WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Gesundheitssystem Ebola wird Barack Obama gefährlich

Seite 2/2

Krisenteam soll es richten


Während deutsche Struktur- und Regionalpolitik nationale Standards flächendeckend durchsetzt, um gravierende Unterschiede etwa in der medizinischen Versorgung oder der Bildung zu vermeiden, lässt Amerika seine lokalen Akteure oft so werkeln, wie sie das für richtig halten. Diese Laisser-faire-Attitude mag im Vergleich zu den streng regulierten Verhältnissen in Europa mitunter Vorteile bieten, manchmal allerdings – wie im Fall einer drohenden Epidemie – führt sie auch zu dramatischen Fehlentwicklungen. Es fehlt der Staat als Koordinator und Kontrolleur.


Was den USA mit ihrem „fragmentierten, unkoordinierten privaten Gesundheitssystem fehlt“, schreibt die Washington Post, „ist ein nationales integriertes System, das angemessen auf nationale Herausforderungen reagieren kann.“ Ein Vorbild dabei sei das Nachbarland Kanada, das nach der SARS-Epidemie 2003 nationale Stellen ermächtigt habe, im Fall einer drohenden Seuche die nötigen Maßnahmen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu korrigieren.
Zudem fehlten schlicht die Mittel für einen angemessenen Umgang mit Ebola: „Ein ohnehin schon schwaches System sieht sich auch noch ständigen Budget-Kürzungen ausgesetzt. Die staatliche Unterstützung für Programme gegen solche Seuchen war 2013 eine Milliarde Dollar zehn Jahre zuvor.“ Das Heimatschutzministerium etwa verfüge wegen Geldmangels „nicht über die Materialien, um auf Epidemien angemessen reagieren zu können.“

Das ist das Ebola-Virus

US-Präsident Barack Obama hat rechtzeitig erkannt – beschleunigt sicherlich durch die anstehenden Midterm-Wahlen –, welche politischen Risiken das Thema birgt. Dass der Mangel an nationaler Koordination und Kontrolle seiner Regierung angelastet werden könnte, war ihm wohl schon in der vergangenen Woche klar, als er bei einer ungewöhnlichen Pressekonferenz im Oval Office den zupackenden Ebola-Koordinator gab. Schon da deutete er an, dass er einen nationalen Hauptverantwortlichen Krisenmanager – einen sogenannten Ebola-Zar – benennen wird, bei dem künftig alle Fäden zusammenlaufen sollen.
Das ist inzwischen geschehen. Der Zar heißt Ron Klain, ist als Ex-Stabschef der beiden Vize-Präsident Joe Biden und Al Gore ein alter Politik-Fuchs und wird noch diese Woche loslegen können. Einen medizinischen Hintergrund hat er zwar nicht. Aber es reicht wohl, das dies die Beamten haben, die ihm künftig zuarbeiten.


Zu den neuen Instrumenten des Ebola-Zars gehört auch ein Krisenteam des US-Militärs, das bei einem neuen Ebola-Fall eingeflogen werden kann und die Mediziner vor Ort unterstützt, damit Zustände wie im Texas Health Presbyterian künftig möglichst vermieden werden.
Obama hat schnell reagiert. Ob der Zar und seine Truppen mehr bewerkstelligen als nur Flickschusterei, ob es weitere Ebola-Fälle geben wird und ob der Umgang mit der Krankheit dann zum dominierenden Thema der Midterm-Wahlen am 4. November wird, all das muss sich zeigen.

Ausland



Fürs erste scheinen die Amerikaner mit dem Krisenmanagement des Präsidenten zufrieden. Die Tatsache, dass über das Wochenende keine neuen Ebola-Fälle bekannt wurden und dass 43 Menschen, die mit Eric Duncan Kontakt hatten, definitiv nicht an Ebola erkrankt sind, taten ihr übriges. Die Ebola-Hysterie weicht zusehends der Kritik an selbiger. Der TV-Nachrichtensender CNN verspottete die „krankhafte Hysterie“ gar als „Fear-Bola“.
Aber noch ist die Kuh nicht vom Eis. 120 Personen stehen in Dallas weiterhin unter behördlicher Überwachung, weil sie sich womöglich mit dem Virus infiziert haben. Und von den gerade einmal neun Betten, die in den USA für Ebola-Patienten in wirklich kompetenten Infektionskliniken zur Verfügung stehen, sind fünf bereits belegt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%