Die anderen Kollegen stehen sich bei öffentlichen Auftritten stundenlang die Füße in den Bauch, um den Präsidenten dann im Nebenraum auf Video-Leinwand zu betrachten – bis nach zehnminütiger Einleitung Bild und Ton abgestellt werden. Pressekonferenzen sind selten geworden in Putins Russland.

Nur einmal im Jahr spielt Putin Transparenz: Bei der großen Pressekonferenz kurz vor Weihnachten, nach vier Jahren auf dem Parkplatz-Posten des Ministerpräsidenten auch sein erster großer Auftritt vor der Presse, mögen manche Fragen vorgegeben sein – viele Kritische kommen aber auch spontan. Putin parliert als Retter Russlands, der sein Land als sicherer Steuermann durch raue konjunkturelle Wetter und politische Klippen in eine Zukunft mit mehr Wohlstand und Wachstum führt.

Zahlen und Fakten zu Russland

Gewohnt hemdsärmelig geht Putin zur Sache, etwa als er zur Zukunft des maroden Lada-Herstellers Awtowas befragt. Dessen Chef will Putin gefragt haben: "Hör mal zu: Ihr habt schon viele Leute entlassen, obwohl wir für eure Modernisierung eine Menge Geld aus dem Budget locker gemacht haben. Wie soll es denn weitergehen?" Er sagte, dass er die Wirtschaft modernisieren will und neue Plattformen mit Renault plant. "Weitere Entlassungen soll es nicht geben." Das sind die Botschaften, die Russland von Putin als quasi-sowjetischem Schutzpatron hören will.

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