Getarnt als Flüchtlinge Terrorgruppe IS auf dem Weg nach Europa?

Menschen beten für den getöteten Alan Henning. Die Eltern des möglicherweise nächsten Opfers der Terrormiliz IS flehen um Gnade. Jetzt wollen die Terrormilizen angeblich als Flüchtlinge getarnt nach Europa kommen.

Die IS-Milizionäre schocken mit barbarischen Taten die Welt. Tragen sie ihren Terror bald nach Europa? Sicherheitsdiensten zufolge haben die Dschihadisten einen tückischen Plan. Quelle: dpa

Nach der Enthauptung des britischen Flüchtlingshelfers Alan Henning in Syrien setzt die Terrormiliz Islamischer Staat ihre Gräueltaten auch im Irak fort. Sechs irakische Soldaten seien in der Provinz Anbar westlich von Bagdad öffentlich mit Kopfschüssen hingerichtet worden, berichteten Augenzeugen am Sonntag aus der vom IS eroberten Stadt Hit. In Großbritannien gedachten Nachbarn und Freunde des getöteten Henning.

Gedenkgottesdienst für Henning

In seinem Heimatort Eccles im Nordwesten Englands fand ein für alle Glaubensrichtungen offener Gottesdienst des „Nachdenkens und Solidarität“ statt. Auch muslimische Geistliche in Großbritannien riefen beim Opferfest am Wochenende zu Gebeten für den Taxifahrer auf, der bei der Lieferung von Hilfsgütern nach Syrien gefangen genommen und von IS-Kämpfern geköpft wurde. Dazu kursiert seit Freitag im Internet ein Video.

Die Tat - es war die vierte Enthauptung einer westlichen Geisel - hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Die Augenzeugenberichte aus Hit im Irak machten aber einmal mehr deutlich, wie brutal die Terrormiliz auch abseits der Weltöffentlichkeit mit ihren Gefangenen verfährt. IS-Kämpfer hatten Hit, rund 140 Kilometer westlich der irakischen Hauptstadt Bagdad, am Donnerstag angegriffen. Selbstmordattentäter zündeten ihre Sprengsätze an Militärkontrollposten, die Stadt fiel nach heftigen Gefechten in die Hände der Extremisten.

Fakten zum Terror im Irak

In Anbar hatten sie bereits Ende vergangenen Jahres weite Landstriche unter ihre Kontrolle gebracht, noch bevor sie im Sommer weitere Teile des Iraks und Syriens eroberten. Gegen ihre Hochburg Falludscha in Anbar flog das internationale Militärbündnis in den vergangenen Tagen immer wieder Luftangriffe ebenso wie gegen die Stellungen der IS rund um die belagerte Stadt Kobani an der syrisch-türkischen Grenze.

Dort ging das Bombardement der USA und ihrer Verbündeten auch in der Nacht zum Sonntag weiter, wie das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte berichtete. Die Extremisten feuerten ihrerseits mindestens zehn Raketen auf Kobani ab. 16 IS-Kämpfer und elf kurdische Peschmerga seien getötet worden, hieß es.

Peter Kassig soll das nächste Opfer sein

In dem Video von Hennings Enthauptung droht ein maskierter Kämpfer, dass der IS weitere Menschen köpfen würde, solange die Angriffe weitergingen - als ersten den Amerikaner Peter Kassig. Dessen Eltern appellierten am Samstag an die Extremisten, ihren 26-jährigen Sohn zu verschonen, der bei seiner Arbeit für eine Hilfsorganisation in Syrien entführt worden war.

Nach Ansicht der USA will der IS mit den Enthauptungsvideos über ihre erlittenen Verluste während der vergangenen Wochen hinwegtäuschen. Der „Propagandakrieg“ sei der einzige Weg für die Extremisten, sich Unterstützung zu sichern und neue Mitglieder zu rekrutieren, sagten US-Regierungsbeamte der Nachrichtenagentur AP.

Der britische Premierminister David Cameron zeigte sich entschlossen, sich nicht einschüchtern zu lassen. Der einzige Weg, die Terrormiliz davor zu stoppen, weitere Geiseln zu ermorden, sei durch militärische Angriffe, betonte Cameron, dessen Streitkräfte kürzlich erstmals den IS im Irak bombardiert hatten. „Jeder der noch Zweifel über diese Organisation hat, kann jetzt sehen, wie wahrhaft abstoßend und barbarisch sie ist“, sagte er.

Terror auf dem Weg nach europa

Die extremistische Miliz versucht nun, Terrorkommandos als Flüchtlinge getarnt nach Europa zu schleusen. Aus je vier Terroristen bestehende Gruppen sollten die syrisch-türkische Grenze überqueren und mit Hilfe gefälschter Pässe weiter nach Westeuropa reisen, auch nach Deutschland. Dort sollten sie Anschläge verüben, schreibt die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Aus abgehörten Gesprächen hätten US-Geheimdienste auch erfahren, dass die Terroristen wegen der strengeren Kontrollen an Airports keine Flugzeuge benutzen sollen. Deutschen Behörden ist das Szenario laut Zeitung bekannt, dies hätten Regierungskreise bestätigt.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag auf Anfrage lediglich: „Deutschland steht nach wie vor im Fokus des dschihadistischen Terrorismus.“ Daraus resultiere eine abstrakt hohe Gefährdung für die innere Sicherheit. Derzeit gebe es jedoch keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen.

Unterdessen ziehen radikalislamische Kämpfer aus Deutschland nach Beobachtung der Sicherheitsbehörden zunehmend von Pakistan Richtung Syrien. Deutsche Nachrichtendienste gingen davon aus, dass sich einige Dschihadisten, die vor Jahren in Terrorcamps im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auswanderten, inzwischen in Syrien befänden oder auf dem Weg dorthin seien, berichtete „Die Welt“ unter Berufung auf Sicherheitskreise.

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„Der Bürgerkrieg in Syrien und die Terrorgruppe Islamischer Staat üben aktuell die größte Anziehungskraft für kampfeswillige Islamisten aus“, sagte ein nicht namentlich genannter Vertreter der Sicherheitsbehörden der Zeitung. Derzeit sollen sich dem Bericht zufolge noch rund 20 Islamisten aus Deutschland in der Grenzregion aufhalten, ursprünglich seien bis zu 100 in die Ausbildungslager des Terrornetzwerks Al-Kaida und anderer Gruppen gezogen.

Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass inzwischen rund 450 radikalisierte Muslime aus Deutschland in Richtung Syrien ausgereist sind, um sich dort am Kampf des IS zu beteiligen oder die Miliz zu unterstützen. Etwa 150 davon sind zwischenzeitlich zurückgekehrt.

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